Höhere Abgaben
Zürcher Gewerbler fahren mit anderer Autonummer – und bezahlen weniger

Weil die Abgaben auf Lieferwagen stark steigen, holen sich Unternehmer Nummernschilder aus anderen Kantonen. Solange der Standort der Lieferwagen tatsächlich in einem Nachbarskanton liegen, ist dies ein legales Vorgehen.

Marius Huber
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Lieferwagen mit Zürcher Nummernschilder müssen mehr Geld an den Kanton abliefern.

Lieferwagen mit Zürcher Nummernschilder müssen mehr Geld an den Kanton abliefern.

Keystone

Im Prinzip müssten alle Zürcher Gewerbetreibenden für ihre Lieferwagen bald deutlich mehr Geld an den Kanton abliefern als gewohnt. Denn die Verkehrsabgaben auf CO2-Schleudern ziehen per 1. Januar stark an, nachdem dies die Stimmbevölkerung Mitte 2012 gegen den Widerstand des kantonalen Gewerbeverbands beschlossen hat.

Für einen älteren Lieferwagen mit 2500 Kubikzentimetern Hubraum sind künftig pro Jahr 1138 Franken fällig statt wie bisher 476 Franken. Das ist fast das Zweieinhalbfache.

Zürcher mit Thurgauer Nummer

Kein Wunder, haben sich findige Gewerbler nach Alternativen umgesehen - und diese auch gefunden. Wie die «Elgger Zeitung» berichtet, sind sie im Zürcher Weinland vermehrt mit kantonsfremden Nummernschildern unterwegs.

Schwere Autos kosten mehr

Am 1. Januar tritt die neue Verkehrsabgabeverordnung in Kraft. Besitzer von schweren Autos mit viel Hubraum müssen dann mehr Steuern zahlen als bisher, Besitzer sparsamer Autos weniger. Die Rechnung kommt wegen der Umstellung für einmal erst Ende Januar ins Haus. Die Abgabe lässt sich im Internet berechnen: www.stva.zh.ch/va. (hub)

Der Grund: Ennet der nahen Kantonsgrenze, im Thurgau und in Schaffhausen, liegen die Abgaben auf einen Lieferwagen etwa zwei Drittel unter dem Zürcher Niveau. So lassen sich schon bei einer kleinen Flotte bald einmal ein paar Tausend Franken sparen.

Die Zeitung zitiert einen Unternehmer, der deshalb zehn seiner Fahrzeuge nach Schaffhausen ausgelagert hat.

Einfach zu bewerkstelligen

Urs Berger, Präsident der Wirtschaftsvereinigung Region Andelfingen, bestätigt auf Anfrage, ihm sei dieses neue Phänomen bekannt.

Er wisse von mehreren Gewerblern, welche die Zürcher Nummern an ihren Lieferwagen gegen andere ausgetauscht hätten – ein Vorgehen, das legal ist, wenn die Lieferwagen ihren Standort auch wirklich in einem Nachbarkanton haben.

Das heisst: Sie müssen über Nacht dort parkiert sein. Laut Berger lässt sich das oft ganz einfach bewerkstelligen. Der eine oder andere Angestellte komme ohnehin von dort und fahre nach der Arbeit im Firmenwagen nach Hause.

Dieser Kniff bietet sich auch für Gewerbetreibende in anderen Gegenden des Kantons an. Denn die Nachbarkantone Aargau, Schwyz und Zug erheben ebenfalls tiefere Abgaben auf Lieferwagen als Zürich.

Sie betragen dort nur etwa die Hälfte. Selbst in St. Gallen, dem teuersten der Nachbarkantone, sind sie noch 20 Prozent günstiger.

Gingen nur schon ein paar Hundert Lieferwagen fremd, betrüge der Steuerausfall für den Kanton Zürich bald einmal eine Million Franken. Beim Zürcher Strassenverkehrsamt sind bisher allerdings noch keine solch grossen Bewegungen aufgefallen, wie es auf Anfrage heisst.

Zwar sei es durchaus möglich, dass einzelne Gewerbler mit ein paar wenigen Fahrzeugen den Kanton gewechselt hätten, sagt Rechtskonsulent Ruedi Hug.

Wenn solche Fälle aber gehäuft vorkämen oder ein grosser Betrieb mit Dutzenden Fahrzeugen die Nummernschilder ausgetauscht hätte, würde das System dies anzeigen.
Laut Hug gab es solche Kantonswechsel schon immer.

Genauso wie man oft Zürcher Lastwagen mit Tessiner Anhängern beobachten könne, weil diese dort weniger kosteten. «Solange alles legal abläuft, ist es das gute Recht der Leute, vom Föderalismus zu profitieren», sagt er.

Eingreifen müsse das Amt dagegen bei Missbräuchen - wenn etwa Fahrzeugflotten mit fremden Nummern im Kanton Zürich über Nacht parkiert werden. In den letzten zwei Jahren habe man jedoch nur eine Handvoll Firmen zur Rechenschaft ziehen müssen.

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