Asylsuchende

Zürichs Bundesasylzentrum soll auch ein Begegnungsort werden

Das Bundesasylzentrum auf dem Duttweilerareal in Zürich-West ist fertig.

Das Bundesasylzentrum auf dem Duttweilerareal in Zürich-West ist fertig.

In wenigen Tagen ziehen die ersten Asylsuchenden in das Bundesasylzentrum in Zürich-West ein. Es wurde für schnellere Verfahren gebaut, soll aber auch dem Austausch zwischen Asylsuchenden und der Zivilgesellschaft dienen.

Pastellfarben sollen ja beruhigend wirken. Sie prägen denn auch das Erscheinungsbild des neuerstellten Bundesasylzentrums auf dem Duttweiler-Areal gleich neben der Zürcher Hochschule der Künste. Der Wellblechbau sorgte im Laufe seiner mehrjährigen Entstehungsgeschichte wiederholt für Aufregung: Anwohner störten sich daran, dass mitten im Boomquartier Zürich-West eine Asylunterkunft entstehen sollte. Ihre präventive Lärmklage lehnte das Verwaltungsgericht jedoch ab. Im Zürcher Gemeinderat wiederum sorgten sich linke Parlamentarier um eine menschenwürdige Unterbringung. Der Stadtrat versprach, dafür zu sorgen.

Nun steht das vom Bund zusammen mit der Stadt geplante Bundesasylzentrum (BAZ) bereit zum Bezug. «Die Asylsuchenden werden Ende Oktober, Anfang November im BAZ einziehen», sagte eine Sprecherin des Stadtzürcher Sozialdepartements gestern auf Anfrage. Sicherheitspersonal schiebt im Haupteingang bereits Wache, wie ein Augenschein ergab.

Das BAZ soll durch straffe Verfahrensführung und kurze Amtswege dazu beitragen, beschleunigte Asylverfahren durchzuziehen. Die maximale Aufenthaltsdauer ist auf 140 Tage angelegt. Die zuständigen Behörden sowie Rechtsberater sind deshalb teils im gleichen Gebäude, teils in einem Gebäude an der nahe gelegenen Förrlibuckstrasse untergebracht.

Weniger Plätze als geplant

Eine menschenwürdige Unterbringung sei durch die Übertragung der Betreuungsdienste an die Asylorganisation Zürich und die Vorgaben des Staatssekretariats für Migration gewährleistet, hielt die Sozialdepartements-Sprecherin weiter fest. So würden beispielsweise die Schulkinder, die schon bald vorübergehend im BAZ leben, in Aufnahmeklassen in öffentlichen Schulen zur Schule gehen können. Die Asylsuchenden wiederum würden aktiv in die Tagesstruktur des BAZ einbezogen, zum Beispiel durch Hausarbeit, freiwillige Bildungs- und Freizeitangebote wie Deutschkurse und Spiele.

Zudem steht ein Begegnungsraum im vorderen Teil des BAZ bereit, der den Austausch mit der Quartierbevölkerung ermöglicht. Betrieben wird er von der Stiftung Zürcher Gemeinschaftszentren. Ein Blick durchs Fenster zeigt eine Sitzecke mit Kochgelegenheit vor Pressholzwänden und Blechschränken. Wer sich für Begegnungen mit den Bewohnern und Bewohnerinnen des BAZ interessiere, solle sich beim Gemeinschaftszentrum Wipkingen melden, verkündet ein Plakat am Fenster. Maximal sechs Personen teilen sich ein Zimmer in dem dreistöckigen Modulbau mit Innenhof.

Der Termin für den offiziellen Eröffnungsanlass steht noch nicht fest – «wegen der Terminfindung zwischen Bund, Kanton und Stadt», wie ein Sprecher des Staatssekretariats für Migration (Sem) gestern auf Anfrage mitteilte.

Fest steht: Das BAZ wird vorerst weniger Asylsuchenden Obdach bieten als ursprünglich geplant. Gründe sind die gegenwärtig tiefe Zahl der Asylgesuche in der Schweiz und Sparbemühungen des Bundes. Statt 360 Plätzen betreibt dieser daher im BAZ bis auf weiteres nur 216, wie der Sem-Sprecher einen Bericht des «Tages-Anzeigers» bestätigte. Bei Bedarf könnten aber die nicht betriebenen Plätze innert vier bis zwölf Wochen aktiviert werden.

Für den Bau des Bundesasylzentrums hatte das Stadtzürcher Stimmvolk vor zwei Jahren einen Kredit von 24,5 Millionen Franken bewilligt. Der Ja-Stimmenanteil betrug 70,4 Prozent.

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