Zürich
Zürcher Helferei wird für 8 Millionen auf Vordermann gebracht

Der erste Eindruck täuscht: Betritt man die altehrwürdige Helferei beim Grossmünster, einst Wohnsitz des Zürcher Reformators Huldrych Zwingli, scheint alles in bester Ordnung. Doch das Haus ist renovationsbedürftig

Alfred Borter
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Die Zürcher Helferei, Blick von aussen.
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Blick in Foyer der Helferei
Die Zürcher Helferei wird renoviert.
Blick in die Kapelle. Hier werden immer wieder Konzerte gegeben.
Das Programm der Helferei ist äusserst vielfältig.

Die Zürcher Helferei, Blick von aussen.

Alfred Borter

Das Entree sieht hübsch aus: Die Wände sind hell gestrichen, ein paar Stühle, gruppiert um Tische aus massiven Holzscheiben, laden zum Verweilen ein, die massiven Holzpfosten erlauben Durchblicke nach allen Seiten.

Schliessung für eineinhalb Jahre

«Aber was unter der Oberfläche liegt, ist dringend sanierungsbedürftig», erklärt Regine Helbling, Aktuarin der Kirchgemeinde Grossmünster, der das Haus gehört. Die elektrischen Leitungen sind veraltet, das Heizungssystem ist am Ende der Lebensdauer angelangt. Der Lift entspricht längst nicht mehr den verschärften Vorschriften, dasselbe gilt für die Küche. Das letztmals vor vierzig Jahren renovierte Haus ist nicht behindertengerecht, und die angebaute Kapelle braucht aus feuerpolizeilichen Gründen einen zweiten Ausgang.

Nun müssen die Gebäude mit einem Aufwand von knapp 8 Millionen Franken saniert werden. Helferei und Kapelle werden für knapp eineinhalb Jahre geschlossen. Die Arbeiten beginnen Anfang Juli; als der Architekt konnte Peter Joos vom Büro Joos & Mathys, Zürich, gewonnen werden.
Kredit musste erhöht werden

Achtjährige Planung

«Vor acht Jahren haben wir zu planen begonnen», erläutert Regine Helbling. Es brauchte zahllose Überlegungen und Sitzungen mit allen Beteiligten, bis das Sanierungsvorhaben alle Hürden genommen hatte. Feuerpolizei, Gesundheitspolizei und natürlich der Denkmalschutz sprachen ein gewichtiges Wort mit; die mit der Baubewilligung verbundenen Auflagen umfassen ein dickes Buch, sagt Regine Helbling.

Das Gebäude stammt in seinen Grundzügen aus dem 13. Jahrhundert; aus dieser Zeit sind noch Grundmauern stehen geblieben. Seither hat es mehrere Umgestaltungen erfahren, die umfassendste in den Jahren 1857 bis 1860, als der Architekt Johann Jakob Breitinger nicht nur die Kapelle anbaute, sondern in der Helferei - sogenannt, weil hier ab 1855 der Diakon oder Gemeindehelfer seinen Sitz hatte - auch ein zentrales Treppenhaus einbaute.

Der zuerst von der Kirchgemeindeversammlung und danach auch vom Stadtverband bewilligte Kredit von ursprünglich 6,5 Millionen Franken musste auf 8 Millionen erhöht werden, weil es sich mit der fortschreitenden Detailprojektierung zeigte, wie viel erneuert werden muss. «Auch die Erdbebensicherheit ist ein Thema», erläutert die Aktuarin.

Der Lift, heute aussen ans Haus «angeklebt», muss abgebrochen und ins Hausinnere verlegt werden; eine wegen des Behindertengleichstellungsgesetzes nötige Vergrösserung am jetzigen Ort liess die Denkmalpflege nicht zu. Der Lift wird nun neu nicht mehr bis ins vierte Stockwerk geführt werden können, sondern reicht nur mehr bis ins erste Stockwerk, wo sich noch öffentlich zugängliche Räume befinden. Dafür wird er so gross, dass auch ein Rollstuhl samt Begleitperson Platz findet. In den Stockwerken zwei bis vier sind Wohnungen eingerichtet; für die Mieter heisst das künftig: Treppensteigen.

Archäologische Funde als Risiko

«Wir mussten zu diesem Kompromiss Ja sagen», erwähnt Regine Helbling. Ja sagen musste man auch zur Verlegung der Küche, weil die heute verlangte Lüftung nicht am bisherigen Standort untergebracht werden konnte. Die Idee, die Küche in den Untergrund zu verlegen, hat die Kirchenpflege rasch wieder aufgegeben: Bei Grabarbeiten wäre man möglicherweise auf archäologische Funde gestossen, und das hätte Bauverzögerungen bedeutet. Dieses Risiko wollte man vermeiden.

Wichtig war der Kirchenpflege, dass der offene Charakter des Foyers erhalten werden kann. Durchblicke soll es weiterhin geben, auch wenn aus Gründen des Brandschutzes die eine oder andere Trennscheibe eingesetzt werden muss, so gegenüber dem Treppenhaus. Dieses steht auch unter Denkmalschutz; es wird aber aufgefrischt und mit einer neuen Beleuchtung versehen.

Ein «Riesenaufwand»

«Alles in allem betreiben wir einen Riesenaufwand, damit die Helferei mit ihren vielfältigen Nutzungen wieder für einige Zeit up to date ist», betont Regine Helbling. Sie freue sich auf die Zeit nach der Renovation.