Zürich
Zukunftsweisend: ETH-Forscher spazieren in virtuellen Räumen herum

An der ETH Zürich wird getestet, wie zu Fuss in einem echten Raum virtuelle Umgebungen erkundet werden können. Mittels Markern und einem Positionsmessgerät, visualisiert ein am Kopf getragenes Display die Bewegung im virtuellen Raum.

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ETH Zürich testet neue Technologie, die das echte Gehen in virtuellen Räumen per Head-Display ermöglicht.
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Dabei spaziert er echt in einem echten Kellerraum.
An der Decke kleben die Positionsmarker, mit denen seine Position im (virtuellen) Raum berechnet werden kann.
Die Ausrüstung ist hochspezialisiert.
Im «Head-Mounted-Display» (HDM), ist der virtuelle Raum zu sehen. In Zukunft könnten dabei Wohnungsentwürfe oder Verkehrs-Umgebungen per echtem Rundgang sichtbar sein.

ETH Zürich testet neue Technologie, die das echte Gehen in virtuellen Räumen per Head-Display ermöglicht.

Peter Rüegg / ETH Zürich

Bisher konnte man nur via Computerbildschirm in virtuelle Welten eintauchen. Mit einem Headset-Display und einer Software können ETH-Forscher nun mit echten Bewegungen in virtuellen Räumen herumspazieren. Damit könnten etwa Architekten künftig ihre Entwürfe buchstäblich "begehen".

Von Flugsimulatoren oder Computerspielen wie "Sims" sind virtuelle Umgebungen längst bekannt. Einige Systeme vermitteln auch durch sogenannte Tretmühlen ein beinahe echtes Gehgefühl. Die Technik des ETH-Doktoranden Andreas Kunz kombiniert jedoch das virtuelle mit dem realen Gehen, wie die ETH Zürich am Mittwoch mitteilte.

Mit dieser Technik kann man in einem echten Raum herumgehen und dabei eine beliebige virtuelle Umgebung realitätsnah erkunden - zum Beispiel ein Landgut in Italien. Dies geht sogar, wenn der virtuelle Raum grösser ist als der echte. Dazu braucht es ein Display vor den Augen, das am Kopf befestigt ist.

In einem sieben auf zwölf Meter grossen Keller der ETH haben die Forscher pro Quadratmeter drei Zettel mit Positionsmarkierungen an die Decke geklebt. An diesen erkennt ein Positionsmessgerät im Headset die Position des Anwenders. Es registriert auch seine Kopfbewegungen.

Umleitung an der Wand

Die Kopfbewegungen werden in Echtzeit an das Display übermittelt. Der Mensch sieht dann sofort die neue Ansicht des virtuellen Raums. Mit einigen Tricks ist es möglich, auch grössere Räume als das echte Zimmer zu erkunden, ohne dass der Anwender an die Wand prallt.

So errechnet das System die Laufwege, die der Anwender zurücklegen müsste und passt sie entsprechend an. Dann kann es sein, dass der Anwender im virtuellen Raum um eine 90-Grad-Ecke biegt, in der Realität aber nur um 70 Grad dreht. Dies wird "Redirektion" genannt.

Zum Beispiel für Architekten interessant

Das System könnte für Architekten interessant sein, um ihre Entwürfe virtuell zu begehen, schrieb die ETH. Auch erste Industriefirmen hätten Interesse gezeigt, da sich damit geplante Produktionslinien oder Fertigungsstrassen virtuell testen liessen, ehe sie gebaut werden.

Hier finden sie weitere Informationen zum Projekt.