Seit dem vergangenen November verzichtet die Stadt Zürich auf die Nennung von Nationalitäten in Polizeimeldungen. Sicherheitsvorstand Richard Wolff (AL) setzte damit ein vom Stadtparlament überwiesenes Postulat um.

Mit der Nennung der Nationalität werde suggeriert, dass sich die Tat damit erklären lasse. Dies verdecke die eigentlichen Ursachen wie beispielsweise Armut, tiefes Bildungsniveau oder Drogensucht, argumentierte der Stadtrat. SVP, FDP und CVP unterstützten das Postulat nicht.

"Öffentliches Interesse"

Die kantonale SVP warf der Stadt vor, sie betreibe "Zensurpolititk" und lancierte Anfang des Jahres die Initiative "bei Polizeimeldungen sind die Nationalitäten anzugeben".

Verlangt wird eine Ergänzung im Polizeigesetz, die festhält, dass die Polizei die Öffentlichkeit "in transparenter Weise" über Straftaten informiert. In Medienmitteilungen und an Medienkonferenzen soll bei Tätern, Tatverdächtigen und Opfern, Alter, Geschlecht und Nationalität bekannt gegeben werden. Auf Anfrage soll auch über einen Migrationshintergrund informiert werden.

Für die Nennung bestehe ein klares öffentliches Interesse, heisst es in einer Mitteilung der SVP. Bei einer Annahme der Volksinitiative müsste die Stadt "ihre Desinformationspraxis wieder korrigieren".

Dass es soweit kommt, davon ist die SVP überzeugt: "In der Bevölkerung herrscht grosses Unverständnis für die rot-grüne Stadt Zürich", wird Parteipräsident Konrad Langhart in der Mitteilung zitiert. Die Unterschriftensammlung habe sich deshalb zu einem Selbstläufer entwickelt - rund 9500 sind gemäss Parteiangaben zusammengekommen, 6000 wären notwendig gewesen.

Auch in anderen Kantonen ein Thema

Die Frage, ob die Nationalität eines Verdächtigen genannt werden soll oder nicht, beschäftigt auch andere Kantone. Initiativen wie in Zürich, welche die Nationalitätennennung fordern, gab es auch schon in St. Gallen und Solothurn - beide wurden entweder vom Parlament oder vom Volk gutgeheissen.

Das Berner Kantonsparlament überwies zudem im September 2016 eine Motion, welche die Nennung der Staatsangehörigkeit forderte. Die Umsetzung durch die Regierung steht aber noch aus.

Noch vor 20 Jahren war es üblich, die Staatsangehörigkeit wegzulassen. Mittlerweile empfiehlt die Konferenz der Kantonalen Polizeikommandanten wieder, die Nationalität zu nennen.