Hardturm
Zürich ist um ein Musikfest reicher: Neues «Wasteland-Fest» soll Brache wieder beben lassen

Auf Festivals auf der Stadionbrache folgen wohl ab 2021 wieder Fussballspiele.

Lina Giusto
Merken
Drucken
Teilen
Wenn alles nach Plan läuft, wird hier ab 2021 wieder Fussball gespielt. Damit ginge die kreative Ära «Stadionbrache» schon bald zu Ende.

Wenn alles nach Plan läuft, wird hier ab 2021 wieder Fussball gespielt. Damit ginge die kreative Ära «Stadionbrache» schon bald zu Ende.

Florian Niedermann

Zehn Jahre nachdem das letzte Tor im Zürcher Hardturmstadion zwischen GC und Xamax fiel, soll auf der gleichnamigen Brache wieder gefeiert werden. Ende Juni findet auf der Stadionbrache ein Festival statt.

So klingt Zürich im Sommer

- Seebad Unplugged: Seit vergangenen Sonntag verwandelt sich das Seebad Enge jeweils zu einer Bühne für akustische Konzerte.

- Unplugged Sommer Konzerte im Spitz: Auf der Terrasse vor dem Landesmuseum beim Restaurant Spitz finden während dem Sommer ab dem 3. Juni jeden Samstag Konzerte statt.

- Open Air Wollishofen: Zum 10. Mal findet das musikalisch bunte Open Air direkt am Zürichsee dieses Wochenende am 9. und 10. Juni statt.

- Landenbergfest: Mitten im Quartier Wipkingen wird der Landenbergpark am 9. und 10. Juni zum zehnten Mal in ein Festivalgelände umfunktioniert.

- Zurich Pride Festival: Ebenfalls am 9. und 10. Juni wird mit kulturellen Anlässen und Konzerten für die Rechte von Schwulen, Lesben, Bisexuellen und Menschen mit Transidentität auf dem Kasernenareal demonstriert.

- Stolze Open Air: Das grösste Gratis-Open-Air im Kreis 6 findet am 16. und 17. Juni statt. Der Auftritt von FM Belfast aus Irland am Samstag ist das Highlight des Jubiläums-Anlasses.

- Open Air Wipkingen: Das Festival direkt an der Limmat findet vom am 23. und 24. Juni statt. Der Auftritt von Reggae-Act Elijah & One Camp Crew gehört zum Festival-Sommer in Zürich.

- Bounce Bounce Festival: Der Schindlergutpark wird am 24. Juni für Hip-Hop und Singer-/Songwriter-Liebhaber zum Pflichttermin.

- Stadtsommer-Konzerte: Zehn Bands spielen an fünf Abenden vom 29. Juli bis zum 5. August in Parks und auf Plätzen mitten in Zürich, unter anderem auf dem Platzspitz, in der Bäckeranlage und auf dem Helsinkiklub-Vorplatz. Mehr Infos unter www.stadt-zuerich.ch/stadtsommer.

- Äms Fäscht: Zum fünften Mal findet am 1. August auf der Bäckeranlage der alternative und multikulturelle Nationalfeiertag mit diversen Konzerten statt. Ein Muss für Singer- und Songwriter-Liebhaber.

- Idaplatzfest: Am 19. und 20. August darf laut Veranstaltern im «schönsten Kies» von Zürich getanzt, gegessen und getrunken werden.

- Röntgenplatzfest: Nicht direkt ein Festival, aber ein Fest mit Musik findet am 25. und 26. August statt. Mit dabei ist die Pop-Band Panda Lux aus St. Gallen.

- Les Digitales: Wieder wird auf der Hardturmbrache Staub aufgewirbelt. Am 27. August findet dort von 13 bis 21 Uhr das Elektrofestival statt.

- Dörflifest: Während den drei Tagen vom 26. bis zum 28. August verwandelt sich das Zürcher Niederdorf zu einem Altstadt-Open-Air.

- Musikwelle Guggach: Am 8. und 9. September verwandelt sich die Brache beim Radiostudio am Bucheggplatz in ein Festivalgelände, das auf lokale Künstler und Musiker setzt.

