Bildung
Zürcher sollen mehr Stipendien erhalten

Die Bildungskommission will mehr Geld für Aus- und Weiterbildungen zur Verfügung stellen. Auch 50-Jährige sollen neu Bildungsdarlehen erhalten.

Nadine Klopfenstein
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Die Bildungskommission will mit der Reform des Stipendienwesens die Fachspezialisierung von Berufsleuten vermehrt fördern. Im Bild der Lichthof an der Universität Zürich. keystone

Die Bildungskommission will mit der Reform des Stipendienwesens die Fachspezialisierung von Berufsleuten vermehrt fördern. Im Bild der Lichthof an der Universität Zürich. keystone

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Die Kommission für Bildung und Kultur (KBIK) des Kantons Zürich möchte das Stipendienwesen reformieren. Sie schlägt dem Kantonsrat vor, neu auch Berufsvorbereitungskurse wie das 10. Schuljahr und Vorbereitungskurse für eidgenössische Prüfungen der Berufsbildung mit Stipendien zu fördern.

«Momentan spiegelt das Stipendienwesen die Bildungswirklichkeit nicht wider», sagt Ralf Margreiter, Präsident der KBIK. Das System für schulisch-akademische Bildungswege sei zwar ausgereift. «Aber die Fachspezialisierung von Berufsleuten wird kaum gefördert.» Zudem komme es mit der heutigen Berechnungsmethode für Stipendien zu Verzerrungen und Schwelleneffekten. «Jetzt wird die Unterstützung aufgrund eines Budgets mit Werten des Studenten und der Eltern bemessen», sagt Margreiter. Neu sollen zwei Budgets erstellen werden: Eines für den Auszubildenden, das andere für die Erziehungsberechtigten. «Während der Anspruch des Studenten auf der Grundlage des Existenzminimums berechnet wird, erhalten die Eltern neu mehr Spielraum nach oben», so Margreiter. Dadurch würden die Eltern finanziell entlastet.

Altersabhängige Ausgestaltung

Gleichzeitig will der KBIK auch ein «normbiographisches Modell» einführen. Soll heissen: Anstatt wie bisher die Ausbildungen mit einem Stipendium und die Weiterbildung mit einem Darlehen zu fördern, soll die Unterstützungsleistung altersabhängig gestaltet werden. So sollen in Zukunft nur noch Personen bis ins Alter von 25 Jahren – in Ausnahmefällen bis 28 Jahren – existenzsichernde Stipendien erhalten. Danach gibt es nur noch gekürzte Beiträge oder aber Darlehen im vollen Umfang bis ins Alter von 35 Jahren. Ist jemand älter als 35, können Ausbildungsbeiträge nur noch als rückzahlbare Darlehen bezogen werden.

Im Gegenzug will die Zürcher Bildungskommission das Höchstalter für Ausbildungsbeiträge von 45 auf 50 Jahre erhöhen. «Damit soll etwa die Situation von Wiedereinsteigerinnen verbessert werden, wenn sie mit einer Weiterbildung wieder fit werden wollen für die Arbeitswelt», sagt Margreiter. Schliesslich seien Arbeitnehmer in diesem Alter noch 15 Jahre im Beruf tätig. Zudem habe die Anhebung der Altersgrenze keine finanziellen Auswirkungen bei den Ausbildungsbeiträgen. «Da ab 35 Jahren nur noch Darlehen ausbezahlt werden, entstehen dem Kanton keine Mehrkosten.»

Ausbildungsbeiträge steigen

Anders sieht es aber bei den unter 35-jährigen Bezügern aus. Mit der Reform sollen rund 600 Personen mehr stipendienberechtigt werden als heute. Damit steigt die Quote der Beitragsbezüger von 5 auf 5,5 Prozent und die Ausbildungsbeiträge von 37,6 auf 42,6 bis 44,6 Millionen Franken. Trotzdem bleibt das Zürcher Stipendienwesen im Vergleich mit anderen Kantonen eher bescheiden. Im Schweizer Durchschnitt werden nämlich 7,2 Prozent der Bevölkerung mit Stipendien gefördert.

Die Sozialdemokratische Partei im Kanton Zürich begrüsst die Reform, lehnt aber die Einführung der altersgerechten Beiträge ab, wie sie in einer Mitteilung schreibt. Mit der tiefen Altersgrenze für Stipendien würden Bildungskarrieren ausserhalb der «Norm» erschwert. Die Partei hat deshalb den Antrag gestellt, die Altersgrenze für Stipendien auf 28 Jahre zu erhöhen.

Die CVP des Kantons Zürich ist über die Stipendienreform erfreut, wie sie mitteilte. Mit der Reform würden die Forderungen der Partei mehrheitlich erfüllt.

Über die Reform befinden wird der Zürcher Kantonsrat. Dieser soll bis Mitte Mai eine Entscheidung in puncto Stipendienreform treffen.