Ihr Kinderlein kommet
Zürich verzeichnet dieses Jahr einen neuen Geburtenrekord

Hochrechnungen zeigen, dass 2016 ein neuer Geburtenrekord in Zürich erreicht wird – und die Migration hat damit nichts zu tun.

Lina Giusto
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Hochrechnungen zu Folge werden bis Ende Jahr 5300 Babys in Zürich geboren.

Hochrechnungen zu Folge werden bis Ende Jahr 5300 Babys in Zürich geboren.

zvg

Zürich ist im Babyboom. 5191 Kinder mit Wohnsitz in der Stadt wurden 2015 geboren. Das ist seit 1966 die höchste jährliche Geburtenzahl. In den letzten 15 Jahren ist sie in der Stadt um rund 45 Prozent angestiegen. Obwohl das laufende Jahr noch nicht zu Ende ist, lassen die Anzahl Geburten bereits heute den Schluss zu: 2016 wird mit geschätzten 5300 Geburten das nächste Rekordjahr. Bis Oktober verzeichnet die Stadt Zürich insgesamt 4418 Geburten.

Aufgrund von Hochrechnungen erwartet die Statistik Stadt Zürich, dass die Geburtenzahl vom vergangenen Jahr übertroffen wird. Und die Nachfrage bei grossen Spitälern in der Gegend bestätigt den Trend. Wie das Stadtspital Triemli mitteilt, sind in diesem Jahr bereits 70 Kinder mehr zur Welt gekommen als 2015.

Auch das Spital Limmattal meldet einen anhaltenden Babyboom. Mit bereits über 1000 Geburten bleibt die Zahl im Vergleich zum Vorjahr etwa gleich. Und im Spital Zollikerberg sind im Vergleich zum Vorjahr bereits 85 Babys mehr geboren worden. Das Tausendste kam bereits im Juni zur Welt. Gemäss Angaben des Spitals so früh wie noch nie.

Gebärfreudige Zürcherinnen

Eine genauere Betrachtung der Zahlen erklärt diesen Trend. Zum einen ist die Zahl der in der Stadt lebenden Frauen im gebärfähigen Alter zwischen 15 und 49 Jahren seit der Jahrtausendwende um 18 Prozent gestiegen. Zudem ist die Anzahl Geburten der gebärfähigen Frauen seit dem Jahr 2000 um rund 23 Prozent gestiegen.

Diese beiden Faktoren zusammen multiplizieren sich zu einem 45-prozentigen Wachstum der Geburtenzahlen. Auch bei der Nationalität der Mütter gab es seit dem Jahr 2000 eine Kehrtwende. Klemens Rosin, Methodiker von Statistik Stadt Zürich, sagt: «Schweizerinnen und Deutsche bekommen wieder deutlich mehr Kinder, während die Geburtenzahl bei der Bevölkerung aus den Balkanstaaten einen Rückgang verzeichnet.»

Und damit wird klar: Bei den 0 bis 6-jährigen Kindern übersteigen die Geburtenzahlen die Migration. Während sich die Zuzüge minus Wegzüge- seit dem Jahr 2000 mit einer Zunahme von drei Prozent kaum geändert hat, nahmen die Geburtenzahlen vergleichsweise überproportional zu. Dass es im Zuge der höheren Geburtenrate wegen den hohen Miet- und Immobilienpreisen zur Stadtflucht kommt, kann ebenfalls nicht belegt werden.

Neubausiedlungen bringen positiven Effekt

Im Gegenteil fördert der Bau von Familienwohnungen in Neubausiedlungen, dass junge Familien im urbanen Gebiet ansässig bleiben. Weil deutlich mehr gebärfähige Frauen in den Quartieren Escher-Wyss und Saatlen in Schwamendingen leben, ist auch die Zahl der Geburten dort seit dem Jahr 2000 um 196 respektive 70 Prozent gestiegen.

Aber auch die Quartiere Leimbach, Albisrieden, Affoltern und Oberstrass zeigen eine deutliche Zunahme bei der Geburtenzahl. Jedoch korreliert im Oberstrass-Quartier nicht die Neubautätigkeit mit dieser Zunahme. In diesem Stadtteil widerspiegelt sich deutlich der Trend zu höheren Geburtenzahlen pro Frau, denn die Altersverteilung und Anzahl Frauen dort hat sich seit dem Jahr 2000 nur marginal verändert.

Einzig in den Quartieren Weinegg und Gewerbeschule sind die Geburtenzahlen rückläufig. Weiter ist aus der Erhebung der Statistik Stadt Zürich ersichtlich, dass sich eher Familien mit einem Einkommen ab rund 75 000 Franken und im Alter zwischen 30 und 39 Jahren wieder mehr Kinder leisten. Sogar im europäischen Vergleich wird klar: Die Stadtzürcher Frauen sind gebärfreudig. Nur gerade die Städte Oslo, Stockholm und Amsterdam weisen mehr Geburten auf.