Tourismus
«Zürich soll langweilig sein? Niemals!»

Seit gut zwei Monaten ist Marlis Ackermann die neue Direktorin von Zürich Tourismus. Sie will das Motto von Zürich als «Downtown Switzerland» ersetzen. Und sie sagt, was Waschmittel und Zürich gemeinsam haben.

Von Alfred BOrter
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MarlisAckermann.abr.

MarlisAckermann.abr.

Limmattaler Zeitung

Frau Ackermann, Sie verfügen über globale Businesserfahrung, waren in Nottingham, in Dallas, in Warschau und Moskau tätig. Jetzt promoten Sie Zürich – ist das im Vergleich dazu nicht etwas langweilig?

Marlis Ackermann: Zürich soll langweilig sein? Niemals! Wenn man etwas leidenschaftlich macht, dann ist man im Leben nie gelangweilt. Die Region Zürich hat denn auch wirklich viel zu bieten – den See, Kultur, Shopping, ausgezeichnete Gastronomie und Unterhaltungsmöglichkeiten, zudem Weltklasse-Hotellerie – alles auf engstem Raum. Ich bin sehr stolz und fühle mich privilegiert, dass ich Zürich sowohl im Inland als auch ausserhalb der Schweiz repräsentieren und promoten kann.

Sie arbeiten nun seit gut zwei Monaten als Direktorin von Zürich Tourismus. Ist das harte Knochenarbeit oder ist auch
ein Stück Spass dabei?

Wie in jedem neuen Job muss man zuerst das Business verstehen. Um dies richtig zu tun, braucht es intellektuelle Disziplin und ja, auch harte Arbeit. Andererseits finde ich es sehr interessant, die verschiedenen Partner von Zürich Tourismus zu treffen und kennen zu lernen: die Stadt, den Kanton, die Hoteliers, Gastronomen, SBB, Flughafen und andere wichtige strategische Partner.

Trotz der weltweiten Krisentendenzen und jetzt des starken Frankens stieg die Zahl der Logiernächte im Einzugsbereich von Zürich Tourismus 2010 im Vergleich zum Vorjahr sogar noch um 8,2 Prozent an. Wie ist das zu erklären?

Ja, wir sind sehr zufrieden mit dem Resultat von 2010, nachdem 2009 ja rückläufig war. Wir hatten einerseits eine Zunahme in unseren Hauptmärkten Deutschland, USA und Grossbritannien, anderseits ein beschleunigtes Wachstum in den neuen Wachstumsmärkten, vor allem in China und Indien. Zudem half, dass die Kapazität in der Flughafenregion weiter ausgebaut wurde.

Was unternehmen Sie, damit der Einbruch nicht einfach mit etwas Verspätung doch noch erfolgt?

Während die wirtschaftliche Realität klar Einfluss auf den Tourismus hat, glaube ich nicht, dass man fatalistisch sein muss. Zürich war schon immer eine Qualitätsdestination, welche von Gästen geschätzt wird, die bereit sind, für ein Premiumerlebnis zu bezahlen. Heute hat Zürich etwa 1Prozent Marktanteil an allen europäischen Hotelübernachtungen. Zürich hat ein grosses Wachstumspotenzial.

In Zürich werden immer noch Hotels gebaut. Besteht überhaupt die Chance, dass so viele zusätzliche Betten auch gebraucht werden?

Über die letzten 25 Jahre betrachtet, sind die Logiernächte in Zürich mit knapp 2 Prozent gewachsen. Das ist etwa die Hälfte anderer europäischer Städte wie Wien oder Berlin und könnte sich erhöhen. Man muss in der langfristigen Perspektive die Kapazitäten mit Vorlauf planen, um der wachsenden Nachfrage gerecht zu werden.

Ist es ein Alarmzeichen, dass das «Dolder Grand» die hochgesteckten Ziele nicht erreichen konnte?

