Kesb
Zürcher Obergericht hält an Beistand für psychisch Kranken fest

Ein psychisch kranker Mann aus der Region Winterthur soll weiterhin von einem Beistand betreut werden. Dies hat das Zürcher Obergericht entschieden. Der 64-jährige Manisch-Depressive war der Meinung, er brauche die Hilfe der KESB nicht mehr.

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Der 64-jähriger Mann empfindet den Beistand der KESB zunehmend als störend - blitzt jedoch vor Gericht ab.

Der 64-jähriger Mann empfindet den Beistand der KESB zunehmend als störend - blitzt jedoch vor Gericht ab.

Sandra Ardizzone

Der Kläger führte einst ein bürgerliches Leben als Kader-Mitarbeiter bei einer Gemeinde, als Ehemann und Vater und Fourier bei der Armee. 1997 begann sein Abstieg: Er unterschlug Geld bei der Gemeinde und wurde entlassen. Kurz darauf wurde die Ehe geschieden.

Bei einer daraufhin folgenden Anstellung in einer Pfarrei zweigte er ebenfalls Geld ab, dazu kamen ein Versicherungsbetrug und mehrere Strassenverkehrsdelikte. In ersten Klinik-Aufenthalten zeigte sich, dass der Mann manisch-depressiv war.

Mit dem Alltag nicht zurechtgekommen

Nachdem er seine Strafe in einer stationären Massnahme verbüsst hatte, wohnte er alleine und arbeitete an einer geschützten Stelle. Danach folgten ein missglückter Auswanderungsversuch nach Bulgarien, die Rückkehr in die Schweiz und erneute Delikte.

Die Justizdirektion informierte schliesslich die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB), weil der Mann mit dem Alltag nicht zurechtkomme. Er habe nicht einmal eine Krankenkasse. Die KESB stellte ihm deshalb Mitte 2010 einen Beistand zur Seite.

In einer nächsten manischen Phase meldete er sich Ende 2015 einmal mehr aus der Schweiz ab, um dieses Mal nach Tschechien auszuwandern. Nachdem auch dies nicht klappte, kehrte er erneut in die Schweiz zurück und versuchte, hochtrabende Geschäftsideen zu verwirklichen. So wollte er unter anderem ein Restaurant übernehmen.

Nicht ausreichend stabilisiert

Die Beistandschaft der KESB empfand er zunehmend als störend. Er stellte Antrag auf Auflösung, weil er sein Leben nun selber führen könne. Der Bezirksrat Winterthur lehnte dies jedoch ab, worauf der Mann schliesslich ans Obergericht gelangte.

Dieses liess ihn nun ebenfalls abblitzen, wie aus dem kürzlich publizierten Urteil hervorgeht. Das Hin und Her respektive Auf und Ab sei wohl typisch für seine psychische Störung. Der 64-Jährige sei offensichtlich nicht ausreichend stabilisiert. Es wäre deshalb verfehlt, die Beistandschaft aufzuheben, schreibt das Gericht.