Zürich

Zürichs Bevölkerung ist zufrieden – ausser mit Verkehr und Mieten

Die Bevölkerungsbefragung 2019 ergibt ein vielfältiges Bild der aktuellen Stimmung in Zürich.

Die Bevölkerungsbefragung 2019 ergibt ein vielfältiges Bild der aktuellen Stimmung in Zürich.

In der zehnten Bevölkerungsbefragung wurde erstmals auch nach Belästigungen und Online-Shopping gefragt.

Die Stadt Zürich ist in den letzten 20 Jahren um rund 70'000 Personen auf über 430'000 Einwohner gewachsen. Im gleichen Zeitraum führte die Stadt insgesamt zehn Bevölkerungsbefragungen durch. Die Ergebnisse der neusten Befragung wurden gestern veröffentlicht. Sie zeigen: 98 Prozent der Befragten leben gerne in Zürich, drei Viertel sogar sehr gerne.

Wie repräsentativ ist das? An der Befragung nahmen gut 5000 Personen teil, gewichtet nach Alter, Geschlecht, Quartier und Herkunft. Die Ergebnisse liessen sich auf die gesamte Wohnbevölkerung Zürichs hochrechnen, schreiben die Verfasser der von der Stadt mehrsprachig durchgeführten Studie.

Nicht erfasst sind Leute, die aus Zürich weggezogen sind, etwa, weil ihnen die Mieten zu teuer wurden. Die Auswechslungsquote der Stadtzürcher Bevölkerung ist hoch, wie Anna Schindler, Direktorin von Stadtentwicklung Zürich, gestern vor den Medien sagte: «Zehn Prozent kommen und zehn Prozent gehen pro Jahr.»

Die Zufriedenheit mit der Wohnsituation ist gesunken

Das Thema Wohnen zählt laut der Studie einmal mehr zu den Hauptproblemen der Stadt. Zwar sind drei Viertel der Befragten zufrieden mit ihrer Wohnung und Wohnumgebung. Aber 70 Prozent erteilen dem Wohnungsangebot in der Stadt eine ungenügende Note. Und: Die Zufriedenheit mit der unmittelbaren Wohnumgebung lag 2019 und 2015 deutlich tiefer als in den früheren Bevölkerungsbefragungen. In der Studie wird dies mit einem Methodenwechsel erklärt: Bis 2015 wurden die Befragungen telefonisch durchgeführt, seither schriftlich. Und in Telefongesprächen verhalte man sich höflicher als bei Online-Befragungen.

Doch einiges spricht dafür, dass die gewachsene Unzufriedenheit mit dem Zürcher Wohnungsmarkt auch andere Gründe hat: So lag die Wohnungs-Leerstandsquote im Juni 2019 auf einem historischen Tief von 0,014 Prozent, wie es in der Studie heisst. Die Nachfrage übersteige das Angebot unverändert, vor allem bei den preisgünstigen Wohnungen.

Zwar hat die Stadt sich per Volksabstimmung 2011 das Ziel gesetzt, bis 2050 den Anteil gemeinnütziger Wohnungen in Zürich von einem Viertel auf einen Drittel zu steigern. «Doch das ist eine grosse Herausforderung», sagte Stadtpräsidentin Corine Mauch (SP) an der gestrigen Medienkonferenz. Zumal die Bautätigkeit auch auf dem gewinnorientierten Wohnungsmarkt sehr hoch sei und die Grundstücke allmählich knapp würden. Aktuell seien 1000 gemeinnützige Wohnungen in Planung oder im Bau. Und der Anteil gemeinnütziger Wohnungen lag 2015, je nach Zählweise, bei 26,8 respektive 29,3 Prozent. Aktuellere Zahlen werde der Stadtrat nächstes Jahr vorlegen, hiess es auf Nachfrage.

Neben dem Wohnen wird der Verkehr laut der Befragung als eines der beiden grössten Probleme Zürichs gesehen. Zwar sind 80 Prozent der Benützer öffentlicher Verkehrsmittel mit der Situation zufrieden. Aber 40 Prozent der Autofahrenden und 45 Prozent der Velofahrenden sind unzufrieden. «Um die Themen Individualverkehr und preisgünstiges Wohnen werden wir uns weiterhin besonders kümmern», folgerte Mauch.

Jede dritte junge Frau innert einem Jahr belästigt

Zwei Themen wurden in der Bevölkerungsbefragung 2019 erstmals erfragt: Belästigungen und Online-Einkäufe. Dabei zeigte sich: Von den befragten 18- bis 29-jährigen Frauen erlebten 33 Prozent in den vergangenen zwölf Monaten Belästigungen ausserhalb der eigenen vier Wände und zwar vor allem auf offener Strasse sowie in Bars, Clubs, Restaurants, Trams und Bussen sowie an Bahnhöfen. Bei den Männern dieser Altersklasse wurden im gleichen Zeitraum 23 Prozent belästigt. Über alle Altersklassen hinweg erlebten 17 Prozent der Befragten in den letzten zwölf Monaten Belästigungen aller Art.

Das Sicherheitsgefühl der Stadtzürcher Bevölkerung ist allerdings seit 1999 kontinuierlich gestiegen. Damals gaben 57 Prozent an, sie würden sich sicher fühlen, wenn sie nachts alleine im eigenen Quartier zu Fuss unterwegs sind. Aktuell sind es 88 Prozent.

Zum Thema Einkaufen ergab die Zürcher Bevölkerungsbefragung 2019: Noch kaufen die Leute öfter im Laden ein als im Internet. Vor allem für Artikel des täglichen Bedarfs suchen sie primär Geschäfte im eigenen Wohnquartier auf. Auch Schuhe, Kleider und Bücher werden mehrheitlich in Läden gekauft und zwar eher in der Innenstadt. Wobei die Zahl der Online-Käufe sich bei diesen Produkten jener der Ladenkäufe annähert. Für Möbelkäufe sucht die Mehrheit der Zürcherinnen und Zürcher Möbelhäuser ausserhalb der Stadt auf.

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