Urteil
Zürcher Obergericht mildert Strafe für FCZ-Petardenwerfer

Das Zürcher Obergericht hat die Strafe für einen FCZ-Fan, der am Zürcher Fussball-Derby im Oktober 2011 eine Seenotfackel geworfen hatte, verringert. Es wertete den Vorfall nicht als Gefährung des Lebens.

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Der Mann hatte eine Seenotsfackel geworfen. (Symbolbild)

Der Mann hatte eine Seenotsfackel geworfen. (Symbolbild)

Keystone

Ein Pyrowerfer habe mit dem Wurf einer Seenotfackel das Leben eines GC-Fans gefährdet - zu diesem Urteil war das Bezirksgericht Zürich im Mai 2012 gekommen und verurteilte einen FCZ-Fan zu zwei Jahren Haft bedingt.

Dem Prozess war eine Medienkampagne vorausgegangen, in der der «Blick» die Tumulte am Zürcher Fussball-Derby vom 2. Oktober 2011, welche zu einem Spielabbruch geführt hatten, zur «Schande von Zürich» stilisierte.

Der Verurteilte legte Beschwerde ein. Das Zürcher Obergericht verschärfte das Urteil noch, indem es den Fackelwurf als versuchte schwere Körperverletzung taxierte. Weil ein Gericht das Urteil einer Vorinstanz nicht verschärfen darf, wenn nur der Verurteilte in Berufung ging, wies das Bundesgericht den Fall zur erneuten Beurteilung ans Obergericht zurück.

Keine Gefährung des Lebens

Das neue Urteil, das die «Schweiz am Sonntag» in ihrer aktuellen Ausgabe publik macht, fällt nun um einiges milder aus. Es nimmt nicht nur die vom Bundesgericht beanstandete Verschlechterung zurück, sondern reduziert auch die ursprüngliche Strafe des Bezirksgerichts.

Der Wurf eines Pyros auf die gegnerischen Fans wird nun weder als Gefährdung des Lebens noch als versuchte schwere Körperverletzung gewertet. Das Gericht schätze die Gefahr, dass jemand durch einen Pyro tödlich verletzt wird, als sehr gering ein. Tatsächlich kam ein GC-Fan, der von der Fackel getroffen wurde, mit Rötungen davon.

Das Obergericht verurteilte den Fackel-Werfer schliesslich wegen versuchter einfacher Körperverletzung und weiterer Delikte zu 13 Monaten Haft und einer Busse von 500 Franken. Die Haftstrafe wird auf Bewährung ausgesetzt. Auch die Bewährungsfrist wurde von drei auf zwei Jahre reduziert.

Das deutlich mildere Urteil birgt einige Sprengkraft in sich. Denn die jüngsten Einkesselungen von Fans in Zürich und Aarau durch die Polizei waren auch mit der Gefährlichkeit der Pyros begründet worden. Das Zürcher Obergericht stellt diese Begründung nun indirekt infrage. Wie gefährlich die Fackeln wirklich sind, bleibt aber umstritten. Das Gericht ging nicht auf den Antrag der Verteidigung ein, diese Frage durch Experten wissenschaftlich untersuchen zu lassen, wie die «Schweiz am Sonntag» weiter berichtet. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.