Kantonsgericht St.Gallen
Zürcher Kantonspolizist mit Vorwurf der sexuellen Belästigung konfrontiert

Ein 34-jähriger Schweizer hat sich am Dienstag vor dem Kantonsgericht St. Gallen gegen den Vorwurf gewehrt, im Bad des "Säntisparks" zwei Frauen begrapscht zu haben. Die erste Instanz hatte den Mann zu einer Busse von 10'000 Franken verurteilt.

Merken
Drucken
Teilen
Der Polizist wird unter anderem bezichtigt, im Endbecken der Rutschbahn eine Frau begrapscht zu haben. (Archiv)

Der Polizist wird unter anderem bezichtigt, im Endbecken der Rutschbahn eine Frau begrapscht zu haben. (Archiv)

zvg

Der Beschuldigte, ein Züricher Kantonspolizist, ist im März vergangenen Jahres vom Kreisgericht St. Gallen wegen mehrfacher sexueller Belästigung für schuldig erklärt worden. Das Kreisgericht verurteilte ihn zu einer Busse von 10'000 Franken und zu Genugtuungszahlungen von 1500 und 2000 Franken an die Opfer.

Der 34-jährige akzeptierte das Urteil nicht. Am Dienstag fand deshalb am Kantonsgericht St. Gallen die Berufungsverhandlung statt.

Freispruch verlangt

Er sei unschuldig, beteuerte der Beschuldigte am Dienstag vor Gericht. Im Endbecken der Rutschbahn sei er ausgerutscht und gestürzt. Dadurch habe er sich kurz an einer neben ihm stehenden Frau abgestützt. Mehr sei nicht passiert im Frühling 2012.

Die jungen Frauen erzählten dagegen, der Mann habe sie unsittlich berührt. Er sei neben ihnen der einzige Badegast im Becken gewesen, erzählte die eine. Plötzlich sei er getaucht und habe sie unsittlich betastet. Sie habe seine Hand aus der Badehose ziehen müssen. Der Mann habe so getan, als ob er ausgerutscht sei und sich entschuldigt.

Als die Freundin von der Rutsche gekommen sei, hätten sie sich ins Solebad begeben. Dort soll der Mann auch gewesen sein. Laut Anklageschrift hat er der anderen Frau unter Wasser in die Badehose gegriffen. Sie hätten sich dann entschlossen, dem Täter zu folgen und den Badmeister zu informieren, berichtete die zweite junge Frau.

In einen Albtraum geraten

Der Verteidiger verlangte einen Freispruch. Für seinen Mandanten, der einen einwandfreien Leumund habe, sei die Sache ein Albtraum und gefährde seine berufliche Karriere. Er habe mit den Übergriffen nichts zu tun. Die Aussagen der Frauen seien widersprüchlich.

Erst nach dem Vorfall im Solebad habe die erste Zeugin dem Geschehen bei der Rutschbahn Bedeutung zugemessen. Vorher sei sie davon ausgegangen, es habe sich um eine zufällige Berührung gehandelt.

Einen tauchenden Mann könne man im Solebad nur schemenhaft erkennen. Es sei unmöglich, dass die Frauen seinen Mandanten dort eindeutig erkannt haben könnten. Während dieses Vorfalles sei er gerade in der Sauna gewesen. Die Frauen hätten auch von drei jungen Männern erzählt, von denen sie angesprochen worden seien. Es könne gut sein, dass einer von ihnen für den Übergriff im Solebad verantwortlich sei.

Höhere Strafe gefordert

Die Staatsanwaltschaft beantragte, der 34-Jährige sei wegen Schändung zu verurteilen. Sie verlangte eine bedingte Freiheitsstrafe von 15 Monaten und eine Busse.

Die beiden Frauen seien vom Beschuldigten überrumpelt worden. Der Übergriff sei so kurz gewesen, dass sie sich nicht hätten wehren können. Die Aussagen der Frauen seien überzeugend. Das Urteil des Kantonsgerichts St.Gallen wird noch diese Woche erwartet.