Vorsätzliche Tötung
Zürcher Obergericht verurteilt «Godzilla»-Freundin zu sechs Jahren Gefängnis

Das Zürcher Obergericht hat am Donnerstag eine 37-jährige Frau wegen vorsätzlicher Tötung zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren sowie einer bedingten Geldstrafe verurteilt. Es revidierte damit sein Urteil von 2016, welches vom Bundesgericht zurückgewiesen worden war.

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Das Zürcher Obergericht hat am Donnerstag eine 37-jährige Frau wegen vorsätzlicher Tötung zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren sowie einer bedingten Geldstrafe verurteilt.

Das Zürcher Obergericht hat am Donnerstag eine 37-jährige Frau wegen vorsätzlicher Tötung zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren sowie einer bedingten Geldstrafe verurteilt.

Keystone

Die damals 31-jährige Schweizerin hatte im November 2012 ihren 34-jährigen brasilianischen Freund mit Spitznamen Godzilla im Streit erschossen. Das Bezirksgericht Zürich verurteilte sie 2015 wegen vorsätzlicher Tötung zu fünf Jahren Freiheitsentzug.

Das Obergericht sprach die Frau 2016 frei - der Notwehrexzess sei entschuldbar gewesen. Das Bundesgericht wies 2017 das Obergericht an, den Fall neu zu beurteilen.

Die Richter erkannten nun auf vorsätzliche Tötung und legten als Strafmass sechs Jahre fest. Dazu erliess das Gericht eine bedingte Geldstrafe von 80 Tagen zu 30 Franken. Der Mutter des Getöteten hat die Beschuldigte eine Genugtuung von 10'000 Franken zu zahlen.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Die Verteidigerin zeigte sich enttäuscht, sie sei klar nicht zufrieden. Sie wie auch der Staatsanwalt wollen vor einem Entscheid über das weitere Vorgehen die schriftliche Urteilsbegründung analysieren.

Wenig Spielraum

Das Gericht habe nach dem Bundesgerichts-Entscheid «nur einen kleinen Spielraum» gehabt, sagte der vorsitzende Oberrichter in der mündlichen Urteilsbegründung. Das Obergericht bejahte zwar eine Notwehrlage, in dieser habe die Beschuldigte aber überrissen reagiert. Immerhin sei sie im Security-Bereich tätig. Die Frau hätte zuerst einen Warnschuss abgeben oder auf die Extremitäten des Mannes zielen sollen.

Die junge Frau gab fünf Schüsse ab, wovon drei den Oberkörper des Mannes trafen. Sie feuerte auch noch zweimal auf ihn, nachdem er zusammengesackt am Boden lag. Dann flüchtete sie aus der Wohnung und telefonierte dem Notruf.

Keine geplante Tötung

Die Oberrichter anerkannten, dass der hünenhafte Kampfsportler der - wenn auch durchtrainierten - zierlichen Frau körperlich weit überlegen war. Sie gestanden der Beschuldigten auch zu, dass sie die Tötung des Mannes weder geplant noch ursprünglich gewollt habe.

Vorzuwerfen sei ihr aber die Tatsache, dass sie an jenem Novembernachmittag die geladene Schusswaffe mitnahm, als sie in die Wohnung ihre Freundes ging. Da sie wusste, wie reizbar und gewalttätig er war, habe sie "einen möglichen Einsatz der Waffe vorausgesehen".

11 statt 13 Jahre gefordert

In der Verhandlung am Donnerstag wollte der Staatsanwalt den erstinstanzlichen Schuldspruch bestätigt haben. Er forderte 11 Jahre Freiheitsentzug - am Bezirksgericht waren es noch 13 gewesen.

Die Schüsse seien nicht entschuldbar, namentlich, als der Mann schon am Boden lag und keine Gefahr mehr für die Beschuldigte war. Da sei ein direkter Tötungsvorsatz vorgelegen, sagte der Staatsanwalt.

Die Verteidigerin plädierte auf einen Freispruch vom Vorwurf der vorsätzlichen Tötung. Allenfalls sei ihre heute 37-jährige Mandantin wegen fahrlässiger Tötung zu einer Freiheitsstrafe von neun Monaten zu verurteilen, die sie bereits mit der Untersuchungshaft abgesessen hat.

In ihrem Plädoyer beleuchtete sie die Ausnahmesituation, in der sich die Beschuldigte befunden habe. Als der Schwergewichts-Kampfsportler ausrastete und sie bedrohte, in der Wut auch noch das Sofa, hinter dem sie sich verbarrikadierte, mit leichter Hand aus dem Weg räumte, da habe sie um ihr Leben gefürchtet und sie habe die zur Abwehr und Drohung mitgebrachte Pistole aus der Tasche genommen.