Zürich hinkt bei Sonnenergie hinterher

Im Kanton Zürich kommt auf einen Einwohner ein Quadratmeter Fotovoltaik-Anlage. Schweizweit sind es 50 Prozent mehr.

Patrick Gut
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Die Anlage auf der Kanti Küsnacht ging 2009 in Betrieb.

Die Anlage auf der Kanti Küsnacht ging 2009 in Betrieb.

Bild: M. Hager

Wer vor 15 Jahren eine Fotovoltaik-Anlage auf dem Dach seines Hauses installieren wollte, musste noch ordentlich Geld in die Hand nehmen. Knapp 3700 Franken kosteten damals Module, die eine Leistung von 1 Kilowatt (kW) brachten.

Laut einer neuen Broschüre des kantonalen Amtes für Abfall, Wasser, Energie und Luft (Awel) liegt dieser Preis heute bei rund 500 Franken. Der Preisverfall hat mit dem steigenden Produktionsvolumen zu tun und damit, dass die Module unterdessen zu einem grossen Teil in Asien hergestellt werden.

So betragen die Anschaffungskosten für eine typische Anlage auf einem Einfamilienhaus heute rund 5000 Franken. Dafür gibt es 25 Quadratmeter Module, Kabel und einen Wechselrichter. Dieser wandelt den Gleichstrom, den die Anlage produziert, in Wechselstrom um. Der Wechselstrom kann im Haus selber verbraucht oder ins Netz eingespeist werden.

Mit einer Investition von 5000 Franken ist die Anlage aber noch nicht betriebsbereit. Die Aufwendungen für ein Baugerüst, den Umbau der Elektroverteilung und die Anpassungsarbeiten am Dach können rasch das Doppelte bis Dreifache der Materialkosten verschlingen.Das kantonale Amt sieht in der Preisentwicklung einen wichtigen Treiber dafür, dass im Kanton Zürich die Gesamtfläche an Fotovoltaik-Anlagen über die letzten zehn Jahre kontinuierlich gestiegen ist. Neben der Wasserkraft soll für die Zukunft vor allem die Sonne als Energiequelle an Bedeutung gewinnen.

Die neue Broschüre des kantonalen Amts gibt einen aktuellen Überblick über die Fotovoltaik. Betrachtet man die Dachflächen im Kanton Zürich, die für Fotovoltaik-Anlagen geeignet sind, wäre rund das Zehnfache der heutigen Fotovoltaik-­Fläche möglich. Gemessen am Potenzial hinkt der Kanton Zürich im Landesvergleich hinterher. Schweizweit sind pro Person rund 1,5 Quadratmeter Fotovoltaik-Module installiert. Der Wert für den Kanton Zürich allein liegt dagegen bei etwas unter 1 Quadratmeter.

Die Broschüre greift nicht nur die unterschiedlichen Möglichkeiten auf, wie sich Fotovoltaik-Module verbauen lassen. Sie ist auch der Frage der Ökologie gewidmet. Eine Fotovoltaik-Anlage stösst im Betrieb kein CO2 aus. In der Herstellung der Module hingegen schon. Entscheidend ist dabei die Energie, die verwendet wird. Umgerechnet auf eine Lebensdauer von 30 Jahren setzt eine Anlage in der Schweiz pro Kilowattstunde 54 Gramm CO2 frei. Die schlechte Nachricht: Das ist doppelt so viel wie der Strom, der in der Schweiz hergestellt wird. Allerdings nur etwa halb so viel wie der Strommix, der heutzutage in der Schweiz konsumiert wird (102 Gramm CO2/KWh). Das hat mit dem stark CO2-belasteten europäischen Importstrom zu tun.

Zusätzlicher Solarstrom verdrängt nicht die Wasserkraft, sondern er ersetzt Importstrom.