Damit wird der Zürcher Stadtsommer um ein Musikfest reicher. Das Wasteland-Fest tanzt dabei etwas aus der gängigen Zürcher Festivalreihe. Mit Punk- und Rock’n-Roll-Bands soll sich das Programm von den anderen Festen abheben. «Unser Ziel ist es, ein Musikfestival in der Stadt Zürich zu ermöglichen, dessen Genres auf dem Platz Zürich noch nicht als Open Air oder Festival vertreten sind», sagt Lila Siewczyk, Sprecherin von Wasteland. Das Musikprogramm verspricht metallische Klänge aus Schweden, der Schweiz und der Umgebung von Zürich. Auch kulinarisch orientieren sich die Organisatoren des Wasteland-Festes lokal und arbeiten mit dem mobilen Pop-up-Restaurant von Guerilla Kitchen und den Pizzaiolos von Flour and Water zusammen.

Für kreative Projekte bietet die Hardturmbrache seit mehr als sechs Jahren viel Raum. «Es ist ein einmaliger Ort, um Dinge entstehen zu lassen», sagt Markus Urbscheit, Vorstandsmitglied des Vereins Stadionbrache. Erst vor einem Monat fanden auf dem Areal die Zigeunerkulturtage statt. Durchgehend seit 2011 dient das Areal als Begegnungs-, Erholungs- und Projektraum, der allen Quartier- und Stadtbewohnern offen steht. So entstanden zahlreiche Freizeitnutzungen wie etwa ein Gemeinschaftsgarten und ein Hühnerhof. Aber auch Brotfans backen jeweils samstags frisches Holzofenbrot. Daneben kann nach wie vor auf dem Fussballplatz, dem Boulderwürfel oder im Skate-Pool trainiert und geschwitzt werden. All diese nicht-kommerziellen Projekte werden vom Verein Stadionbrache koordiniert. Dieser wiederum erhält das Areal kostenlos von der Stadt Zürich zur Verfügung gestellt.

Für kommerzielle Anlässe wie das Wasteland-Fest oder das Ende Juni stattfindende Food-Truck-Festival ist jedoch die städtische Liegenschaftenverwaltung zuständig. Grundsätzlich versuche man, auf der Brache ein durchmischtes Programm anzubieten, sagt Kuno Gurtner, Sprecher der städtischen Liegenschaftenverwaltung. Bereits im September wird neben einem Streetfoodfestival bereits zum zweiten Mal während rund vier Wochen das Open-Air-Kino Bloom auf die Brache ziehen. Sowohl das Filmfestival als auch das Wasteland-Fest werden von der Kulturförderung unterstützt, wie Nat Bächtold, Sprecher des Präsidialdepartements der Stadt Zürich auf Anfrage sagt. So seien die regulären Gesuche der beiden Festival-Organisatoren bewilligt und entsprechende Unterstützungsgelder gesprochen worden.

Ab 2021 wieder Fussball spielen

Ob diese kulturellen Anlässe auch nächstes Jahr noch stattfinden, ist unklar. «Der Gebrauchsleihvertrag zwischen dem Verein Stadionbrache und der Stadt Zürich dauert unbefristet, respektive bis zum Zeitpunkt des Baubeginns des künftigen Stadions», sagt Gurtner.

Die Immobilienfirma HRS Real Estate AG hat vergangenen Sommer zusammen mit der Allgemeinen Baugenossenschaft Zürich und Immobiliengesellschaften der Credit Suisse den Zuschlag für die Überbauung der Hardturm-Brache erhalten. Derzeit erarbeiten sie die Unterlagen für den Gestaltungsplan. «Unser Ziel ist, dass ab der Saison 2021/22 im neuen Stadion gespielt wird. Die Hochhäuser und die Genossenschaftswohnungen folgen etappiert rund ein Jahr später, also ab 2022», sagt Olivia Valier, Sprecherin der HRS Real Estate AG.

Dies aber unter Vorbehalt eines positiven behördlichen Entscheides zum Gestaltungsplan und dem dann entsprechenden Baugesuch, so Valier weiter. Geplant sind 173 gemeinnützige Wohnungen, die neben Büro und Ladenflächen Platz in zwei Hochhäusern auf dem Areal finden sollen. Zudem plant die Gruppe den Bau eines Fussballstadions für 18 500 Zuschauer. Das Stadion soll dann an eine Betriebsgesellschaft, hinter der die beiden städtischen Fussballclubs FCZ und GC stehen, weitervermietet werden.