Zürich
Zürich am Meer: Sympathiewelle für den Hafenkran

«Ist dir der Hafenkran 120 000 Franken wert? Ich müsste eine Zusage machen.» Dieses SMS erreichte Esther Weibel, Ehefrau des Zürcher SP-Sozialvorstehers Martin Waser, während einer Stadtratssitzung.

Sabine Arnold
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Fast wie am Meer: Eine Fotomontage zeigt den geplanten Hafenkran am Limmatquai.

Fast wie am Meer: Eine Fotomontage zeigt den geplanten Hafenkran am Limmatquai.

ZVG / Stadt Zürich

Der Stadtrat hatte festgestellt, dass aufgrund technischer Anpassungen 120 000 Franken für das umstrittene Hafenkran-Projekt fehlten. «Das wäre sein sicherer Tod gewesen», sagte Waser gestern. Die Macher des Kunstprojekts «Zürich Transit Maritim», in dessen Zentrum die Errichtung eines ausgedienten Hafenkrans am Limmatufer steht, hatten ins Clublokal des Limmatclubs geladen.

«Wer hat schon so eine tolle Frau?»

Dass er sich bereits in den Kran verliebt hatte, so Waser weiter, führte ihn zum kurz entschlossenen SMS. Die Antwort seiner Frau folgte eine Minute später: «Eigentlich haben wir genügend Geld, und wir können es ja nicht in den Himmel nehmen. Von mir aus ist das o. k.» Der Stadtrat sei begeistert, simste Waser zurück. «Wer hat schon so eine tolle Frau?», rundete der sonst nüchterne Pragmatiker, der diesen Frühling aus dem Stadtrat zurücktritt, seine Erzählung ab.

Seemannslieder und Rum

Pünktlich zum Sechseläuten am 28. April soll der Hafenkran am Limmatufer stehen, neben der Terrasse des Rathaus-Cafés. Am 10. Mai wird er eingeweiht. Im April erscheint das Buch «Schweiz am Meer» von Andreas Teuscher, das sich mit dem Schweizer Traum vom Meeresanschluss befasst. Das Programm des Literaturhauses, das sich in der Nähe befindet, befasst sich in dieser Zeit auch mit dem «Sehnsuchtsmotor Meer». In einem grossen Fest vom 4. bis 6. Juli will OK-Präsidentin Ines Florin Hafenstimmung an der Limmat wecken. In Festbeizen auf dem Lindenhof, der Gemüsebrücke und dem Grossmünsterplatz werden Meeresspezialitäten angeboten. Konzerte, Gaukler und Puppenspieler runden das fest ab. (SA)

Die Charmeoffensive, die die Hafenkran-Initianten gestern inszenierten, ist dennoch nötig. Denn ihnen blies bisher ein steifer Wind entgegen. Mit dem «Rosthaufen» würden nur Steuergelder verschleudert. SVP, junge SVP und Jungliberale sammelten in nur drei Wochen mehr als 6000 Unterschriften für eine Volksinitiative. Mittels Änderung in der städtischen Bau- und Zonenordnung will sie das Aufstellen von Hafenkränen, Pollern und Schiffshörnern in der Kernzone verbieten. Der Stadtrat anerkannte das Begehren im letzten Moment für gültig. Es konnte den Kran allerdings nicht mehr verhindern, die Baubewilligung lag bereits vor. Nun erarbeitet die Stadt einen Gegenvorschlag und verschafft sich so weitere sieben Monate Zeit. Die Vorlage kommt frühestens im November vors Volk. Zu diesem Zeitpunkt wird der Hafenkran längstens stehen. Im März beginnen die Vorbereitungsarbeiten für die sechs Monate dauernde Aktion.

«Die Zürcher Zunftmeister begrüssen es, wenn der Hafenkran am Sechseläuten vom 28. April paratsteht», behauptete Jan Morgenthaler, einer der vier Künstler hinter dem Projekt.

Tatsächlich hat die Künstlergruppe auch bis anhin kritische Geister ins Boot geholt: Rechtsanwalt Florian von Meiss, von der Gesellschaft zum Schneggen, sollte «den Unfug» ursprünglich «bodigen». Der Kran wird seinen mächtigen Schatten auf das Haus der privaten Gesellschaft werfen, die vornehmen Zürcher Familien vorbehalten ist. Der Segler und Enkel einer Rotterdamerin liess sich jedoch von Morgenthaler umstimmen. «Fortan versuchte ich, im Vorstand ein gewisses Wohlwollen gegenüber dem Projekt zu wecken.»

Auch der Quartierverein Zürich 1 rechts der Limmat stehe hinter dem Projekt, sagte dessen Präsident Peter Rothenhäusler. Weiter werben alt Stadtpräsident Elmar Ledergerber, Grossmünsterpfarrer Christoph Sigrist oder Publizist Frank A. Meyer für den Kran.

Unverdrossen siegessicher

Die Kritiker beeindruckt dies nicht. Sie geben sich unverdrossen kampfeslustig. «Vor dem Volk wäre der Kran nie durchgekommen», sagt SVP-Gemeinderat Mauro Tuena. Er ist sich «ziemlich sicher», dass sie die Abstimmung auch im November noch gewinnen.

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