Öffentlicher Verkehr
Zürcher Verkehrsverbund und S-Bahn werden 25

1410 Zugverbindungen auf 380 Linien, 210 Zugkompositionen und jährlich 612 Millionen Passagiere: Das sind die imposanten Kennzahlen des Zürcher Verkehrsverbunds (ZVV), der unter dem Motto "Wir gratulieren uns allen" sein 25-Jahr-Jubiläum feiert.

Drucken
Teilen
Die ZVV feiert ihr 25-jähriges Bestehen.

Die ZVV feiert ihr 25-jähriges Bestehen.

stadt-zuerich.ch

Am 27. Mai 1990 fuhr die erste doppelstöckige S-Bahn der Schweiz im Bahnhof Zürich-Stadelhofen ein. Der damalige Bundesrat Adolf Ogi sprach bei der Einweihung von einem "Meilenstein in der Renaissance des öffentlichen Verkehrs". Und er sollte recht behalten.

Der Start vor 25 Jahren habe eine Entwicklung eingeleitet, die niemand vorhergesehen habe, sagte ZVV-Direktor Franz Kagerbauer am Dienstag am Bahnhof Zürich-Tiefenbrunnen vor den Medien. Die Zahl der Fahrgäste habe sich seither verdreifacht. "Hätte man dies gewusst, wäre der Bahnhof Stadelhofen von Beginn weg mit vier Gleisen gebaut worden."

1981 hatte das Zürcher Volk grünes Licht gegeben für den Bau eines S-Bahn-Systems im Kanton Zürich. Das Kernstück des Jahrhundertwerks war der unterirdische Durchgangsbahnhof Museumstrasse am Zürcher Hauptbahnhof, der Zürichberg- und der Hirschengrabentunnel. Fast eine Milliarde Franken wurden in das erste S-Bahn-System investiert.

S-Bahn hat bewegt

Damals habe man im Kanton Zürich Aufbruchstimmung gespürt, sagte Kagerbauer rückblickend. Die S-Bahn habe einiges bewegt und sogar zu zivilem Ungehorsam geführt, als die Läden im "Shop-Ville" beim Hauptbahnhof sich erdreistet hätten, am Eröffnungssonntag die Ladenlokale zu öffnen, obwohl die Stadt dies ausdrücklich und unter Strafandrohung verboten hatte.

Laut dem ZVV-Direktor wollte Zürich aber nicht nur eine S-Bahn bauen, sondern den gesamten öffentlichen Verkehr grundsätzlich umkrempeln. Angestrebt worden sei ein "öffentlicher Verkehr aus einem Guss".

Ein neuer einheitlicher Tarif sollte her mit Zonen statt Strecken und eine klar geregelte Finanzierung. Geboren war damit die Idee des Verkehrsverbundes. Dieser ermöglichte erstmals die Benutzung aller öffentlichen Verkehrsmittel mit einem einzigen Ticket. Mit ZVV kam auch der Taktfahrplan.

Vom Zürcher "öV-Virus" habe sich die ganze Schweiz anstecken lassen, sagte Jeannine Pilloud, Leiterin Personenverkehr bei der SBB. Viele andere Regionen wünschten sich ein ähnlich gut funktionierendes System. Der Kanton Zürich habe bezüglich öffentlicher Verkehr eine Vorreiterrolle gespielt und sei zu einem "grossen Vorbild" geworden.

Laut Pilloud ist das Zürcher S-Bahn-Netz zu 100 Prozent ausgelastet. Bis 2030 werde jedoch ein Passagierwachstum von 30 Prozent prognostiziert. Das S-Bahn-Netz werde deshalb auch in den nächsten Jahren weiter ausgebaut werden müssen.

Milliarden-Investitionen

Weit über 5 Milliarden Franken wendeten der Kanton Zürich, der Bund und die Zürcher Gemeinden bisher für die Infrastruktur der S-Bahn auf. Mit der Glattalbahn, dem Tram Zürich-West, der Durchmesserlinie mit dem neuen unterirdischen Bahnhof Löwenstrasse sowie den vier Teilergänzungen wurden den vergangenen Jahren weitere Grossprojekte realisiert.

Möglich wurde dies laut Kagerbauer nur, weil auch die Politik und das Volk mitspielten. "Wir haben im Kanton Zürich stets die nötige Unterstützung erhalten, um den öffentlichen Verkehr zu betreiben und weiterzuentwickeln", stellte der der ZVV-Direktor stolz fest. Der Kantonsrat habe die notwendigen Rahmenkredite zur Deckung der Defizite des ZVV stets bewilligt.

Das Jubiläum steht deshalb unter dem Motto: "Wir gratulieren uns allen zu 25 Jahren ZVV". Kagerbauer und Pilloud enthüllten am Bahnhof Zürich-Stadelhofen das entsprechende Jubiläumslogo, das nun unter anderem eine silberne S-Bahn-Lokomotive, ein Tram der VBZ, mehrere Busse der Verkehrsunternehmen im Verbund, ein Limmatschiff sowie die Luftseilbahn Adliswil-Felsenegg zieren wird.

Als Geburtstagsgeschenk an die Bevölkerung können am Sonntag, 31. Mai, sämtliche öffentlichen Verkehrsmittel im ZVV-Gebiet gratis benutzt werden. Auch der Nachttarif fällt weg. Am 13. Juni gewährt die SBB zudem in der Unterhaltsanlage Oberwinterthur Einblick in Abläufe und Arbeiten, die für den reibungslosen Betrieb des grössten S-Bahn-Systems der Schweiz notwendig sind.