Start-up
Zürcher «Superheld» Mr.Green will mit Recycling die Welt erobern

PET, Batterien und Alu in denselben Abfallsack und wiederverwerten lassen: Die Geschäftsidee des Zürcher Unternehmen «Mr. Green» weitet sich schneller aus als erwartet.

Senada Haralcic
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Allen Grund zum Lachen: Valentin Fisler (v.l.), Florian Blattmann und Keiran Smith stossen mit ihrer Idee auf grosse Resonanz.

Allen Grund zum Lachen: Valentin Fisler (v.l.), Florian Blattmann und Keiran Smith stossen mit ihrer Idee auf grosse Resonanz.

Senada Haralcic

Wie sieht wohl die Zentrale eines Superhelden aus? Die Antwort darauf könnte so fantasievoll wie die Frage ausfallen. Könnte – tut sie aber nicht.Denn tatsächlich bietet sich folgendes Bild: ein paar Tische mit Bildschirmen, ein kleines Sofa, hie und da eine grüne Wand und ein Plakat mit der Aufschrift «Grosses beginnt mit einem Sack oder zwei.» Darunter das Bild des vermeintlichen Zürcher Superhelden, «Mr. Green». Sein Auftrag: Er will für mehr Ordnung in Haushalten sorgen.

Hinter der Superheldenanekdote versteckt sich in Wirklichkeit ein Start-up, gegründet vor vier Jahren im Zürcher Kreis 4. Entstanden ist das Jungunternehmen aus einem simplen Ärgernis: Vier Kollegen – damals alle zwischen 22 und 25 Jahren alt – beschäftigte der unsortierte Abfall auf dem Balkon ihrer Wohngemeinschaft.

Da kam ihnen eine Idee: «Wir entwerfen einen Sack, in den alle recycelbaren Abfälle, wie etwa Alu, Batterien, Elektroschrott, PET-Flaschen und Co., entsorgt werden können.» Aber natürlich nicht nur für die WG, sondern für alle, die sich solch einen Sack wünschen. Dieser soll dann pünktlich und regelmässig abgeholt werden. Anschliessend wird der ganze Abfall sortiert und recycelt (siehe Box). Schon war das Unternehmen «Mr. Green» geboren: ein Abholservice für Recycling-Material, der mittlerweile über zehn Tonnen Abfall im Monat zur Wiederverwertung bringt.

n So funktioniert «Mr. Green»

Einmal oder zweimal im Monat kommt ein Angestellter von «Mr. Green» vorbei und sammelt die grün-weissen Säcke ein, die vor der Haustür der Abonnenten stehen. Danach werden die Säcke an Recycling-Firmen in der Region weitergegeben. Für jede Region hat die Franchise-Firma «Mr-Green» jeweils einen eigenen Partner. Dort wird der Abfall dann von Hand sortiert und anschliessend wiederverwertet. Ein Abo für den Abholdienst kann auf der Website des Unternehmens gelöst werden:
www.mr-green.ch

Einer der vier Gründerväter der Unternehmung «Mr. Green» ist Valentin Fisler. Der Zürcher verwaltet als Geschäftsleiter die Superhelden-Zentrale. «Es gibt schon einiges zu koordinieren. Wir haben immerhin rund 1000 Abonnenten», zeigt sich Fisler erfreut. Angefangen in Zürich gibt es den Abfall-Abholservice seit Oktober auch in Bern, Biel und Solothurn. Auch die Regionen Basel, Winterthur und das Limmattal sind erschlossen. Zum Kundenstamm gehören sowohl Privathaushalte als auch Grossfirmen. Geplant war, dass die vier Freunde erst mal in Zürich auf die 1000 Kunden kommen. Aber dann fand die Idee auch in anderen Kantonen Anklang. «Wir haben uns geografisch schneller ausgeweitet, als ursprünglich geplant», sagt Fisler.

Und bald geht die Reise von Mr. Green noch viel weiter, nämlich nach Afrika. Einer der Gründer, Keiran Smith, arbeitet gerade daran, um die Dienstleistung auch in Kenia anbieten zu können. Er will dort ein ähnliches Projekt aufziehen, sich jedoch primär auf das Sammeln und Recycling der PET-Flaschen konzentrieren. «Das Ganze soll natürlich auch ‹Mr. Green› heissen», sagt Fisler stolz. Ihn und sein Team würde es freuen, wenn ihre Idee die ganze Welt erobern würde. Es sei schliesslich wichtig, das jeder die Möglichkeit habe, Wertstoffe zu recyceln.

Die Verbreitung der Geschäftsidee sei dennoch kein Selbstläufer gewesen. «Ganz im Gegenteil. Wir mussten einiges aufrollen, um da zu sein, wo wir heute stehen.» Dazu zählen auch zahlreiche Vermarkungsaktionen – wie etwa Flyer, Kinowerbung, Stände und Messebesuche. Vieles wurde ausprobiert, bis schliesslich das richtige Zugpferd gefunden wurde. «Unsere Kunden sind eigentlich auch Fans: Sowohl von praktischem Recycling als auch von der Figur, Mr. Green», sagt Fisler. Vieles laufe mittlerweile via Mundpropaganda. Die Kunden erhalten Flyer und Briefkastensticker der Kultfigur – quasi eine Art Fanartikel.

Obwohl es eine Weile dauerte, kann Valentin Fisler mittlerweile finanziell vom Abhol-Geschäft leben. Seine Kollegen sind zwar noch anderweitig beschäftigt, greifen dem 27-Jährigen dennoch regelmässig unter die Arme. Ihr Erfolg überrascht sie nicht: «Wir waren von Anfang an von unserer Idee überzeugt und wollen auch in Zukunft stark wachsen und bald mehr als 4000 Kunden zählen. Bis jetzt haben wir schliesslich noch nie einen Schritt rückwärts gemacht. Der ganze Aufwand ist lohnenswert», so Fisler. Kein Wunder also, dass das Jungunternehmen auch schon Nachahmer gefunden hat. Fisler stiess im Internet mal zufällig auf eine Website, die eins zu eins den Inhalt ihrer Homepage kopiert hatte – einfach ohne das Mr. Green-Logo. Darüber konnten er und seine Freunde aber nur lachen: «Mr. Green lebt – wie gesagt – auch von seiner Kultfigur und der Heldenanekdote. Daher bereitet uns das Ganze keine Sorgen, denn die Marke ist geschützt.» Und gleichzeitig sei es doch auch positiv zu werten, wenn dank Nachahmern mehr recycelt wird, sagt Fisler, während in der Superhelden-Zentrale schon das nächste Telefon klingelt. Die Arbeit ruft.