Strichplan
Zürcher Gemeinderat stimmt städtischem Strichplatz in Altsetten zu

Der Zürcher Gemeinderat sagt Ja zur Verlagerung des Strassenstrichs vom Sihlquai nach Altstetten. Die Stadt will dort auf Land, auf dem später einmal ein Tramdepot gebaut werden soll, Verrichtungsboxen erstellen.

Alfred Borter
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Die Tage des Strassenstrichs am Sihlquai sind gezählt (Archiv)

Die Tage des Strassenstrichs am Sihlquai sind gezählt (Archiv)

Keystone

Die Idee, den Strassenstrich am Sihlquai aufzuheben und dafür an der Ecke Aargauerstrasse/Würzgrabenstrasse in einem heutigen Niemandsgebiet von Altstetten vorübergehend einen Strichplatz einzurichten, wo Prostituierte ihrer Tätigkeit nachgehen können, ist im Gemeinderat überwiegend auf Anklang gestossen. Die Stadt will auf dem Land, auf dem später einmal ein Tramdepot für die Limmattalbahn und das Rosengartentram gebaut werden soll, Verrichtungsboxen erstellen, wo die Freier mit ihren Fahrzeugen hineinfahren können. Die Betreuung der Prostituierten durch die Beratungsstelle Flora Dora ist sichergestellt.

2,4 Millionen Franken Kosten

Die Anlage des Strichplatzes ist nicht billig, die Kosten belaufen sich auf knapp 2,4 Millionen Franken; davon sind knapp 500000 Franken für die Altlastenentsorgung vorgesehen. Die Betriebskosten werden auf jährlich 500000 Franken veranschlagt. Auf das Erheben von Gebühren will die Stadt verzichten.

Der Strichplatz soll bereits im Frühjahr 2012 zur Verfügung stehen. Dann sollen bisherige Strichzonen aufgehoben werden, insbesondere die Zone am Sihlquai, die vor allem für Verärgerung bei den Anwohnerinnen und Anwohnern des Quartiers Wipkingen gesorgt hat, weil die Prostituierten und ihre Freier auch die Vorgärten in Anspruch genommen haben.

Die SVP wandte sich grundsätzlich gegen das Vorhaben. Das Einrichten und Betreiben eines Strichplatzes sei keine Aufgabe der Stadt, es sei den Steuerzahlern nicht zuzumuten, dafür Geld auszugeben, dass Freier aus der Agglomeration zu ihrem Ziel kämen.

SVP, EVP und SD dagegen

Die Schweizer Demokraten hielten ebenfalls nichts von einem Strichplatz. Die vorgesehene Kontrolle des Platzes gefalle den Freiern nicht und die Bemutterung der Prostituierten sei von diesen gar nicht erwünscht, sodass er möglicherweise gar nicht benutzt werde.

Bedenken äusserte auch die Sprecherin der EVP. In den Verrichtungsboxen in Altstetten hätten bloss ein paar Dutzend Prostituierte Platz, die andern müssten wohl auf andere Strichzonen, etwa in die Altstadt, ausweichen, möglicherweise auch in die Agglomeration. Das könne ja nicht die Lösung sein.

Mit ihrer negativen Einstellung gegenüber dem städtischen Strichplatz blieben SVP, EVP und SD allerdings in der Minderheit. Man solle den Versuch wagen, erklärte etwa der Sprecher der CVP, der Strichplatz sei zwar kein Allheilmittel, doch wenn er sich nicht bewähre, könne man ihn ja wieder schliessen. Wichtig sei, dass die unhaltbaren Verhältnisse am Sihlquai ein Ende hätten. Dass man am Sihlquai für Ordnung sorge, sei auch für das Image der Stadt gut, fügte der Referent der FDP bei. Die Neuerung trage nicht nur zur Befriedung im Quartier Wipkingen bei, sagte ein Sprecher der SP, auch die von Freiern und Zuhältern gegenüber den Prostituierten ausgeübte Gewalt lasse sich so eindämmen.

Den Versuch wagen

Stadtrat Martin Waser ermunterte die Parlamentarier, den Versuch zu wagen. Der Erfolg sei zwar nicht garantiert, aber wenn man nichts wage, habe man schon verloren. Man müsse verschiedenes unternehmen für eine tragbare Lösung. «Wir sind vielleicht blauäugig», sagte er, «aber wir sind nicht blöd.» Man werde die Lehren aus den Strichplätzen im Ausland ziehen. Der Gemeinderat liess sich überzeugen und stimmte der Schaffung des Strichplatzes mit 74 zu 30 Stimmen zu.