Elektrogrill
Zürich findet seit Jahren kein Mittel gegen die Rasenkiller

Mit öffentlichen Elektrogrills und dem Pochen auf einen Grill-Knigge beim Verkauf von Einweggrills hat die Stadt einiges unternommen, um die Zürcher Parklandschaft zu schützen. Die Anstrengungen blieben bisher ohne Erfolg.

Marius Huber
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Die Pocken der Wegwerfgesellschaft werden frühestens nächstes Jahr nicht mehr zu sehen sein.

Die Pocken der Wegwerfgesellschaft werden frühestens nächstes Jahr nicht mehr zu sehen sein.

Wesendonck

Kaum hat die Stadt Zürich die ersten richtigen Sommertage hinter sich, sehen ihre Parkanlagen aus, als sehnten sie sich bereits wieder nach der Winterruhe. Rund um das Seebecken sind die Rasenflächen gesprenkelt mit hässlichen schwarzen Brandnarben von der Grösse eines A4-Papiers.

Besonders traurig sieht es zurzeit im Arboretum aus, das unter dem Namen «Rentenwiese» wie ein Magnet auf die mediterranisierte Zürcher Jugend wirkt. Hier sind es Dutzende Brandstellen auf engstem Raum. Die Tatwerkzeuge stapeln sich am Morgen jeweils neben den Müllcontainern. Es sind Einweggrills. Billig gemachte Aluschalen mit einem Rost, wie sie Tankstellenshops und Grossverteiler für deutlich unter
10 Franken verkaufen.

Diese Rasenkiller hat die Stadt auch zehn Jahre nach ihrem Aufkommen nicht in den Griff bekommen. Das Problem: Wenn die Grashalme erst einmal verbrannt sind, wachsen sie laut Lukas Handschin von Grün Stadt Zürich bestenfalls im kommenden Jahr wieder nach. Die Stadt trägt also an den schönsten Orten den ganzen Sommer über die Pocken der Wegwerfgesellschaft.

An Lösungsversuchen mangelte es in den vergangenen Jahren nicht. Es begann damit, dass Grün Stadt Zürich einen Brief an die Verkäufer schrieb, sie möchten die Einweggrills doch bitte aus dem Sortiment nehmen. Mit wenig Erfolg. Coop zeigte sich immerhin bereit, einen «Grill-Knigge» beizulegen.

Ein anderer Versuch bestand darin, öffentliche Elektrogrills aufzustellen, um die Leute damit vom Rasen wegzulocken. Wenn man damit Erfolg habe, würden den beiden Testanlagen am Zürichhorn und in Wollishofen bald weitere folgen, kündigte die Stadt vor fünf Jahren an – sie blieben bis heute die einzigen. Handschin vermutet, dass sie in erster Linie eine zusätzliche Klientel angezogen haben, die keinen Rauch mag.

Vor drei Jahren war die Stadt dann nah dran, das Grillieren in den Pärken ausdrücklich zu untersagen. Das Verbot stand bereits im Entwurf für die neue Polizeiverordnung, ein Dokument, das noch die strenge Handschrift der erst gerade zurückgetretenen Polizeivorsteherin Esther Maurer (SP) trug. Diese hatte einst mit dem Slogan «Erlaubt ist, was nicht stört» eine Anstandsoffensive in den Pärken gestartet und jedem mit Busse gedroht, der nicht parierte. Ihre Verbotsmentalität ging aber vielen Kritikern zu weit, auch ihrem Nachfolger Daniel Leupi (Grüne).

Nachdem er das Amt übernommen hatte, verschlankte er mit dem Stadtparlament die Polizeiverordnung. Das Grillierverbot fiel raus. Es gebe schon den Tatbestand der Sachbeschädigung, so der Tenor, das genüge.

Markus Knauss, Fraktionschef der Grünen mit Stadtratsambitionen, hält dies noch heute für einen Fehler. Seine Partei setzte sich damals als einzige für das Grillierverbot ein. Man müsse in den heillos übernutzten Parkanlagen etwas unternehmen gegen die Schäden, die gedankenlose Grillmeister dort anrichteten. Mit einem expliziten Verbot hätte man laut Knauss zum Beispiel Schilder aufstellen und Bussen androhen können. Das wirke mehr als der Verweis auf allgemeine Rechtsgrundsätze.

Heute schickt die Stadtpolizei zwar regelmässig Patrouillen durch die Parkanlagen. Sie hat aber nach eigenen Angaben keinen konkreten Auftrag, etwas gegen die Einweggrille zu unternehmen – Sachbeschädigung hin oder her. Das sei eine Frage der Prioritäten.

Daran würde sich allenfalls etwas ändern, wenn Grün Stadt Zürich Anzeige erstatten würde. Doch dort hält man sich zurück. Laut Lukas Handschin setzt man stattdessen auf die Präventionstruppe SIP, die Grillmeister im Park auf ihr Verhalten anspricht. Der Nachteil: Die Grillschalen sind dann meist schon heiss, das Gras versengt.

Für Knaus S wäre es denkbar, Bussen auszuteilen. Das müsse aber das letzte Mittel sein, wenn nichts anderes gefruchtet hat. Skeptischer ist Hans-Peter Berger, der als langjähriger Leiter der Stadtreinigung viel Erfahrung mit Unsitten in Pärken hat. Er sagte einmal, dass solche Bussen meist gross angekündigt würden, ohne dass es Konsequenzen habe. Die Polizei habe halt Wichtigeres zu tun, als Leute mit schlechter Kinderstube zu kontrollieren.

Was heute vielen kaum mehr bewusst ist: Bis in die Siebzigerjahre hinein wäre Grillieren in Zürcher Parks unvorstellbar gewesen. Damals standen überall Schilder: «Rasen betreten verboten.»