Landwirtschaft
Zürcher Gutsbetrieb Juchhof gibt Tierproduktion auf - aus biologischen Gründen

Der städtische Bauernhof Juchhof will nur noch biologisch produzieren. Daher verzichtet Grün Stadt Zürich ab 2018 auf die Haltung von Rindern und Schweinen. Fünf Mitarbeiter verlieren ihre Stelle.

Katrin Oller
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Bis Ende 2017 will der Gutsbetrieb Juchhof keine Schweine mehr halten.

Bis Ende 2017 will der Gutsbetrieb Juchhof keine Schweine mehr halten.

Keystone

80 Rinder und rund 250 Schweine tummeln sich heute auf dem Stadtzürcher Gutsbetrieb Juchhof bei Zürich Altstetten. Die Tiere werden in Freilaufställen gehalten und nach den Richtlinien von Coop Naturafarm gemästet. Aber der Juchhof ist – im Gegensatz zu den neun Pachtbetrieben der Stadt – nicht biozertifziert. Dies will Grün Stadt Zürich nun nachholen und wird deshalb ab 2018 auf die Haltung von Tieren verzichten. Am heutigen Standort, eingeklemmt zwischen Bernerstrasse, Bahngleisen und Sportplatz sei es nicht möglich, den Tieren genügend Auslauf zu gewähren, sagt Marc Werlen, Leiter Kommunikation bei Grün Stadt Zürich. Dies wäre aber ein Kriterium für die biologische Produktion.

Fünf Mitarbeiter werden mit der Redimensionierung des Hofs ihre Stelle verlieren. Laut Werlen werde ihnen bei Grün Stadt Zürich alternative Beschäftigungen angeboten. Allerdings werden diese Stellen nicht mehr in der Tierhaltung sein, da Grün Stadt Zürich einzig auf dem Juchhof Tiere hält. Ansonsten ändert sich wenig. «Die Acker- und Wiesenflächen werden bereits heute nach ökologischen Kriterien bewirtschaftet», sagt Werlen. Weiter betreibt der Juchhof Obst- und Rebbau sowie eine Bauernhofschule und einen landwirtschaftlichen Werkhof.

Zwei neue Quartierhöfe

Die Umstellung auf dem Juchhof entspricht der Stossrichtung für die städtische Landwirtschaft, die Grün Stadt Zürich bis 2030 anstrebt. So setzt die Stadt zukünftig mehr auf lebendige Böden und hohe Biodiversität, auf hochstehende Nahrungsmittelproduktion, die Landwirtschaft als Erholungsgebiet und die Integration der Bevölkerung. Diese soll «zuschauen und anpacken» können, wie es im Bericht zur Bedeutung und Entwicklung der städtischen Landwirtschaft heisst.

Mitanpacken sollen die Zürcher etwa auf den Quartierhöfen. In Riesbach und Höngg bestehen bereits zwei, zwei weitere potenzielle Quartierhöfe werden im Bericht ausgewiesen: Wegen der gleichmässigen Verteilung über das Stadtgebiet, würden sich als Standorte die heutigen Pachtbetriebe Huebhof in Schwamendingen und Schipferhof in Wollishofen eignen. «Urban Farming und Urban Gardening sind ungebrochene Trends», sagt Werlen. Ob und wie die Ideen weiterverfolgt werden können, werde man mit Interessengruppen in den Quartieren anschauen, wenn diese ihr Interesse anmelden. Für die heutigen Pächter haben die Überlegungen von Grün Stadt Zürich vorerst keine Konsequenzen. Die laufenden Verträge werden laut Werlen nicht geändert.

In Zürich werden 810 Hektaren landwirtschaftlich genutzt, das entspricht
9 Prozent der Stadtfläche. Neben den neun Pachtbetrieben bewirtschaften auch einzelne Private die Flächen. Der Juchhof ist der einzige Hof, den die Stadt selber betreibt. Der Juchhof bewirtschaftet heute auch noch den Friedlisberghof im Kanton Aargau. In den nächsten 15 Jahren soll auch dieser verpachtet werden. Mit sämtlichen Umstrukturierungsmassnahmen will die Stadt jährlich eine halbe Million Franken sparen.