Exportmodell Schweiz
«Zürich kann mit Berlin mithalten»

Der Deutsche Alexander Drews gibt seine Migrationserfahrung weiter. Er lobt die Schweizer Mentalität und die Grossstadt Zürich. So meint Drews auf dem Weg nach München, er würde in die Provinz fahren.

Matthias Scharrer
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Limmattaler Zeitung

Der Liebe wegen zog Alexander Drews vor fünf Jahren in die Schweiz. «Ich bin Heiratsmigrant», sagt der Deutsche aus Berlin und München. Gegenüber den «Arbeitsmigranten», denen es hierzulande viel schwerer falle, sozialen Anschluss zu finden, sei er daher im Vorteil. Drews muss es wissen: Der 39-Jährige hat die laufende Einwanderungswelle, die kürzlich in einer Studie wissenschaftlich untersucht wurde, zu seiner Geschäftsgrundlage gemacht: Der gelernte Versicherungsbetriebswirt gibt in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Club Zürich Integrationskurse. Sein Fokus liegt dabei auf interkultureller Kommunikation – mit guten Gründen.

«Am Anfang war alles wunderbar», schildert er seine Immigrations-Erfahrung. «Dann kam der Knick, der eigentliche Kulturschock. Ich realisierte, dass ich doch nicht alles verstand, und bemerkte die versteckten Kritiken.» Er lernte die Deutschschweizer, die er – «man darf es kaum sagen» – zuvor als die besseren Deutschen sah, neu als Meister der indirekten Kommunikation kennen. «Kritik kommt in Form von Fragen oder im Konjunktiv daher. Oder körpersprachlich, indem sich der Gesprächspartner zum Beispiel wegdreht. Der Deutsche meint dann, er habe gewonnen – und merkt nicht einmal, wie falsch er damit liegt», sagt Drews. Auch sein eigenes Kommunikationsverhalten passte er an: «Ich musste lernen, Dinge durch die Blume zu sagen.»

Später sei dann der «umgekehrte Kulturschock» gekommen: «Ich wunderte mich über das rüpelhafte Verhalten der Deutschen.» Seine Sicht auf die alte Heimat veränderte sich. «Wenn ich heute nach München reise, denke ich, ich fahre in die Provinz», sagt Drews, der in Thalwil wohnt. Zürich sei internationaler, «man hört hier viel mehr Englisch auf der Strasse.» Als Metropole könne die Limmatstadt mit Berlin durchaus mithalten. Die Flugverbindungen seien sogar besser.

Der grösste Standortvorteil der Schweiz ist für Drews aber ihre Kultur des Konsenses und Vertrauens. «Der Schweizer ist kollektivistisch veranlagt. Er baut zuerst einmal eine Beziehung auf, und kommt dann zur Sache», sagt Drews. «Eigentlich müsste man die Schweizer Kultur exportieren. Ich weiss nur nicht, wie.» Dafür hat er zwei Tipps für Deutsche, die sich in der Schweiz integrieren wollen: Schweizerdeutsch lernen – was Drews mittels Kursen gut gelungen ist – und Vereinen beitreten.