Weihnachtsmärkte
Zürich als Weihnachtsstadt zieht immer mehr Touristen an

Die Bemühungen Zürichs um eine bessere Vermarktung der Stadt tragen langsam Früchte.

Matthias Scharrer
Merken
Drucken
Teilen
Das 2015 lancierte Weihnachtsdörfli erwies sich als Attraktion. Am Donnerstag eröffnen Zürichs Weihnachtsmärkte wieder.

Das 2015 lancierte Weihnachtsdörfli erwies sich als Attraktion. Am Donnerstag eröffnen Zürichs Weihnachtsmärkte wieder.

Roger Michel Fichmann/zvg Zürich Tourismus

Zürich lockt im Dezember immer mehr Touristen an: Zählte Zürich Tourismus 2008 noch 181 428 Logiernächte während der Weihnachtszeit in der Stadt, so waren es letztes Jahr bereits 230 204.

Als Gründe nennt Reto Helbling, Vizedirektor von Zürich Tourismus, zum einen die generell seit Jahren steigenden Übernachtungszahlen in der Stadt Zürich. Zum anderen hält er fest: «Zürich hat sich in den letzten Jahren als ‹Weihnachtsstadt› gut positioniert.» Neben den bewährten Weihnachtsmärkten ziehe auch das letztes Jahr lancierte Wienachtsdorf am Bellevue zahlreiche Besucher an. Zudem werde das Thema Weihnachten von Zürich Tourismus seit mehreren Jahren aktiv beworben.

Auch die Stadt Zürich mischt vermehrt mit bei der (vor-)weihnachtlichen Vermarktung: Für den neuen Weihnachtsmarkt auf dem Sechseläutenplatz und den geplanten neuen Weihnachtsmarkt auf dem Münsterhof erliess sie eigens Richtlinien. Sie gelten als Empfehlungen auch für die bereits bestehenden Weihnachtsmärkte. Die Veranstalter der Zürcher Weihnachtsmärkte sind ebenfalls zusammengerückt: Seit 2013 bilden sie den Verein Weihnachten in Zürich.

Die Bemühungen um einen gemeinsamen Auftritt haben Folgen: So finden nun alle Zürcher Weihnachtsmärkte im genau gleichen Zeitraum statt, dieses Jahr vom 24. November bis 24. Dezember. Beim Starttermin, heuer am kommenden Donnerstag, werden jeweils auch die Weihnachtsbeleuchtungen in der Stadt eingeschaltet.

Dass mit dem Wienachtsdorf auf dem Sechseläutenplatz letztes Jahr ein neuer Veranstalter hinzugekommen ist, scheint die anderen Zürcher Weihnachtsmarkt-Veranstalter nicht zu beunruhigen. «Wenn es einen Einfluss hat, dann einen positiven», sagt etwa Stephan Dübi vom Christkindlimarkt im Hauptbahnhof.

Auch alte Märkte wachsen

Die Veranstalter der alteingesessenen Weihnachtsmärkte im Niederdorf und am Werdmühleplatz vermelden auf Anfrage sogar Zuwachs: Der Dörfli-Weihnachtsmarkt expandiert auf den Zwingliplatz beim Grossmünster, und der Singing-Christmas-Tree-Weihnachtsmarkt erhält dieses Jahr ebenfalls zusätzliche Stände.

André Kofmehl, Präsident des Vereins Weihnachten in Zürich und Veranstalter des Singing-Christmas-Tree-Weihnachtsmarkts, stellt fest: «Das Wienachtsdorf auf dem Sechseläutenplatz spricht ein Ausgehpublikum an, Leute, die sonst nicht auf einen Weihnachtsmarkt gehen.» Insgesamt habe es somit das Geschäftsfeld der Weihnachtsmärkte erweitert. Und: «Es wird mehr Geld ausgegeben.» Allerdings sei fraglich, ob dieser Effekt auch nach vier oder fünf Jahren noch anhalten werde.

Wienachtsdorf-Macherin Katja Weber gibt sich optimistisch: «Wir sind auf gutem Weg.» Zahlen will sie nicht nennen. Für die zweite von vorläufig fünf geplanten Ausgaben des Wienachtsdorfs sind gemäss Weber folgende Neuerungen geplant: Das Eisfeld wird grösser und spektakulärer, ein Kinderkarussell kommt auf dem Sechseläutenplatz hinzu – und ein Chalet, das rund 100 Gästen Platz bietet, erweitert das wetterfeste Angebot. Dafür werde die Anzahl Hütten von letztes Jahr 120 auf gut 100 reduziert.

So sollen rund um die Bauminseln auf dem Sechseläutenplatz mehr Freiräume entstehen. «Wir sind am ausprobieren», sagt Weber, und fügt an: «Das Wienachtsdorf darf sich verändern.»

Ideen für den Münsterhof gefragt

«Es ist ein Experiment, das am Gelingen ist», sagt Anna Schindler, Direktorin von Stadtentwicklung Zürich, über das Wienachtsdorf. Eine Umfrage bei Anrainern und Gewerbebetrieben im Nachgang zur letztjährigen Erstausgabe habe grösstenteils positive Rückmeldungen ergeben.

Und die vielfach geäusserte Kritik, wonach zu viele Essensstände das Wienachtsdorf dominiert hätten, treffe nicht zu: Die städtische Vorgabe, wonach das gastronomische Angebot höchstens 30 Prozent ausmachen darf, sei eingehalten worden.

Ein weiterer neuer Weihnachtsmarkt soll 2018 auf dem Münsterhof stattfinden. Einen ersten Anlauf hatte die Stadt im Februar 2016 nach der Ausschreibung abgebrochen. Begründung: Es seien keine qualitativ ausreichenden Konzepte eingereicht worden. Nun plant die Stadt erneut eine Ausschreibung.

«Das Beratungsgremium wünscht sich eigenständige und gestalterisch ansprechende Projekte», sagt Schindler. Eine Kopie eines irgendwo bereits existierenden Weihnachtsmarkts genüge nicht. Ob man den Weihnachtsmarkt noch neu erfinden kann? «Wir lassen uns überraschen», so Schindler.