Corona-Alltag
Zürcher Pantomime zeigt, wie man mit Maske kommuniziert – die Mimik ist das wichtigste Instrument

Der Zürcher Pantomime Damir Dantes zeigt, wie uns Mimik und Körpersprache im Corona-Alltag helfen. Nur auf Körperhaltungen und Gesten sollten wir uns nicht verlassen, sagt der Körpersprache-Experte.

Heinz Zürcher
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Ich begrüsse Sie Pantomime und Körpersprache-Experte Damir Dantes zeigt eine berührungslose Alternative zur Begrüssung mit Ellbogen, Faust und Füssen.
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Ich lächle und höre aktiv zu Die Augen verengen, den Kopf leicht neigen: So signalisiere ich, dass ich lächle und aktiv zuhöre.
Ich betone meine Worte Ziehe ich die Augenbrauen hoch, verstärke ich die Wirkung meiner Worte und signalisiere Sympathie.
Ich fühle mich nicht gut Die Schultern sind gesenkt, ein müder Blick: So signalisiere ich meinem Gegenüber, dass es mir nicht gutgeht.
Ich muss nachdenken Die Hand zum Kopf, der Blick zur Seite: So wird dem Gesprächspartner klar, hier muss jemand überlegen.
Wie man mit Maske kommuniziert
Ich umarme und küsse dich Auf diese Weise gebe ich Freunden, Bekannten oder Familienangehörigen auf Distanz zu verstehen, dass ich sie gerne umarmen und küssen möchte.

Ich begrüsse Sie Pantomime und Körpersprache-Experte Damir Dantes zeigt eine berührungslose Alternative zur Begrüssung mit Ellbogen, Faust und Füssen.

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Die Maske hat auch Vorteile. «Sie schützt uns, wir können uns dahinter verstecken und verwandeln», sagt der Pantomime und Körpersprache-Experte Damir Dantes. «Menschen mit Masken erinnern mich ein wenig an Superhelden – auch sie sind meistens maskiert und kämpfen gegen den unsichtbaren Feind.»

Doch sobald wir kommunizieren wollen, behindert uns die Maske enorm. Wir müssen lauter sprechen, unsere Stimme wird aggressiver. Wir sehen uns nicht mehr lächeln. Dafür starren uns Augen an: grosse, kleine, schöne, schiefe, feuchte und geschminkte.

«Wenn wir mit jemandem reden, der keine Maske trägt, rotieren unsere Blicke in einem Dreieck zwischen Augen- und Mundpartie», sagt Dantes. So verifizieren wir instinktiv, ob das Gesprochene mit der Mimik übereinstimmt. «Wir überprüfen die ganze Zeit.» Die Maske behindert diesen Kontrollmechanismus. Und es wird schwieriger, die nonverbalen Signale zu empfangen und richtig zu deuten. «Schaut uns jemand mit Maske direkt an, kann dieser Blick konfrontativ wirken – obwohl es vielleicht gar nicht so gemeint ist.»

Lernen mit Augen, Brauen und Stirnfalten zu sprechen

«Wir müssen übertreiben», sagt Dantes. «Wir können lernen, mit Augen, Brauen, Stirnfalten, Kopfhaltung und Händen zu sprechen.» Das hilft nicht nur im Umgang mit Gehörlosen, die jetzt besonders unter der Maskentragepflicht leiden. Auch in Pflegeberufen, bei der Betreuung von Kindern oder in alltäglichen Begegnungen im Zug und Büro können wir Mimik und Körpersprache bewusster einsetzen.

Auch wie wir hinstehen und uns positionieren, sagt gemäss Dantes viel über unsere Gefühle und Absichten aus: «Stehe ich mit Gesicht, Brust und Füssen parallel vor jemanden hin, signalisiere ich, dass es um eine Sache zwischen ihm und mir geht. Drehe ich mich leicht zur Seite, öffne ich das Gespräch für weitere Personen.»

Daumen hoch bedeutet nicht überall das Gleiche

Doch nur auf Körperhaltungen und Gesten sollten wir uns nicht verlassen, sagt der Körpersprache-Experte. «Der Körper ist zwar ein gutes Sprachinstrument, aber es ist ungenau und kann je nach Kulturkreis zu Missverständnissen führen.» Daumen hoch bedeutet beispielsweise in manchen Ländern etwas Ablehnendes und etwas Schmutziges. «Auf Emotionen reagiert unsere Mimik dagegen immer gleich – unabhängig davon, woher wir kommen», sagt Dantes.

Die Mimik ist das wichtigste Instrument in der nonverbalen Kommunikation. «Egal, in welchem Kulturkreis wir leben: Angst drückt sich in allen Gesichtern gleich aus. Ekel ebenso.» Das liegt daran, dass unser Gehirn auf Reize reagiert, dabei Hormone ausgeschüttet und bestimmte Muskeln angespannt werden. Stirn, Augenbrauen und Mund verändern sich innert Sekundenbruchteilen.

Es gibt 7 Basisemotionen, die sich im Gesicht zeigen

Laut dem amerikanischen Wissenschaftler Paul Ekman gibt es sieben Basisemotionen – neben Angst und Ekel sind dies Überraschung, Ärger, Verachtung, Trauer und Freude – , die sich unbewusst in unserem Gesicht abzeichnen. «Diese Mikroexpressionen lassen sich nicht kontrollieren und sind nur ganz kurz sichtbar, für etwa 40 bis 500 Millisekunden», sagt Dantes. Zum Vergleich: Ein Wimpernschlag geschieht in rund 250 Millisekunden.

Dantes’ geschulte Augen erkennen diese Expressionen. Mittels der Technik der Mimikresonanz – wie sie auch in der TV-Serie «Lie to Me» angewendet wird, um Lügner zu entlarven – kann Damir Dantes Gefühle sofort identifizieren und interpretieren. Das gilt auch für gespielte Emotionen. «Lächelt jemand länger als 4 Sekunden, können Sie davon ausgehen, dass es aufgesetzt ist.»

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