Zürich-Affoltern
Zürcher Gentech-Feld sorgt weiter für Argwohn

Der Feldversuch mit genmanipuliertem Weizen am Zürcher Stadtrand ist seit 2010 abgeschlossen. Doch noch immer ist das Gelände hermetisch gesichert. Was läuft hinter dem Stacheldraht?

Matthias Scharrer
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Das Versuchsfeld ist noch immer scharf gesichert.

Das Versuchsfeld ist noch immer scharf gesichert.

Heinrich Frei geht öfter mal am Katzenbach spazieren. Er wohnt in Zürich-Affoltern, unweit der Forschungsanstalt Agroscope Reckenholz-Tänikon (ART), wo Forscher diverser Hochschulen von 2008 bis 2010 Feldversuche mit gentechnisch verändertem Weizen durchführten. Das Versuchsfeld ist noch immer hermetisch gesichert, nachdem Gentech-Gegner einst versucht hatten, die Feldversuche zu stören.

«Kürzlich stellte ich fest, dass die umzäunte Versuchsfläche dort am Katzenbach fast verdoppelt wurde», meldete Leserbrief-Schreiber Frei nun per E-Mail. Auf Nachfrage erklärte er gestern, er habe seine Beobachtung Anfang Januar gemacht. Und er frage sich, was auf dem Feld im Frühling ausgesät werden solle.

«Das eingezäunte Feld hat sich umfangmässig nicht verändert»

Dass das Gentech-Feld vergrössert worden sei, dementiert Denise Tschamper, Kommunikationschefin der Forschungsanstalt ART: «Das eingezäunte Feld hat sich umfangmässig nicht verändert. Die Versuche sind seit 2010 abgeschlossen.»

Derzeit laufen laut Tschamper aber noch Nachbeobachtungen innerhalb und ausserhalb des umzäunten Feldes. «Bis jetzt wurden dabei keine gentechnisch veränderten Pflanzen festgestellt», so Tschamper. Mit anderen Worten: Die Befürchtung, gentechnisch veränderter Weizen könne sich auch ausserhalb des kontrollierten Feldes verbreiten, habe sich bisher nicht bewahrheitet. Allerdings sei das Feld, als die Samen reif waren, mit Netzen abgedeckt worden, damit nicht Vögel die Weizenkörner picken und weitertragen konnten. Pollenflug lässt sich so jedoch nicht verhindern.

Die Nachbeobachtungen laufen gemäss Tschamper noch während des ganzen eben angefangenen Jahres. Wie es danach mit dem eingezäunten Feld weitergehe, sei offen.

Feststeht: «Im Frühling wird dort konventioneller Mais angesät», so Tschamper weiter. Dabei handle es sich nicht um einen wissenschaftlichen Versuch, sondern um eine normale Zwischennutzung.

Erträge teilweise geringer

Die Feldversuche mit gentechnisch verändertem Weizen waren Teil des Nationalen Forschungsprogramms 59. Damit lässt der Bundesrat Nutzen und Risiken der Freisetzung gentechnisch veränderter Pflanzen untersuchen.

Der genmanipulierte Weizen erwies sich laut Forschungsberichten verglichen mit herkömmlichem Weizen als weniger anfällig auf die Pilzkrankheit Mehltau. Auf die Anzahl Blattläuse, Käfer und Halmfliegen, die auf Weizen leben, hatte er keinen Einfluss. Die Ernte fiel aber in den Feldversuchen teilweise geringer aus als bei nicht manipuliertem Weizen.

Das Gentech-Feld in Zürich Affoltern ist einer der wenigen Orte, wo entsprechende Versuche seit dem vom Volk im Jahr 2005 beschlossenen Gentech-Moratorium noch zugelassen waren. Ende 2013 läuft das Moratorium aus. Über eine erneute Verlängerung muss die Politik entscheiden.