Medizin

Zunehmende Gewalt gegen Personal: Kantonsspital Winterthur baut Sicherheitsdienst aus

Ärzte und das Pflegepersonal werden immer häufiger mit aggressiven Patienten und Angehörigen konfrontiert. (Symbolbild)

Ärzte und das Pflegepersonal werden immer häufiger mit aggressiven Patienten und Angehörigen konfrontiert. (Symbolbild)

Spitalpersonal wird immer häufiger von aggressiven Patienten und Angehörigen bedroht oder angegriffen. Das Kantonsspital Winterthur baut aus diesem Grund nun den Sicherheitsdienst aus. Auch andere Spitäler kennen das Problem.

Das Kantonsspital Winterthur (KSW) hat vermehrt mit aggressiven Patienten und Angehörigen zu tun. Am stärksten betroffen sei die Notfallstation, mitunter komme es aber auch auf anderen Stationen zu heiklen Situationen, wie Sprecher André Haas zur "NZZ" sagt. Grund dafür seien häufig Drogen oder Alkohol, aber auch besondere Stresssituationen wie Besuchsverbote könnten Gewalt auslösen.

Als Reaktion auf die Vorfälle baut das KSW nun den Sicherheitsdienst aus. Derzeit läuft eine entsprechende Ausschreibung. Man will auch in der Nacht Sicherheitskräfte vor Ort haben, da dann weniger Personal anwesend ist. Diese sollen bei Bedarf deeskalierend einschreiten.

Bekanntes Problem

Auch andere Spitäler kennen das Gewaltproblem. Im Stadtspital Triemli kam es im Jahr 2017 zu rund 70 Vorfällen. In den Jahren zuvor waren es noch je 40. Gemäss Sprecher Christian Brogli handle es sich dabei in den meisten Fällen um Drohungen, seltener um Handgreiflichkeiten. Im Spital Limmattal sei ebenfalls ein Anstieg von verbalen Aggressionen spürbar, wie der Kommunikationsverantwortliche Reinhard Vogel auf Anfrage sagt.

Im Universitätsspital Zürich (USZ) nehmen die Angriffe sowohl auf der Notfallstation als auch auf den Pflegeabteilungen ebenfalls zu. Dabei seien gerade im Notfall häufig Drogen im Spiel. Vor besonderen Anlässen wie der Street Parade wird das Sicherheitspersonal deshalb zusätzlich aufgestockt.

Umgang mit Aggressionen wird geschult

In den meisten Fällen reicht es schon, wenn die Angestellten das Gespräch mit aggressiven Patienten und Angehörigen suchen. Zudem setze man auch Medikamente ein, so Triemli-Sprecher Brogli. "Unter Umständen bleibt aber nichts anderes übrig, als den Patienten, unter Einhaltung von klar definierten Vorgaben, zu fixieren", wie er zur "NZZ" sagt. Dies finde jedoch ausschliesslich auf ärztliche Verordnung statt. In gravierenden Fällen wird der Sicherheitsdienst oder gar die Polizei eingeschaltet.

Im Spital Limmattal versuche man ebenfalls zuerst, den Konflikt im Gespräch zu beruhigen. An bestimmten, sicherheitsrelevanten Orten sei man zudem mit einem Bedrohungsalarm ausgerüstet. "Zu bestimmten Zeiten patrouilliert eine externe Sicherheitsfirma. Zusätzlich verfügen wir über eine Sicherheitsgruppe, die aus verschiedenen Spitalangestellten besteht."

Der Umgang mit Aggressionen ist fester Bestandteil des Nachdiplomstudiums Notfallpflege. Dadurch soll verhindert werden, dass die Situationen überhaupt eskalieren. Sowohl im Triemli als auch im KSW und im Spital Limmattal werden regelmässig Schulungen in Deeskalation durchgeführt. Das USZ verfügt zudem über ein eigenes Bedrohungsmanagement. Heikle Situationen sollen so frühzeitig erkannt und behoben werden. (msa)

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