Tour de Suisse
Zürich hat wieder mal die Tour de Suisse erlebt

Es ist lange her, seit die Tour de Suisse 1997 zuletzt durch Zürich fuhr. Dabei galt die Limmatstadt einst als Nabel des Schweizer Radsports, vor allem zu Zeiten der Zürcher Radsportlegenden Hugo Koblet und Ferdy Kübler.

Matthias Scharrer
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Tour de Suisse in der Radprovinz Zürich
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Das Feld überquert die Quaibrücke in Zürich
Fabian Cancellara und Mathias Frank
Die Polizei bereitet die Strassensperrung vor. mts

Tour de Suisse in der Radprovinz Zürich

16.50 Uhr: Knapp eine Stunde bevor die Tour de Suisse einfahren soll, bilden sich am Strassenrand beim Bürkliplatz vereinzelt Menschentrauben. «Weiss auch nicht, was da los ist. Ich glaube, Tour de Suisse», sagt eine Passantin in ihr Handy. Noch herrscht dichter Autoverkehr auf der Quaibrücke. Die Polizei macht sich bereit für die Strassensperrung.

Es ist lange her, seit die Tour de Suisse 1997 zuletzt durch Zürich fuhr. Dabei galt die Limmatstadt einst als Nabel des Schweizer Radsports, vor allem zu Zeiten der Zürcher Radsportlegenden Hugo Koblet und Ferdy Kübler: 34-mal startete die Tour in ihrer 80-jährigen Geschichte hier, 45-mal endete sie in Zürich – zumeist auf der Offenen Rennbahn in Zürich Oerlikon.

Tempi passati: «Heute ist Zürich Radsportprovinz», konstatiert die lokale Presse («Tages-Anzeiger»). Zahlreiche Radsportvereine sind verschwunden. Und das Eintagesrennen «Züri Metzgete» fand zuletzt 2006 als Profirennen statt. Umso präsenter ist das Velo im Alltag der Stadt, da mit dem Auto oft kein vergleichbar effizientes Durchkommen mehr möglich ist. Und auf den Hügeln an den Stadträndern rasen Mountainbiker auf halsbrecherischen Abfahrten täglich durch die Wälder.

Ferdy Kübler, Tour-de-Suisse-Sieger von 1942, 1948 und 1951, erinnert sich: «Wir sind immer in Zürich gestartet, und in Zürich war auch das Ziel.» Zu Küblers Zeiten in den 1940er- und 1950er-Jahren war die Limmatstadt Anfang und Ende der Tour de Suisse. Doch über die alten Zeiten zu sinnieren, ist nicht Küblers Ding. Umso mehr freut sich der 94-Jährige, dass mit Mathias Frank ein Schweizer im Gelben Trikot des Spitzenreiters zur Zürcher Etappe startet. «Und ich möchte über die Zeitung einen Gruss an meinen Freund Andy Rihs ausrichten, diesen grossen Förderer des Radsports», sagt der in Birmensdorf wohnhafte Kübler am Telefon. Frank fährt im Team, das Rihs sponsert.

17.20 Uhr: Ein junger Mann erklärt seiner Freundin auf der Quaibrücke: «Zuerst kommen megaviele Töffs, dann die Rennfahrer. Sie fahren in Teams. Jedes Team hat Autos. In den Autos sitzen die Teamchefs. Sie haben Fernseher und sagen ihren Fahrern, wenn sie schneller oder langsamer fahren sollen.»

Plötzlich wirds ruhig auf der Fahrbahn. Noch zehn Minuten. Die Strassenränder sind jetzt dicht gesäumt von Publikum. «Zürich ist lustig für solche Sachen», erklärt der junge Mann seiner Freundin. «Die Hälfte der Leute interessiert sich eigentlich nicht dafür.» Kurz darauf saust die Spitzengruppe vorbei. Fünf Sekunden Applaus. Dann das Feld. Nochmals Applaus. Dann der Besenwagen. Die Menschentrauben lösen sich schnell auf. Zürich hat wieder mal eine Tour de Suisse erlebt.