Betrug
Zürcher Wahrsagerin verdient Millionen – und kassiert daneben noch Sozialhilfe

Während zehn Jahren ging der Plan auf: Ein Zürcher Ehepaar verdiente mit Wahrsagen und Schmuckhandel 2,6 Millionen und kassierte daneben noch Sozialhilfe. Dann flog der Schwindel auf. Jetzt werden die beiden bestraft.

Merken
Drucken
Teilen
Das Paar verdiente sich mit der Wahrsagerei eine goldene Nase (Symboldbild)

Das Paar verdiente sich mit der Wahrsagerei eine goldene Nase (Symboldbild)

Keystone

Mit Wahrsagen und Schmuckhandel hat ein jenisches Ehepaar in Zürich in zehn Jahren über 2,6 Millionen Franken verdient und gleichzeitig Sozialhilfe für rund 400'000 Franken kassiert. Das Bezirksgericht Zürich verurteilte die beiden am Donnerstag wegen gewerbsmässigen Betrugs zu bedingten Freiheitsstrafen von je 24 Monaten.

Gewinn in Casinos verspielt

Die Frau gab vor Gericht alles zu und sprach von einem "grossen Fehler", der Mann dagegen rang sich nur halbherzig zu einem Geständnis durch. Ein Grossteil des verdienten Geldes haben die beiden nach eigenen Angaben in Casinos verspielt. Zudem leisteten sie sich sechs Luxusautos und ein eigenes Haus.

Die von der Polizei beschlagnahmten Gelder von rund 200'000 Franken und die sichergestellten Schmuckstücke im Wert von über 90'000 Franken muss das bald 60-jährige Ehepaar nun dem Staat abliefern. Der Ehemann führte vor Gericht aus, er verdiene sein Geld heute wieder mit Hausieren.

«Perfides Vorgehen»

Der Gerichtsvorsitzende sprach von einem perfiden Vorgehen des Duos. Als Angehörige einer nationalen Minderheit hätten sie weniger strenge Vorgaben genossen. Ein Hilfswerk hatte gegenüber dem Stadtzürcher Amt für Zusatzleistungen, das die Sozialhilfegelder auszahlte, erklärt, die Eheleute seien Fahrende und führten deshalb keine Buchhaltung. In Wahrheit seien sie sehr geschäftstüchtig gewesen, sagte der Richter.

Regelmässig Sozialhilfegelder bezogen sie bereits seit 1989. Im Prozess vor Bezirksgericht ging es um die zwischen 2001 und 2011 erhaltenen Leistungen von rund 400'000 Franken. Die Frau verdiente ihr Geld mit Wahrsagen und Kartenlegen über eine 0900-Telefonnummer. Weitere Einkünfte hatte das Ehepaar durch Handel mit Altgold.