Es ist die Policy von Zürich Tourismus, keine Business-Entscheide unserer individuellen Mitglieder zu kommentieren. Was ich sagen kann, ist, dass das «Dolder Grand» ein erstklassiges Hotel ist und ein echtes Aushängeschild für Zürich. Es ist auch klar, dass es nach einer längeren Renovationsperiode Zeit braucht, um das neue Angebot bekannt zu machen.

Sie haben durchblicken lassen, dass der Slogan «Zurich downtown Switzerland» etwas an Strahlungskraft eingebüsst hat und durch etwas Neues ersetzt werden könnte: In welche Richtung gehen die Überlegungen?

Ich kann bestätigen, dass wir zusammen mit der Stadt Zürich und dem Kanton aktive Überlegungen für eine gemeinsame Marke samt neuem Logo am Entwickeln sind. Das ist ein wichtiger Schritt, um ein integriertes Destinationsmarketing für Zürich zu betreiben. Wir werden die Richtung und ein neues Logo präsentieren, sobald die Arbeiten abgeschlossen sind.

Sie haben bei Procter & Gamble das Waschmittel Ariel sowie Pampers vermarktet und bei Feldschlösschen Bier – ist die Arbeit zugunsten einer Tourismusdestination etwas ganz anderes?

Der Tourismus-Sektor und die Konsumgüterindustrie haben natürlich gewisse Unterschiede. Was jedoch gleich ist, ist das generelle Marketingvorgehen. So ist es jeweils wichtig, Kundenbedürfnisse zu verstehen, dann die Produkte- und Service-Programme zu erarbeiten sowie die wichtigsten Entscheidungsmomente zu definieren, um dann direkt oder indirekt zu vermarkten, damit das Verhalten effektiv beeinflusst wird.

Wie bringt sich Ex-Stadtpräsident Elmar Ledergerber als Präsident von Zürich Tourismus ein, nachdem ja die Zusammenarbeit zwischen Ihrem Vorgänger Frank Bumann und Elmar Ledergerber nicht immer ganz harmonisch war?

Herr Ledergerber als Präsident des Vorstandes hilft Zürich Tourismus auf verschiedene Weise: Er bringt seine Perspektive in strategischen Angelegenheiten ein, gibt Zugang zu seinem grossen Netzwerk und bringt auch seine langjährige Erfahrung ein. Ich persönlich schätze den Austausch mit ihm als jemandem, der Dinge auch kritisch hinterfragt und Brücken zu schlagen hilft. Als Person erlebe ich ihn als warmherzig mit einem guten Sinn für Humor. Ich schätze es, mit ihm sowie auch dem gesamten Vorstand von Zürich Tourismus zu arbeiten.

Wo steht die Tourismusregion Zürich in fünf Jahren?

In fünf Jahren ist ein echtes integriertes Destinationsmarketing für Zürich umgesetzt. Zürich sollte gesehen werden als führende, dynamische und innovative europäische Destination, welche die Erwartungen der Gäste vor, während und nach dem Trip nach Zürich übertrifft. Der Tourismus sollte Business-Wachstum und Profitabilität getrieben haben, Jobs geschaffen haben als wichtiger Treiber für die Wirtschaft in der Region Zürich und den lokalen Gemeinden. Die Hotellerie und Gastronomie ist lebendig, gesund und profitabel und hat ihren Weltklassestandard weiter ausgebaut.

Sie wohnten, zurück in der Schweiz, zusammen mit Ihrem Mann in Wädenswil und jetzt in Wollerau. Was bedeutet der Zürichsee für Sie?

Der Zürichsee heisst für mich in erster Line «daheim». Es vereint für mich die «Lebensqualität» und «Joie de vivre» in einem. Ich fühle mich sehr privilegiert, dem See so nahe zu sein – ob es für einen Spaziergang ist, die Enten füttern, eine gute Mahlzeit geniessen oder auch ganz einfach den Sonnenuntergang erleben.