Nasgelhaus
Zürich ist ein hartes Pflaster für teure Kunst

Das Stadtzürcher Stimmvolk sagt Nein zu 5,9 Millionen Franken für einen Kiosk mit WC am Escher-Wyss-Platz.

Alfred Borter
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Limmattaler Zeitung

Das als Kunstobjekt deklarierte Nagelhaus mit Imbissstätte und öffentlichem WC am Escher-Wyss-Platz hat bei der Stimmbürgerschaft der Stadt Zürich nicht genügend Anklang gefunden. Der Kredit von 5,9 Millionen Franken wurde mit 38497 zu 36539 Stimmen verworfen.

Stadträtin Ruth Genner (Grüne) bedauerte diesen eher knappen Entscheid. Bitter sei, dass das Quartier, in dem der Escher-Wyss-Platz liege, dem Projekt zugestimmt habe. Tatsächlich kam die Ablehnung in erster Linie von den peripher gelegenen Kreisen. Die höchste Ablehnung resultierte in Schwamendingen, einer SVP-Hochburg.

Vor allem die SVP hatte den Kampf gegen das Vorhaben geführt; die FDP hatte die Nein-Parole ausgegeben, aber darauf verzichtet, aktiv in den Abstimmungskampf einzugreifen. Die Alternative Liste hatte das Projekt ebenfalls bekämpft, aber in erster Linie darum, weil sie fand, das Nagelhaus im chinesischen Chongqing, welches dem Projekt zu Gevatter stand, sei als Symbol des gescheiterten Widerstands gegen ein riesiges Einkaufszentrum nicht geeignet, an den Escher-Wyss-Platz verpflanzt zu werden. SP, Grüne, Grünliberale, CVP und EVP hatten den Kredit befürwortet.

Kein Plan B

Wird nun rasch ein neues Projekt ausgearbeitet? Nein, sagte Ruth Genner: «Es gibt keinen Plan B.» Man habe lange nach einer guten Lösung für diesen schwierigen Platz gesucht, erklärte sie, das Nagelhaus, das in einem internationalen Wettbewerb überzeugt habe, wäre geeignet gewesen, den Verkehrsknotenpunkt aufzuwerten, ihn dank dem Restaurant zu beleben. Vorerst gebe es nichts anderes als einen provisorischen Kiosk und ein provisorisches WC, sie wolle zunächst abwarten, was geschehe. Später könne man Überlegungen anstellen, ob sich doch noch etwas Definitives verwirklichen lasse. Aber sicher sei: Wenn im Dezember 2011 die neue Tramlinie vom Escher-Wyss-Platz durch Zürich-West den Betrieb aufnehme, fehle am Anfangspunkt ein Highlight.

Dass das Nein der Stimmbürgerschaft auch ein negatives Omen für den geplanten Hafenkran am Limmatquai ist, wollte Genner nicht gelten lassen. Sie betonte aber, der Gemeinderat werde sich dazu nochmals äussern können.

Hardturmpark kann Hotel bauen

Erfreut über den Entscheid der Stimmbürgerschaft war Stadtrat Martin Vollenwyder, welcher das Ergebnis zum Landverkauf an der Pfingstweidstrasse kommentierte. Hier standen 46074 Ja 26585 Nein gegenüber. Vollenwyder zeigte sich befriedigt darüber, dass die Stimmbürgerschaft damit einverstanden war, ein Stück städtisches Land der Hardturmpark AG zu verkaufen, die nun ihr Projekt mit Wohn- und Hotelnutzung verwirklichen kann. Die Gegner, GP, AL und SD, hatten opponiert mit der Begründung, die Stadt gebe das Land zu billig ab, mindestens hätte sie die Bauherrschaft verpflichten sollen, günstige Wohnungen zu erstellen.