Urteil
Zürcher Obergericht: Axt-Mörder zu 20 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt

Im Streit um die gemeinsame Tochter hat 2010 ein heute 58-Jähriger neben dem Letzigrund-Stadion in Zürich seine Ex-Frau mit einem Beil erschlagen. Das Gericht hielt dem Beschuldigten zugute, dass er sich selbst gestellt hatte.

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Zürcher Obergericht

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Keystone

Im Streit um die gemeinsame Tochter hat 2010 ein heute 58-Jähriger neben dem Letzigrund-Stadion in Zürich seine Ex-Frau mit einem Beil erschlagen. Das Zürcher Obergericht verurteilte ihn am Dienstag zu einer Freiheitsstrafe von 20 Jahren.

Das Strafmass der Vorinstanz wurde durch einen Mehrheitsentscheid leicht reduziert. Das Bezirksgericht Zürich hatte den Beschuldigten im Juni 2012 wegen Mordes noch zu einer lebenslänglichen Freihheitsstrafe verurteilt. Der Staatsanwalt sprach von einer der schlimmsten Mordtaten der jüngeren Kriminalgeschichte.

Das Gericht hielt dem Beschuldigten zugute, dass er sich selbst gestellt hatte. Zudem bestehe keine Rückfallgefahr.

Der Beschuldigte - ein Chauffeur aus Serbien - war am Morgen des 6. Dezember 2010 mit einem Personenwagen zum Kreisel am Letzigraben vor dem Letzigrund-Stadion gefahren. Dort stieg er aus seinem Wagen und ging mit einem Beil auf seine 52-jährige Ex-Frau los.

Die Frau hatte kurz zuvor das Tram verlassen und keinerlei Abwehrmöglichkeiten. Der Angreifer schlug gleich elf Mal auf den Kopf der vierfachen Mutter ein und verliess den Tatort. Später stellte er sich freiwillig der Polizei.

Mordvorwurf nicht mehr bestritten

Der Beschuldigte stellte vor Obergericht den Mordvorwurf der Anklage nicht grundsätzlich in Abrede. Er wehrte sich jedoch gegen die vom Bezirksgericht Zürich im Juni 2012 ausgefällte lebenslängliche Freihheitsstrafe.

Die Verteidigerin machte einen einen psychischen Notstand ihres Klienten geltend und plädierte für eine Strafsenkung auf 10 Jahre. Als strafmildernd führte sie das Geständnis und die gute Führung im Gefängnis ins Feld.

Der Staatsanwalt forderte die Bestätigung der lebenslänglichen Strafe und sprach von einer «brutalen Eskalation häuslicher Gewalt». Der Beschuldigte habe seine Ex-Frau äusserst feige zu Tode geschlachtet.

Immer wieder gewalttätig

Der Serbe hatte 1982 geheiratet und mit seiner Frau vier Kinder gezeugt. 18 Jahre lang lebt er alleine in Zürich. Die Ehekrise begann, nachdem Frau und Kinder in die Schweiz nachgereist waren.

Erstmals verhaftet wurde der Mann wegen häuslicher Gewalt. Im April 2005 wurde er wegen Gefährdung des Lebens sowie weiterer Delikte zu einer bedingten Freihheitsstrafe von 18 Monaten verurteilt.

Das Ehepaar trennte sich zwar, zankte sich aber wegen der gemeinsamen, 1996 geborenen Tochter weiter. Nachdem der Serbe das Sorgerecht verloren hatte, sah er seine jüngste Tochter kaum mehr. Darauf wollte er sich gemäss Anklage rächen: «Wenn ich mein Kind nicht mehr sehe, soll sie es auch nicht mehr sehen», gab er während der Untersuchung zu Protokoll.