In Zürich gibt es viel, doch was fehlt ist eine Design Biennale. Dieser Auffassung sind die Kuratoren Fabienne Barras, Andreas Saxer und Gabriela Chicherio. Deshalb lancieren sie in der Limmatstadt vom 7. bis 10. September zum ersten Mal die Design Biennale Zürich, die fortan alle zwei Jahre stattfinden soll.

Als Verein Freundeskreis Design kuratiert das Dreierteam zusammen mit zwei Grafikern, zwei Kulturwissenschaftlerinnen und einem Logistiker die geplante Ausstellung. Diese findet an fünf unterschiedlichen Standorten statt, angefangen beim Hochhaus Bastei, im Alten Botanischen Garten, der SBB-Werkstätte, auf dem Toni-Areal und im Landesmuseum.

Unter dem Motto «Hello Future» stellen unterschiedliche Partner aus der Schweiz ihre Projekte aus den Bereichen digitale Fabrikation, experimentelle Prozesse sowie Produktentwürfe aus der Zukunft vor. Dabei wollen die Kuratoren «Design als Denkdisziplin» dem Publikum näher bringen. «In der Designbranche geht es immer darum auszuprobieren, Erkenntnisse zu gewinnen, Prototypen zu entwickeln und nach weiteren Alternativen zu suchen», sagt Gabriela Chicherio, Kuratorin der Design Biennale Zürich.

Zürich ist eine Kreativmetropole

Dass sich die Kuratoren Zürich als Ausstellungsort ausgesucht haben, ist ebenfalls kein Zufall. «Die Limmatstadt ist die Kreativmetropole der Schweiz», so Chicherio. Gerade deshalb braucht es laut der Produktdesignerin in Zürich ein solches Ausstellungsformat: «Wir wollen über unser Berufsfeld aufklären und aufzeigen, was während des Designprozesses passiert», so Chicherio.

So führt beispielsweise das Institut of Digital Fabrication des Departements für Architektur der ETH Zürich vor, wie ein Roboter aus mehr als 4000 Einzelteilen einen Pavillon vorfabriziert und zugleich abfallsparend zusammenbaut. Zum Hintergrund des Projektes sagt Chicherio: «Wir wollen damit auf die Vorteile der Design-Forschung und die damit verbundenen Chancen hinweisen. Material- und Abfallfragen sind dabei zentral.»

Experimentelles präsentiert die Designagentur Studio Ilio, welches aus den Pulverresten eines 3D-Drucks den Besuchern vor Ort zeigt, wie daraus ein steinartiges Material entwickelt werden kann. In der Werkstatt der Agentur können Besucher diesen Prozess beobachten oder gar selber Hand anlegen.

In dem er die Besucher hinter die Kulissen von fertig produziertem Design blicken lässt, hebt sich der Verein Freundeskreis von den bereits etablierten Ausstellungen Blickfang und Design Days ab. «Ein Teilaspekt von Design ist immer kommerziell. Nur ist das nicht unser Fokus», erklärt Chicherio. Deshalb werden an der Design Biennale keine Produkte verkauft –, abgesehen von den Eintritten.

Öffentlichkeit als Gestaltungsort

Die Ausstellung findet parallel an fünf Standorten in Zürich statt. Einerseits, weil die vorgestellten Projekte ortsgebunden und in Bezug zur Umgebung stehen. Andererseits sollen sich die Besucher zwischen den Orten bewegen und damit auch weniger bekannte Ecken von Zürich kennenlernen. Damit die Fusswege für den Besucher zu einem besonderen Erlebnis werden, planen die Kuratoren diese mit Hinweisen zu Designgegenständen, die sich im öffentlichen Raum befinden, zu versehen.

«Wir wollen darauf aufmerksam machen, dass im öffentlichen Raum sehr viel gestaltet wird und zugleich erklären warum», sagt Chicherio über die Idee: und nennt als Beispiel öffentliche Abfalleimer. «Ihre Form, die Wahl des Materials wie auch ihre Verankerung an Boden oder Hauswänden ist das Ergebnis eines Denkprozesses», so Chicherio.

Unterstützt wird die Design Biennale Zürich neben öffentlichen Institutionen und städtischen Behörden auch von der kantonalen Standortförderung. Zudem endete Mitte Mai eine Sammelaktion auf der Crowdfunding-Plattform Wemakeit. Die Spender erhalten als Dankeschön einen Eintritt für die Ausstellung im Herbst. Mit dem Obolus kann der Verein den Druck von Broschüren, Hinweisschildern und den Transport der Designobjekte zwischen den Standorten vorfinanzieren.

Die kantonale Standortförderung begrüsst das Projekt, weil es Akteure verschiedener Branchen einbindet. Anita Martinecz Fehér, stellvertretende Leiterin Standortförderung im Amt für Wirtschaft und Arbeit, sagt: «Mit der Design Biennale Zürich wird sichtbar, wie stark der Lebens- und Wirtschaftsraum Zürich am Puls der Zeit ist. Ebenso wichtig ist, dass die Biennale Design als zukunftsweisende Forschungsdisziplin und Wirtschaftsfaktor erfassbar macht.»

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