Alterspflege
Zürich braucht mindestens 7400 Pflegeheimplätze

Bis 2040 werden im Kanton Zürich Tausende zusätzliche Pflegeheimplätze benötigt — der Bedarf ist im schweizweiten Vergleich aber etwas tiefer.

Patrick Gut
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Der Kanton Zürich muss in Sachen Pflegeplätze aufstocken (Symbol).

Der Kanton Zürich muss in Sachen Pflegeplätze aufstocken (Symbol).

Keystone

Im Kanton Zürich müssen bis im Jahr 2040 mindestens 7400 zusätzliche Betten in Pflegeheimen bereitstehen. Dies geht aus einer Studie der Credit Suisse (CS) hervor, in welcher der zusätzliche Bedarf an Pflegeheimplätzen vor dem Hintergrund einer rasch alternden Gesellschaft untersucht worden war. Die Grossbank stellte die Ergebnisse der Studie Anfang Woche vor. Mit Blick auf den Kanton Zürich handelt es sich bei den 7400 Pflegeheimbetten um die zurückhaltendste Prognose der Autoren. Je nach Szenario rechnen sie mit bis zu 17 300 Pflegeheimbetten, die benötigt werden – etwa wenn nicht gesünder gealtert wird und die Spitex nicht an Bedeutung gewinnt. Gegenüber dem Jahr 2012 entspräche das einer Steigerung von rund 45 Prozent.

Zürich ist besser dran

Der Bedarf im Kanton Zürich liegt gemäss der CS-Studie etwas tiefer als im Rest des Landes. Das hat damit zu tun, dass die Versorgungsdichte über dem Durchschnitt liegt. Aber auch die 7400 zusätzlich benötigten Pflegeheimplätze bedingten Investitionen von rund 2,6 Milliarden Franken.

Die Studie erlaubt sogar einen Blick auf einzelne Regionen im Kanton, deren künftiger Bettenbedarf sehr unterschiedlich ist. Die Ökonomen sehen einen unterdurchschnittlichen Bedarf in der Stadt Zürich, an den Seeufern, in weiten Teilen des Zürcher Oberlands und im Weinland. Auch das hat mit dem bestehenden Angebot zu tun – und wohl auch mit der vorherrschenden Altersstruktur. Ein überdurchschnittliches Wachstum an Pflegebetten prognostiziert die CS hingegen im Unterland, in Winterthur und Umgebung, im Limmattal sowie im Bezirk Affoltern.

Wer soll das bezahlen?

Laut der Studie werden schweizweit bis 2040 53 000 zusätzliche Betten benötigt. Rund 20 Milliarden Franken müssten dafür in neue Pflegeheime investiert werden. Im schweizerischen Durchschnitt kostet das Bereitstellen eines Pflegeheimplatzes rund 350 000 Franken.

53 000 zusätzliche Patienten in Pflegeheimen, das ist die optimistische unter den Voraussagen der CS-Ökonomen. Sie gehen dabei davon aus, dass die heutigen Bewohner der Schweiz gesünder altern, als dies bislang der Fall war. Ausserdem gewinnt die ambulante Alterspflege in Form der Spitex bei diesem Modell weiter an Bedeutung. Ohne diese Annahmen fällt der Bedarf an Pflegeheimplätzen weit höher aus. Der treibende Faktor ist laut Studie dabei nicht die steigende Lebenserwartung. Entscheidend sei, dass die geburtenstarken Jahrgänge der Babyboom-Generation – also die Jahrgänge nach dem Zweiten Weltkrieg bis etwa Mitte der 1960er-Jahre – in den nächsten Jahrzehnten ins Rentenalter kommen werden.

Der zusätzliche Bedarf an Pflegeheimplätzen wird – abgesehen von Investitionen in neue Pflegeheime – weitreichende Folgen haben. Die CS-Ökonomen rechnen damit, dass sich der Anteil der Ausgaben für Pflegeheime und Spitex am Bruttoinlandprodukt bis 2040 von heute 1,7 auf 3 Prozent erhöhen wird. Das wirft Fragen auf bezüglich der Finanzierung. Mit dem wachsenden Bedarf an Pflegeplätzen nimmt auch die Zahl der Beschäftigten zu. Laut den CS-Ökonomen herrscht schon heute ein Fachkräftemangel in der Pflege. Dieser dürfte sich «deutlich verschärfen». Ob sich der Bedarf bei einer nahezu stagnierenden Erwerbsbevölkerung decken lasse, stellt die Studie infrage. Immerhin seien seit 2006 mehr als 40 Prozent der neuen Pflegestellen von Personal mit ausländischem Diplom besetzt worden.

Für die Jahre 2012 bis 2014 stellen die Autoren der Studie fest, dass die Investitionen in Pflegeheime im Vergleich zur Jahrtausendwende stark zugenommen haben. Die Zahl der Neubauten habe sich zwar nicht erhöht, diese würden aber immer grösser. Besonders viele Projekte seien im Grossraum Zürich, im Raum Basel und im Mittelland bewilligt worden. In den letzten Jahren habe sich zudem ein Trend zu Pflegeheimen in Kombination mit Alterswohnungen gezeigt.