Urheberrecht
Zürcher Wandergruppe droht eine happige Busse – wegen einer Kurzgeschichte

Eine Wandergruppe aus dem Kanton Zürich hat eine Kurzgeschichte aus dem Internet kopiert und auf ihrer Website veröffentlicht. Die Anwälte der Autorin fordern nun eine saftige Busse von den Senioren.

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Saftige Busse für die Senioren-Wandergruppe. (Symbolbild)

Saftige Busse für die Senioren-Wandergruppe. (Symbolbild)

Keystone

Die Wandergruppe Oetwil am See, bestehend aus Senioren ab 60 Jahren, trifft sich für zwei bis drei Wanderungen pro Monat. Über die Anlässe werden die Mitglieder jeweils per Mail und auf der Website informiert. Um die Einladung zum nächsten gemeinsamen Ausflug etwas besonderer zu gestalten, schmückte Ernst Oertli, einer der Leiter der Gruppe, sie mit einer Kurzgeschichte der deutschen Autorin Elke Bräunling. Diese hatte er im Internet entdeckt. "Sie hat mir so gut gefallen, dass ich sie meinen Kollegen nicht vorenthalten wollte", sagt er gegebenüber "Kassensturz". Doch das sollte ihm zum Verhängnis werden.

Anfang August meldete sich eine deutsche Anwaltskanzlei bei der Wandergruppe mit einer Abmahnung. Die Wandergruppe habe das Urheberrecht verletzt, weil sie die Geschichte ohne die Zustimmung der Autorin veröffentlichte, wird ihnen brieflich vorgeworfen. Für die Verletzung des Urheberrechts verlangt das Berliner Anwaltsbüro 550 Euro, zusätzlich kommen noch über 745 Euro Anwaltsentschädigung hinzu.

Kritik an hoher Anwaltsentschädigung

Ausserdem wird die Wandergruppe aufgefordert, eine "strafbewehrte Unterlassungserklärung" zu unterschreiben und sich dazu verpflichten, die Nutzung des Werks künftig zu unterlassen. Falls sie dies nicht tun, würden sie mit einer Busse von über 5100 Euro geahndet.

Ruedi Lang, Zürcher Rechtsanwalt, bestätigt die Verletzung des Urheberrechts gemäss "Tagesanzeiger". Wer einen Text 1:1 aus dem Internet kopiere, müsse die Einwilligung des Verfassers einholen. Allerdings kritisiert er die geforderte Anwaltsentschädigung als zu hoch, da die Kurzgeschichte nicht zu kommerziellen Zwecken genutzt wurde.

Oertli ist erschrocken über die Konsequenzen: "Ich verstehe das nicht. Wir machen das alles aus freien Stücken für unsere Leute", sagt er dem "Kassensturz". Er dachte, solange er die Autorin mit Namen angebe, habe er kein Urheberrecht verletzt.

Die Wandergruppe hat der Anwaltskanzlei einen Brief geschickt und sie um Fristerstreckung gebeten. Zudem versuchen sie die Geldforderung auf ein tragbares Mass zu reduzieren.