Punkt 18 Uhr hat am Donnerstag in Zürich die Vorweihnachtszeit begonnen: Die Weihnachtsbeleuchtung «Lucy» erstrahlt nun wieder über der Bahnhofstrasse, auch die anderen Weihnachtsbeleuchtungen in der Innenstadt wurden eingeschaltet.

Und auf dem Sechseläutenplatz eröffnete eineinhalb Stunden vorher Zürichs neuste Vorweihnachts-Attraktion: das Zürcher Wienachtsdorf.

Es wartet mit rund 100 Verkaufsständen, Streichelzoo, Eisbahn, einer Märchenerzählerin und diversen weiteren Attraktionen auf. Gleichzeitig begannen die Weihnachtsmärkte auf dem Werdmühleplatz und im Hauptbahnhof.

Welche Rolle spielen solche Angebote eigentlich für den Tourismus? «Die Weihnachtszeit ist ein Treiber für den Tourismus», sagt Ueli Heer, Mediensprecher von Zürich Tourismus.

Tagestouristen seien für die Stadt sehr wichtig. Daher hätten Weihnachtsspektakel und -märkte touristisch grosse Bedeutung. Allerdings räumt Heer ein: «Im Vergleich zu anderen Städten, etwa in Deutschland, hinken wir diesbezüglich noch etwas hinterher. Doch wir sind im Kommen.»

Ein Blick in die Statistik verrät: Die Herbstsaison ist für den Tourismus im Raum Zürich bislang deutlich einträglicher als die Vorweihnachtszeit – wohl nicht zuletzt wetterbedingt.

So wurden im Raum Zürich im September letzten Jahres 378 000 Logiernächte gezählt, während es im November und Dezember jeweils rund 310 000 waren.

Der Grossteil der Gäste bleibt laut Heer für ein bis zwei Tage, im Durchschnitt seien es genau 1,7 Nächte.

Aktion für italienische Touristen
Der Weihnachtstourismus soll nun weiter angekurbelt werden: «Wir bearbeiten unsere Märkte für Weihnachten in Zürich», so Zürich-Tourismus-Sprecher Heer weiter.

Dazu gehören Angebote wie Zürich-Reisen per Bahn für 29 Franken ab Mailand. Ähnliche Aktionen gebe es für Zürich-Reisen aus Grossbritannien.

Wie gross die Nachfrage nach solchen Angeboten sei, lasse sich allerdings noch nicht sagen. Wie viele Leute eigens wegen vorweihnachtlicher Attraktionen nach Zürich kommen, weiss auch Marianne Dobler-Müller nicht.

Doch die Geschäftsleiterin des Verbands Zürcher Hoteliers ist überzeugt: «Solche Angebote steigern die Attraktivität. Wir freuen uns sehr darüber. Ein weihnachtliches Ambiente hilft, damit wir mehr Gäste haben.»

Es sei vielleicht nicht ausschlaggebend bei der Frage, wohin eine Städtereise gehen soll, unterstütze aber den Entscheid zugunsten von Zürich. «Für uns sind alle touristischen Anstrengungen wichtig», so Dobler-Müller.

Premiere mit rockigen Klängen
Ein zentraler grosser Weihnachtsmarkt unter freiem Himmel fehlte bislang in Zürich. Das Wienachtsdorf auf dem Sechseläutenplatz füllt diese Lücke nun. Der Stadtrat erliess dafür und für den ab nächstem Jahr auf dem Münsterhof geplanten Weihnachtsmarkt eigens neue Richtlinien.

Sie sollen auch für die älteren Zürcher Weihnachtsmärkte im Niederdorf, Rosenhof und auf dem Werdmühleplatz, wo im «Singing Christmas Tree» Chöre auftreten, als Empfehlung gelten. Die Idee dahinter: Man soll zur Weihnachtszeit von Markt zu Markt durch die ganze Innenstadt flanieren können.

Die Premiere auf dem Sechseläutenplatz zeigte: Das Wienachtsdorf ist bereits ein Publikumsmagnet: Schon kurz nach der Eröffnung der Stände ist der Platz stark belebt. Hunderte schlendern durch die zwischen Holzhütten entstandenen Gassen.

Viele der Verkäufer bieten Produkte aus recyklierten Materialien an, etwa Windlichter aus kunstvoll geformten Konservendosen oder Handtaschen aus Pneus. Upcycling lautet das Motto, dass die Veranstalterinnen Katja Weber und Vania Kukleta dem Markt verschrieben haben.

Im Bündnerdorf, das während der ersten Woche einen Teil des Platzes prägt, gibts auch handgemachte Skier und Schlitten.

Auch, dass das Wienachtsdorf nicht nur ein Ort des Weihnachtsshoppings sein soll, wird schnell sicht- und hörbar: Am Eröffnungsabend sorgt die Band «The Black Barons» mit rockigen Klängen dafür, dass manche das Tanzbein schwingen.

Und wer sich kulinarisch verpflegen will, findet ein erfreulich vielfältiges Angebot vor.