Kantonsrat
Zürcher Schüler sollen in den Sprachaustausch

Die SP fordert in einem Postulat, dass alle Zürcher Schüler einen Austausch in einem anderssprachigen Landesteil machen müssen. Der Kantonsrat unterstützt das Anliegen.

Katrin Oller
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Die Schüler sollen in anderen Landesteilen einen Sprachaustausch machen. (Archiv)

Die Schüler sollen in anderen Landesteilen einen Sprachaustausch machen. (Archiv)

ZVG

Mindestens einmal in ihrer obligatorischen Schulzeit sollen Zürcher Schüler einen Sprach- und Kulturaustausch im Tessin oder der Westschweiz gemacht haben. Dies fordern drei SP-Kantonsräte in einem Postulat. Erstunterzeichner Moritz Spillmann (Ottenbach) nennt das ein «Eintauchen ins Sprachbad».

Dabei hätten die Kinder die Chance auf eine positive Erfahrung mit einer anderen Sprache und Kultur.

Offene Türen

«Wir haben nicht die Illusion, dass dadurch eine bilingue Generation entsteht», sagte Spillmann gestern im Kantonsrat, «aber so ein Austausch kann etwas auslösen.» Die Postulanten wollen vom Regierungsrat ein Konzept für einen verpflichtenden Sprachaustausch in der Mittelstufe oder der Sekundarstufe I.

Bei der Regierung renne das Postulat offene Türen ein, sagte Bildungsdirektorin Silvia Steiner (CVP). Die Förderung des Sprachaustauschs sei von grosser Bedeutung. Allerdings könne der Kanton Zürich nicht im Alleingang Resultate erzielen. Im Rahmen eines Projekts beschäftigten sich die Erziehungsdirektoren bereits mit dem Thema.

Während sich die meisten Fraktionen für das Anliegen der SP aussprachen, waren die FDP und die CVP dagegen. Linda Camenisch (FDP, Wallisellen) fehlte die rätoromanische Sprachregion im Vorschlag der SP.

Zudem wolle die FDP nicht schon wieder ein neues Konzept mit kantonaler Einmischung zum Spracherwerb: «Diese Frage muss auf anderer Ebene endlich geklärt werden.»

Das Postulat sei gut gemeint, aber nicht zu Ende gedacht. Ähnlich sah dies die CVP. Sie kritisierte, dass das Postulat zwar ein verbindliches Konzept fordere, aber die Kosten komplett ausklammere.

Auch die GLP sah diesen Punkt, begrüsste aber, dass auch der Austausch unter Lehrpersonen gefördert werden soll. Zudem sei der Sprachaustausch generell eine gute Idee, sagte Christoph Ziegler (Elgg).

Als Sekundarlehrer gehe er mit seinen Schülern immer in die Westschweiz ins Klassenlager. «Deswegen wird die GLP die Haare in der Suppe grosszügig übersehen und das Postulat unterstützen.»

Westschweizer beruhigen

Auch die SVP überwies das SP-Postulat. So könne man vielleicht die Westschweiz etwas beruhigen, sagte Claudio Zanetti (Gossau): «Die Westschweizer werden bei der Sprachenfrage jeweils etwas nervös, weil sie befürchten, dass wir sie nicht mehr gerne haben, obwohl dem nicht so ist.»

Die Grüne Karin Fehr (Uster) will die Chance packen, welche die sprachliche Vielfalt der Schweiz bietet: «Im Ausland beneidet man uns um unsere Mehrsprachigkeit, obwohl davon in der Realität oft nicht viel übrig bleibt.»

Mit 127 Ja- zu 36 Nein-Stimmen und 5 Enthaltungen überwies der Kantonsrat das Postulat. Nun hat die Regierung zwei Jahre Zeit, ein Konzept zu erarbeiten.