Zürich
Zürcher Regierung gegen obligatorischen Sprachaustausch für Schüler

Der Zürcher Regierungsrat will keine Vorschrift, dass alle Zürcher Volksschüler mindestens einmal in ihrer Schulzeit einen Sprach- und Kulturaustausch in der französischen Schweiz absolvieren müssen, wie er in einem am Donnerstag veröffentlichten Bericht zu einer SP-Vorstoss aus dem Kantonsrat schreibt.

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Ein flächendeckender obligatorischer Schüleraustausch würde nach Ansicht des Regierungsrates zu einer "erheblichen logistischen und administrativen Belastung der Schulen" führen.

Ein flächendeckender obligatorischer Schüleraustausch würde nach Ansicht des Regierungsrates zu einer "erheblichen logistischen und administrativen Belastung der Schulen" führen.

KEYSTONE/GAETAN BALLY

Bereits beim freiwilligen Sprachaustausch sei es immer wieder vorgekommen, dass eine Klasse aus dem Kanton Zürich trotz aller Vermittlungsversuche keine Austauschklasse in einem französischsprechenden Kanton gefunden habe. Das Problem könne auch mit zusätzlichen finanziellen und personellen Mitteln nicht behoben werden.

Bei einem flächendeckenden Schüleraustausch müssten jährlich rund 13'000 Schülerinnen und Schüler aus rund 650 Klassen einen Austausch absolvieren. Dies entspreche dem 14-fachen der aktuellen Zahlen des Kantons Zürich. Im Schuljahr 2014/15 hatten 46 Schulklassen mit 960 ZürcherSchülerinnen und Schülern an einem Austauschprogramm teilgenommen.

Ein flächendeckender obligatorischer Schüleraustausch würde nach Ansicht des Regierungsrates zu einer "erheblichen logistischen und administrativen Belastung der Schulen" führen.

Freiwilligen Sprachaustausch fördern

Für die Kantonsregierung sind die positiven Wirkungen von Sprachaufenthalten unbestritten. Nicht nur die sprachliche und soziale Kompetenz der Beteiligten werde gefördert, sondern auch die Verständigung zwischen den Landesteilen, was den nationalen Zusammenhalt stärke.

Deshalb solle der freiwillige Sprachaustausch auf verschiedenen Ebenen gefördert werden. In Anspruch nehme der Kanton Zürich die Dienstleistungen der neu gegründeten Schweizerischen Stiftung für die Förderung von Austausch und Mobilität (Movetia), die vom Bund und der Erziehungsdirektoren-Konferenz unterstützt wird.

Direkte Partnerschaften mit anderen Kantonen würden dagegen nicht gesucht, könnten sich allerdings im Einzelfall ergeben, heisst es im regierungsrätlichen Bericht.

Im November 2015 war das SP-Postulat mit der Forderung nach einem obligatorischen Schüleraustausch deutlich mit 127 zu 36 Stimmen an den Regierungsrat überwiesen worden. Dagegen hatten FDP und CVP gestimmt.