Zürich
Zürcher Baudirektor will Unregelmässigkeiten im Amt unter Deckel halten

Weil er einen Imageschaden für sein Amt befürchtet, versucht der Zürcher Baudirektor Markus Kägi, ein Gutachten unter Verschluss zu halten. Dieses hatte er in Auftrag gegeben, nachdem 2009 ein Mitarbeiter verhaftet und fristlos entlassen wurde.

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Markus Kägi spricht zu den Medien

Markus Kägi spricht zu den Medien

Keystone

Dem ehemaligen Projektleiter, der gegen seine fristlose Entlassung Rekurs eingelegt hat, werden Unregelmässigkeiten bei der Auftragsvergabe vorgeworfen. Das Strafverfahren gegen ihn läuft noch, weshalb Dominik Bonderer, Sprecher der Baudirektion, den Vorfall nicht kommentieren wollte. Es gelte die Unschuldsvermutung.

Richtig sei aber, dass der ehemalige Mitarbeiter Einsicht in das externe Gutachten von Andreas Werren verlangt hatte, wie er eine Meldung des «Tages-Anzeiger» vom Donnerstag bestätigte. Die Baudirektion verweigerte dies und schliesslich musste im Juni 2011 der Regierungsrat darüber entscheiden, ob das Papier geheim sei.

Kein öffentliches Interesse an Geheimhaltung

Die Baudirektion befürchtete, bei Veröffentlichung des Werren- Berichts erleide sie einen Imageschaden und einen Vertrauensverlust. Die Regierung sah dies anders: Ein «allfälliger Reputationsschaden des öffentlichen Organs» stelle kein öffentliches Interesse an der Geheimhaltung dar, wie es im Entscheid des Regierungsrats heisst.

Weil dieser Entscheid inzwischen auf der Homepage des Kantons eingesehen werden kann, kam damit auch die ganze Vorgeschichte ans Licht. So hat der Werren-Bericht die Auftragsvergabe und die Vertragsverhältnisse insbesondere mit einem bestimmten Unternehmen untersucht.

Dieses habe fast ausschliesslich vom ehemaligen Mitarbeiter Aufträge erhalten, «deren Betrag die finanziellen Kompetenzen des Rekurrenten (zum Teil markant) überschritten», heisst es im Entscheid der Regierung. Ausserdem ging es um die Rechnungskontrolle des Hochbauamts, die Betriebskultur, Führungsqualitäten der Vorgesetzten sowie Leistungen und Verhalten des entlassenen Mitarbeiters.

Schliesslich gibt das Werren-Gutachten Empfehlungen, mit welchen Massnahmen eine engmaschige Kosten- und Qualitätskontrolle sowie eine Verbesserung der Führungskultur im Hochbauamt erreicht werden könnten.

«Nicht auf gesamtes Amt schliessen»

Das Gutachten enthalte Thesen und Sachverhalte, die im Laufe des Strafverfahrens vertieft abgeklärt werden, erklärte Bonderer auf Nachfrage gegenüber der Nachrichtenagentur sda. Der Gutachter habe mit rund zehn Personen gesprochen und daher könnte man daraus nicht auf ein ganzes Amt mit mehreren hundert Leuten schliessen.

Ausserdem stamme der Bericht aus dem Jahr 2009. Die Vorschläge aus dem Gutachten wurden intern weiter ausgearbeitet. Inzwischen habe es im Hochbauamt zahlreiche Weiterbildungen für die Mitarbeitenden gegeben und man habe in das Projektcontrolling investiert. Auch eine Ressortleitung sei neu besetzt worden. Ziel sei es, aus den gemachten Fehlern zu lernen.