ERZ Affäre
Zürcher Entsorgungsamt leistet sich eine Freizeitoase - mit Fronarbeit

ERZ liess seinen Mitarbeitern eine Freizeitanlage im Wert von 2,5 Millionen Franken bauen – in Fronarbeit, sagt der ehemalige Direktor, Urs Pauli.

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 Zu Badeteich umfunktioniertes Klärbecken.

zvg

Als Finanzchef von Entsorgung + Recycling Zürich (ERZ) hat Urs Pauli 2001 die Umgestaltung von vier alten Klärbecken im Werdhölzli beschlossen und baute so «Zürichs schönstes Sitzungszimmer», das schreibt der «Tages Anzeiger» in einem Beitrag.

Ursprünglich war geplant, die alten Becken durch Parkplätze zu ersetzen. Dazu ist es aber nicht gekommen. Vielmehr entstanden im Klärwerk Werdhölzli aus ehemaligen Klärbecken kreisrunde Biotope: ein Fischteich, ein Naturteich, ein Badeteich und der dazugehörende Klärteich, berichtet der «Tages Anzeiger». Im Fischteich tummeln sich einheimische Fische, auf dem Wasser schwimmt ein Floss mit einem Freiluft-Sitzungszimmer.

Aber nicht nur das Klärwerk Werdhölzli hat Pauli verschönern lassen. Hinzu kommt auch ein Gratis-Tennisplatz für ERZ-Mitarbeiter auf dem Sportpaltz Hardhof.

Mit Fronarbeit zur Freizeitoase

Urs Pauli wird vom «Tages Anzeiger» aus einem Artikel der Zeitschrift «Grünzeit» von Grüne Stadt Zürich aus dem Jahr 2010 zitiert. Hiernach soll Pauli auf die Frage, wer denn das alles bezahlt haben soll, folgendes geantwortet haben: «Fünf Jahre lang haben wir daran gearbeitet, und jeder Mitarbeiter, jede Mitarbeiterin hat etwas dazu beigetragen».

Sein Beitrag übte er vor allem in der Befehlsfunktion aus: «Befohlen ist auch halb gearbeitet – ich habe mich vor allem um die Organisation gekümmert.»

Die Kosten für den Umbau der Anlage belief sich auf 2.5 Millionen Franken. Der Chef Infrastruktur im Werdhölzli, Jürg Schläpfer, erklärte damals: «Einen Grossteil davon erbrachten ERZ-Angestellte durch Eigenleistungen.» Ein Abbruch der vier Becken hätte überdies alleine pro Becken 2 Millionen Franken gekostet. «Da fanden wir: lieber etwas Gescheites mit weniger Geld machen, das der Natur und den Mitarbeitern ­etwas bringt», sagt Schläpfer.

Wird die Rechnung aber zu Ende gedacht, dann bleibt immer noch ein kleiner Teil der Kosten übrig. Stellt sich die Frage. Wer kam dafür auf? Gegenüber einer Anfrage des «Tages Anzeiger» an den Vorsteher des Tiefbauamts, Filippo Leutenegger, antwortet der Pressesprecher Pio Sulzer nur mit einem Verweis auf die bereits eingeleitete externe Untersuchung. «Für die Dauer dieser Untersuchung werden deshalb keine Anfragen von Medien oder Privatpersonen mehr beantwortet», schreibt Sulzer.

Der Anwalt Urs Paulis, Ueli Vogel-Etienne, widerspricht den Schilderungen in der «Grünzeit» teilweise: «Die Umnutzung wurde vom früheren Direktor Gottfried Neuhold beschlossen.» Pauli sei am Beschluss nicht beteiligt gewesen. Zur Finanzierung könne er nichts konkretes sagen. (lgi)