Heute beginnt das Zurich Film Festival (ZFF), und im Programm ist an diesem Tag schon vieles angesagt: vom Special Screening «Rocco» über den Pornostar Rocco Siffredi bis zur Tragikomödie «Jean of the Joneses». Dazwischen finden sich die Filme «Starless Dreams» oder «Désordre» von Olivier Assayas, einem Star des europäischen Autorenkinos.

Die ganze Auswahl ist eine Einladung, und man kann hier am Zurich Film Festival auch in den nächsten Tagen ganz verschiedenen Farben des Programms folgen: zum Internationalen Spielfilm, zum Internationalen Dokumentarfilm, zum Fokus Schweiz, Deutschland, Österreich, ganz woanders hin. Insgesamt werden 172 Produktionen aus 36 Ländern gezeigt, darunter 17 Weltpremieren. Alle können sich hier einen eigenen Starschnitt zusammenbasteln.

Das Star-System

Den Höhenweg aber bezeichnen im Programm die goldenen Punkte, sie führen zu den Galapremieren, und die sind so etwas wie die Ausrufezeichen des 12. Zurich Film Festivals. Denn es heisst: Obi-Wan-Kenobi-Star Ewan Mc Gregor kommt! Harry-Potter-Star Daniel Radcliffe kommt! Oliver Stone kommt (um seinen Film «Snowden» vorzustellen)! Vor ein paar Tagen wurde publik, dass auch Uma Thurman mit «Kill Bill vol.1» kommt. Es gibt wohl im ZFF-Starsystem auch das Prinzip Nachmeldungen.

Ein ganz besonderes Ausrufezeichen gilt Hugh Grant. Am Dienstag wird der britische Schauspieler, der Geschichten wie «Notting Hill» oder «Bridget Jones’ Diary» mit seinem lässig-eleganten Stil prägte, den Golden Icon Award bekommen und den Film «Florence Foster Jenkins» vorstellen. Und da werden wieder Menschen am grünen Teppich beim Festivalzentrum am Bellevue stehen und anderen Menschen zusehen, wie sie darübergehen.

Das mit dem Über-den-grünen-Teppich-Gehen haben die eingeladenen Gäste inzwischen kapiert. Am Anfang des Zurich Film Festivals war es noch so eine Art kollektives Spiessrutenlaufen zwischen Tramtrassee und Kino Corso. Jetzt ist aber alles lockerer und grüner geworden, und alle freuen sich schon auf die Stars aus Hollywood. Denn die hat man sich in Zürich verdient. Wie man sich auch das Festival selber verdient hat.

Das Zurich Film Festival habe sich «nach dem bescheidenen Anfang» zu einem Fixstern im Zürcher Kulturleben entwickelt, sagt im Programmheft auch Stadtpräsidentin Corine Mauch. Sie, die gerne mit dem Velo an Filmfeste kommt, wird wohl auf den VIP-Limousinenservice des ZFF (dieses Jahr von BMW) verzichten.

Diese Stars waren bei der Eröffnung 2015 dabei:

Zu Corine Mauchs Favoriten am diesjährigen Festival zählt die Hommage an den Zürcher Produzenten Marcel Hoehn, der für sein Lebenswerk ausgezeichnet wird. Dafür stehen Filme wie «Die Schweizermacher», «Il bacio di Tosca», «Jeune homme» oder «Giulias Verschwinden». Es ist, als ob man alte Freunde wiederträfe.

Denn Film hat immer auch etwas mit Nähe zu tun. Wer gesehen hat, wie vor Jahren am Filmfestival von Locarno ein anderer Zürcher Produzent auf der Bühne der Piazza Grande einfach abgefertigt wurde, muss das Zurich Film Festival für seinen Einsatz für den Schweizer Film loben. Denn es gibt hier am Festival auch ein Leben abseits von Hollywood und dem ganzen Brimborium. Elf Schweizer Filme haben dieses Jahr in Zürich ihre Premiere, darunter «Skizzen von Lou» von Lisa Blatter oder «Sette giorni» von Rolando Colla.

Kino unter den Sternen

Und es wird noch lokaler. Denn jetzt hat das Zurich Film Festival neben Kino Corso, Arthouse Le Paris und Piccadilly, den Arena-Kinos und dem Filmpodium noch eine zusätzliche Spielstelle bekommen: Es ist der Pavillon of Reflections, die schwimmende Insel beim Bellevue. Die hölzerne Plattform war das Wahrzeichen der Manifesta 11 – und wird jetzt so etwas wie die Piazza Grande für das Zurich Film Festival sein: ein Kino unter den Sternen – natürlich je nach Wetterbericht mit mehr oder weniger.

Das Programm ist eine Liebeserklärung an den Zürcher Film: «Zurich, mon amour» ist der Titel, und das Schöne an dieser Liebe ist: Sie ist gratis. Von Kurt Früh werden auf der grossen offenen Leinwand «Polizischt Wäckerli», «Bäckerei Zürrer», «Café Odeon» gezeigt – das Zürich der 1950er-Jahre erscheint im Bild, zusammen mit seinen Menschen. Sie treten über die Zeit hinaus in einen Dialog mit Figuren aus der Zürcher Gegenwart: «Strähl» von Manuel Flurin Hendry ist dabei wie auch «Mary & Johnny» von Samuel Schwarz oder Samirs «Snow White». Alles in allem: Zurich, wir lieben dich.

Zurich Film Festival, 22. Sept. bis 2. Okt., weitere Informationen: www.zff.com