Katholische Kirche
Zürich soll gestärkt werden – aber ohne eigenes Bistum

Das Bistum Zürich ist erneut vom Tisch, dafür wäre der Einsatz eines Weihbischofs vorstellbar – aber erst unter dem nächsten Bischof von Chur.

Lina Giusto
Merken
Drucken
Teilen
Es bleibt bei der Aufteilung der Schweiz in sechs Bistümer: Ein eigenes Bistum Zürich wird es nicht geben. Die Zürcher Katholiken bleiben an das Bistum Chur angeschlossen. (Symbolbild)

Es bleibt bei der Aufteilung der Schweiz in sechs Bistümer: Ein eigenes Bistum Zürich wird es nicht geben. Die Zürcher Katholiken bleiben an das Bistum Chur angeschlossen. (Symbolbild)

Keystone

Der Traum von einem Bistum Zürich ist geplatzt. Die Vertreter der sechs Kantonalkirchen Graubünden, Glarus, Uri, Schwyz, Ob- und Nidwalden haben sich gegen das Projekt ausgesprochen, wie der «Tages-Anzeiger» publik machte. Der Churer Bischof Vitus Huonder hatte das Thema im Mai, nach der Bestätigung seiner Amtszeit bis Ostern 2019, erneut in sein Regierungsprogramm aufgenommen. Dies obwohl nach einer Umfrage 2016 bereits deutlich wurde, dass nicht alle erwähnten Bistumskantone für den Austritt der Zürcher Kantonalkirche aus dem Bistum Chur waren. Laut Giuseppe Gracia, Sprecher des Churer Bischofs, wollte dieser nach der letztjährigen Umfrage von den Zürcher Katholiken wissen, ob er eine Kommission zur weiteren Klärung der Bistums-Frage einsetzen solle. Und weiter habe der Bischof bis heute keine klare Entscheidung seitens Zürich erhalten.

Was für viele Kirchenvertreter im Frühling überraschend kam, schätzt Benno Schnüriger, Zürcher Synodalratspräsident, als Wertschätzung von Bischof Vitus Huonder: «Die Anliegen der Zürcher Katholiken werden ernst genommen.» Dennoch war für Schnüriger immer klar, dass es ein Bistum Zürich nur unter zwei Bedingungen geben kann: «Die Zürcher benötigen die gleichen Mitspracherechte wie das Bistum Chur, und die sechs Bistumskantone müssten damit einverstanden sein.» Genau daran ist die Neulancierung der Debatte durch den Churer Bischof nun gescheitert.

«Bevor man über das Bistum Zürich nachdenkt, müsste man über die Neueinteilung der Schweizer Bistümer diskutieren.»

Werner Inderbitzin, Aktuar Biberbrugger Konferenz

Anlässlich des Jahrestreffens der Biberbrugger Konferenz, der die sieben Kantonalkirchen des Bistums Chur angehören, diskutierten die Vertreter die Idee eines Bistums Zürich am 20. Juni erneut, wie Werner Inderbitzin, Aktuar der Biberbrugger Konferenz und Präsident der Kantonalkirche Schwyz, auf Anfrage bestätigt. Die Vertreter der kantonalen Kirchen Graubünden, Glarus, Uri, Schwyz, Ob- und Nidwalden haben sich wiederum gegen ein Bistum Zürich ausgesprochen. «Bevor man über das Bistum Zürich nachdenkt, müsste man über die Neueinteilung der Schweizer Bistümer diskutieren», so Inderbitzin.

Schnüriger teilt diese Haltung: «Wir akzeptieren diesen Entscheid. Von Anfang an war klar, dass wir nicht gegen den Willen der anderen Bistumskantone handeln werden», sagt er. Zudem bräuchte es für die Schaffung eines Bistums Zürich Rahmenbedingungen, die derzeit nicht vorhanden wären.

Derzeit bedeutet in diesem Zusammenhang explizit seit 37 Jahren. 1980 wurde bereits über die Neueinteilung aller sechs Schweizer Bistümer debattiert. Damals war die Idee, drei weitere Bistümer – Zürich, Genf und Luzern – zu schaffen. «Das Bistum Chur kann nicht verändert werden, solange nicht alle Kantonalkirchen unter dem Schirm eines anderen Bistums stehen», so Schnüriger. Namentlich betrifft das gerade Ob-, Nidwalden und Teile von Uri, die bei einer Neueinteilung zum potenziellen Bistum Luzern gehören könnten. Da aber eine Reorganisation aller sechs Schweizer Bistümer heute wie auch vor knapp 40 Jahren nicht zur Debatte steht, ist das Bistum Zürich als Idee vom Tisch.

Klar ist, dass die Kantonalkirche Zürich bezüglich ihrer Grösse einen Spezialfall darstellt. Deshalb sprach sich die Biberbrugger Konferenz im Juni für die Stärkung der Zürcher Katholiken aus. Laut Inderbitzin wäre ein Weihbischof mit besonderen Vollmachten für Zürich vorstellbar. Diese Diskussion dürfte aber erst unter dem nächsten Bischof von Chur geführt werden.