Stadt Zürich
Zürcher FDP-Stadtrat Türler tritt nicht mehr zu den Wahlen 2018 an

Der Zürcher FDP-Stadtrat Andres Türler will noch einmal etwas Neues anpacken: Der Vorsteher der Industriellen Betriebe wird bei den Erneuerungswahlen im März 2018 nicht mehr kandidieren.

Merken
Drucken
Teilen
Stadtrat Andres Türler wendet sich neuen Herausforderungen zu.

Stadtrat Andres Türler wendet sich neuen Herausforderungen zu.

Lina Giusto

Der Zürcher FDP-Stadtrat Andres Türler will noch einmal etwas Neues anpacken: Der Vorsteher der Industriellen Betriebe wird bei den Erneuerungswahlen im März 2018 nicht mehr kandidieren.

Nach 16 Jahren in der Stadtregierung sei für Türler der Zeitpunkt gekommen, um nochmals neue Herausforderungen anzupacken und die Prioritäten anders zu setzen, teilte die FDP Stadt Zürich am Freitag mit. Türler könne seiner Nachfolgerin oder seinem Nachfolger ein gut aufgestelltes Departement übergeben.

Türler ist seit den letzten Wahlen im Jahr 2014 das amtsälteste Mitglied der Zürcher Exekutive. Der Jurist war 2002 im zweiten Wahlgang in den Stadtrat gewählt worden. Seither leitete er das Departement der Industriellen Betriebe, zu dem die Wasserversorgung, das Elektrizitätswerk der Stadt Zürich (ewz) und die Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ) gehören.

Als "grünliberaler Freisinniger", "freisinniger Umweltschützer" oder "der Blaue mit grüner Seele" war er in Porträts schon bezeichnet worden. Er war als Vorsteher der Industriellen Betriebe verantwortlich für die Umsetzung der ökologischen Energiepolitik mit dem Ziel des Atomausstiegs und der 2000-Watt-Gesellschaft. Zudem trieb er den Ausbau des öffentlichen Verkehrs voran.

Tramlinien Zürich-West und Hardbrücke

Meilensteine in seiner Amtszeit waren etwa die Tramlinien Zürich-West und Hardbrücke, das ewz-Glasfasernetz oder der Üetlibergstollen.

Türler sah sich selbst als Teamplayer und Pragmatiker, der politische Gräben überwindet. In den Volksabstimmungen waren alle Vorlagen aus seinem Departement angenommen worden. 2014 war Türler gar mit dem besten Resultat wiedergewählt worden.

In der letzten Zeit lief aber nicht mehr alles nur rund: Erst Ende Januar lehnte das Parlament einen Kredit für die Gründung der Limmat Energie AG ab. Der geplante Energieverbund war zuvor mit einem Rekurs blockiert worden. Auch mit der Privatisierung des ewz scheiterte Türler im Parlament.

Und die geplante Beschaffung von 70 Trams ist seit Monaten hängig. Türler ist dabei aber machtlos: Siemens und Stadler Rail haben die Auftragvergabe an Bombardier Ende Mai 2016 beim Verwaltungsgericht angefochten.

Geboren ist Türler 1957 in Quebec (Kanada), aufgewachsen in Zürich. Nach seinem Jusstudium arbeitete er bei einer Anwaltskanzlei sowie beim Bezirksgericht sowie als Staatsanwalt in Uster und Zürich.

Zudem sass er für die FDP im Stadtparlament und war Stadtparteipräsident. 2002 machte er die Politik als "sein grösstes Hobby" zum Beruf: Er wurde Stadtrat.

Wahlen am 4. März 2018

Die Erneuerungswahlen für den Stadtrat finden am 4. März 2018 statt. Bereits klar ist, dass die Stadträte Richard Wolff (AL) und Daniel Leupi (Grüne) wieder kandidieren werden.

Die Bürgerlichen kündigten zudem bereits an, bei den Wahlen zusammenzuarbeiten. CVP, FDP und SVP wollen voraussichtlich mit einem "5-er-Päckli" antreten. Die Findungskommission der FDP wird präsidiert von alt Ständerat Felix Gutzwiller.

Bisher hätten sich rund ein halbes Dutzend Interessierte gemeldet, sagte Parteipräsident Severin Pflüger zur Nachrichtenagentur sda. Die Kommission werde sich jedoch auch noch direkt an mögliche Kandidaten wenden. Als heisser Kandidat gehandelt wird seit längerer Zeit der ehemalige Parteipräsident Michael Baumer.

Im neunköpfigen Zürcher Stadtrat sitzen aktuell vier Mitglieder der SP, zwei der FDP und je ein Mitglied der AL, der Grünen und der CVP.