Kunst

Zürich vermisst einen Le Corbusier – und 5175 weitere Kunstwerke

Das ehemalige Wahrzeichen des Escher-Wyss-Platzes, die orange Wasserplastik «Sirius» von Annemie Fontana, ist seit 22. Oktober 2012 in der Tramwendeschlaufe Messe/Hallenstadion aufgebaut.

Noch da

Das ehemalige Wahrzeichen des Escher-Wyss-Platzes, die orange Wasserplastik «Sirius» von Annemie Fontana, ist seit 22. Oktober 2012 in der Tramwendeschlaufe Messe/Hallenstadion aufgebaut.

Die Stadt Zürich hat ihre Kunstsammlung inventarisiert: Rund 35000 Kunstwerke befinden sich in Schulhäusern, Büros, Spitälern oder im Depot. Ihr Wert beträgt gut 121 Millionen Franken. 5176 Werke sind jedoch unauffindbar, darunter ein Le Corbusier.

Es war das erste Mal in der hundertjährigen Geschichte der städtischen Kunstsammlung, dass eine derartige Standortkontrolle durchgeführt wurde, wie es in der Mitteilung des Hochbaudepartements vom Montag heisst. Während zwei Jahren wurden an 500 Standorten rund 30'000 Werke kontrolliert. Ihr Wert beträgt gut 121 Millionen Franken.

9340 Kunstwerke, deren Standort zuvor unbekannt war, konnten durch die Kontrolle lokalisiert werden. Damit habe sich die Zahl der standortlosen Werke auf 4141 reduziert, schreibt das Hochbaudepartement. Dazu kommen 1035 Kunstwerke, von denen man nicht weiss, wo sie sein könnten. Somit werden 5176 Werke vermisst. Diese hofft die Stadt Zürich durch weitere Kontrollen wiederzufinden.

Keine Spur von «Le Corbusier»

«Die Sammlung ist unterwegs», sagte Urs Spinner, Sprecher des Hochbaudepartements, auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda. «Verluste müssen in Kauf genommen werden.» Man sei aber auf einem viel besseren Stand als vor zwei Jahren. Ausser einem in den 1990er Jahren verschwundenen Bild von Le Corbusier hat keines der unauffindbaren Bilder einen besonders hohen Wert.

Wie das Ölbild «La Bouteille» verloren gehen konnte, weiss man bis heute nicht. Das Bild hatte die Stadt 1964 für 80'000 Franken erworben; unterdessen dürfte es ein Mehrfaches wert sein. Zunächst hing das Werk im Triemlispital, dann in einem Sitzungszimmer. In den 1990er Jahren wurde es ins Untergeschoss verfrachtet, wo sich seine Spur verliert.

Die Zahl der vermissten Werke sei vorläufig, heisst es beim Hochbaudepartement. Durch die fortlaufenden Kontrollen und Recherchen würden weitere Werke wiedergefunden. Zukünftig sollen pro Jahr die Standorte eines Departements kontrolliert werden, um die Datenbank à jour zu halten.

Verkauf von Druckgrafiken

Zudem möchte Hochbauvorsteher André Odermatt (SP) den Bestand der Sammlung verringern. Ein Teil der Druckgrafiken, die oft in mehrfacher Ausführung vorhanden sind, sollen der Bevölkerung zum Kauf angeboten werden. Welche das sind und zu welchem Preis, ist gemäss Spinner noch offen. Rund 21'000 der 35'000 inventarisierten Werke sind Druckgrafiken.

Die Stadt hatte 2007 festgehalten, dass die Qualität der Bewirtschaftung der wertvollen Sammlung äusserst ungenügend sei, weil zu wenig Ressourcen zur Verfügung standen.

Gemäss Spinner war damals eine einzige Person mit der ganzen Sache betraut. So waren die Standorte vieler Werke unbekannt, die Bilder wurden teilweise unsachgemäss gelagert oder sie wurden bei einem Umzug einfach mitgezügelt. Mit der Inventarisierung habe nun eine Professionalisierung stattgefunden.

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