Rheinau
Zufällig entdeckt: Illegaler Aushub zerstört ärchäologische Fundstelle

Das Restaurant Augarten liegt an einem historischen Ort von nationaler Bedeutung. Beim Ausbau wurde nun ein Stück dieser Geschichte zerstört.

Markus Brupbacher
Merken
Drucken
Teilen
Über 800 Jahre alte Spuren wurden einfach so zerstört: Die Baugrube in Rheinau. ZVG

Über 800 Jahre alte Spuren wurden einfach so zerstört: Die Baugrube in Rheinau. ZVG

Rheinau ist historisch, besonders im Klosterbezirk, wo das Restaurant Augarten steht. Es wurde nach einer Sanierung und Erweiterung Anfang Jahr neu eröffnet.

Zuvor kam es bei den Bauarbeiten nicht nur zu einer mehrmonatigen Verzögerung, sondern auch zu Unregelmässigkeiten. So erfolgte der Aushub einer Baugrube unter dem Neubau «unter Verstoss gegen Auflagen respektive ohne Bewilligung», sagt Markus Pfanner, Sprecher der Zürcher Baudirektion. Ein Mitarbeiter des Kantons habe den Aushub zufälligerweise bemerkt und der Gemeinde Rheinau gemeldet.

Illegal eine Unterkellerung erstellt

Laut Kanton erfolgten der Abbruch der Liegenschaft Augarten und der nicht bewilligte Aushub der rund 385 Quadratmeter grossen Baugrube direkt daneben im Herbst 2015. «Bewilligt waren der Umbau der Liegenschaft, zwei neue Abgänge zu bestehenden Kellern und die Erstellung eines nicht unterkellerten Anbaus», so Pfanner. Dieser Anbau, der widerrechtlich unterkellert wurde, ist eine Art Scheune mit Tischen und Stühlen für rund 90 Augarten-Gäste. Das bewilligte Projekt hätte bloss kleine Bodeneingriffe und damit eine minimale Zerstörung der archäologischen Fundstelle zur Folge gehabt. Das war auch der Grund, weshalb die Kantonsarchäologie guten Glaubens auf vorgängige Untersuchungen und auf eine Baubegleitung verzichtet hatte.

Die Abtei wurde im Jahre 778 gegründet

Auf der Klosterinsel Rheinau, in Nachbarschaft zu Christoph Blochers Musikinsel, wird derzeit ein historisches Museum geplant. Das Kloster Rheinau, eine Benediktinerabtei, wurde im Jahr 778 gegründet und 1862 aufgehoben. Fünf Jahre später wurde in den ehemaligen Klostergebäuden auf der Insel im Rhein eine psychiatrische Klinik untergebracht, die im Jahr 2000 geschlossen wurde. Seither befindet sich diese kantonale Klinik vollständig in Neu-Rheinau.

Die markante Klosterkirche mit ihren zwei Türmen wurde im 18. Jahrhundert im barocken Stil erbaut. Nach Aufhebung der Abtei wurde das Archiv des Klosters ins Staatsarchiv des Kantons überführt. Nach der Schliessung der Psychiatrie auf der Klosterinsel 2000 standen Räumlichkeiten von rund 5000 Quadratmetern Fläche während vieler Jahre leer. Mit der Musikinsel wurde die Insel wiederbelebt. (mab)

Man könne nur abschätzen, was beim Aushub der Baugrube zerstört worden sei, sagt Pfanner. Reste in der Wand der Grube und Untersuchungen im Umfeld gäben aber Hinweise – so etwa Teile von Mauern, Spuren von Gebäuden, Schächte, Sodbrunnen, Latrinen und Fragmente von Keramik. Diese Überreste gehen bis ins 12. Jahrhundert zurück. «In diesem Areal befand sich damals ein Siedlungsteil, der zum Kloster gehörte und in seinen Anfängen bis ins 8. Jahrhundert zurückgehen könnte.» Über die bauliche Entwicklung im Mittelalter sei bisher nur sehr wenig bekannt. Schriftliche Quellen seien spärlich. «Umso bedauerlicher ist diese Zerstörung», so Pfanner. Bei Rheinau handelt es sich um eine erstrangige archäologische Fundstelle von nationaler Bedeutung.

Von der Anzeige beim Statthalteramt Andelfingen weiss der Unternehmer und Bauherr Lukas Riedo nichts. «Rheinau ist ein hochinteressantes archäologisches Gebiet, bei dem Abklärungen für das Verstehen unserer Geschichte unerlässlich sind», schreibt er auf Anfrage. Dass die Abklärungen respektive Ausgrabungen des Sodbrunnens das Fertigstellen des Daches vor Wintereinbruch verhindert hätten, «war Pech». Er freue sich jedoch sehr, dass der Augarten bei der Bevölkerung gut ankomme. Mit der Arbeit der Behörden sei er sehr zufrieden, und er freue sich, mit ihnen im Augarten «einen Kaffee zu trinken».