Zürich
Zürcher Verwaltungsgericht verwehrt Häftling eheliches Schäferstündchen

Das Zürcher Verwaltungsgericht hat einem Häftling das Schäferstündchen mit seiner Ehefrau verboten. Die Gefahr, dass der 35-jährige mehrfache Vergewaltiger seiner Frau im so genannten Familienzimmer etwas antue, sei zu gross.

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Der Antrag des Häftlings wurde vom Zürcher Verwaltungsgericht abgewiesen (Symbolbild).

Der Antrag des Häftlings wurde vom Zürcher Verwaltungsgericht abgewiesen (Symbolbild).

Keystone

Zwölf Jahre muss der Mann aus Gambia hinter Gitter verbringen. Er hatte im Jahr 2009 im Zürcher Kreis 4 auf offener Strasse eine 20-Jährige vergewaltigt und sie dabei mit einem abgebrochenen Flaschenhals bedroht. Nur 17 Tage später verging sich der damalige Asylbewerber in Rapperswil-Jona (SG) an einer 26-Jährigen.

Bei einem früheren Bordellbesuch hatte er einer Prostituierten zudem in eine Augenbraue gebissen und sie ausgeraubt. Überführt wurde der Täter schliesslich aufgrund von DNA-Spuren. Das Bezirksgericht Zürich beurteilte seine Taten bei der Urteilseröffnung im April 2011 als äusserst brutal, berechnend und zielgerichtet.

Familienzimmer sind unbewachtDarf sich ein solcher Mann nur wenige Jahre später alleine mit einer Frau im selben Raum aufhalten? Diese Frage mussten das Amt für Justizvollzug und die Zürcher Justizdirektion beantworten, denn der Häftling stellte einen Antrag auf Benutzung des Familienzimmers. Dort wollte er sich mit seiner Verlobten - mittlerweile Ehefrau - treffen.

Solche Zimmer stehen in mehreren Gefängnissen zur Verfügung. Sie sind offiziell "für Intim- und Familienbesuche" eingerichtet und werden nicht überwacht, sondern verfügen nur über einen Alarmknopf.

Sowohl das Amt für Justizvollzug als auch die Justizdirektion beantworteten die Frage mit Nein. Sie erachteten die Sicherheit der Frau als nicht gewährleistet und lehnten den Antrag ab.

Der Häftling wollte diese Absagen nicht akzeptieren und zog sie ans Verwaltungsgericht weiter. Ohne Erfolg, wie aus dem kürzlich gefällten Urteil hervorgeht. Die Ehefrau darf ihren Mann somit auch in Zukunft nicht alleine in einem geschlossenen Raum treffen.

Nach wie vor rückfallgefährdetDer Mann sei nach wie vor rückfallgefährdet, schreibt das Verwaltungsgericht. Gemäss einer Risikoabklärung kann er seine sexuellen Triebe nicht zügeln. Nicht zu seinen Gunsten fällt zudem aus, dass er eine Angestellte der Strafanstalt kürzlich als "sexy" bezeichnet hatte.

Die Strafanstalt sei für die Sicherheit der Besucherin verantwortlich - auch wenn sich diese freiwillig dem Risiko aussetze. Das Verwaltungsgericht sieht aber noch einen weiteren Grund für die Ablehnung des Antrags: die körperliche Behinderung der Ehefrau. Sie wäre gar nicht imstande, den Alarmknopf zu drücken.

Die Entscheide des Amtes für Justizvollzug und Justizdirektion seien deshalb richtig, schreibt das Verwaltungsgericht. Dieser Entscheid kann noch ans Bundesgericht weitergezogen werden und ist deshalb noch nicht rechtskräftig.