Zürich

Zürich statt Davos — WEF-Gegner laden Greta ein

Letztes Jahr machte Greta auf dem Weg ans WEF in Zürich nur kurz Zwischenstation am Hauptbahnhof.

Letztes Jahr machte Greta auf dem Weg ans WEF in Zürich nur kurz Zwischenstation am Hauptbahnhof.

Statt ans Davoser Weltwirtschaftsforum solle die prominente Klimaaktivistin ans Andere Davos in Zürich kommen.

Greta Thunberg rollt wieder an. Schon vor einem Jahr sorgte die jugendliche Klimaaktivistin aus Schweden mit ihrer Teilnahme am Davoser Weltwirtschaftsforum (WEF) für Aufsehen. In Zürich legte sie damals nur einen kurzen Zwischenhalt am Hauptbahnhof ein. Nun wollen WEF-­Gegner sie dazu bringen, ihre geplante Reise nach Davos in Zürich ganz zu stoppen: «Wir bitten dich, nicht am WEF teilzunehmen und dessen Existenz und Entscheidungen zu legitimieren. Vielmehr laden wir dich ein, am Anderen Davos teilzunehmen», schreibt die Bewegung für den Sozialismus (BFS) in einem gestern publizierten offenen Brief an Thunberg.

Die Gegenveranstaltung, das Andere Davos, findet kurz vor dem WEF am 17. und 18. Januar im Volkshaus Zürich statt. Veranstalter ist die Bewegung für den Sozialismus. Sie hat schweizweit rund 200 Mitglieder, wie ihr Sprecher Philipp Gebhardt sagt. Ob Thunberg die Einladung ans Andere Davos annimmt, ist offen. «Wir versuchen, sie direkt zu erreichen. Aber das erweist sich als nicht ganz einfach», so Gebhardt. Allein auf Facebook hat Thunberg knapp drei Millionen Anhänger. Eine Anfrage dieser Zeitung liess sie gestern unbeantwortet.

Das Andere Davos fand erstmals 1999 in Zürich statt. Nach dem Abflauen der globalisierungskritischen Bewegung Mitte der Nullerjahre wanderte die Veranstaltung zeitweise nach Basel ab. Seit 2016 tagt sie wieder jährlich in Zürich.

Letztes Jahr machte Greta auf dem Weg ans WEF in Zürich nur kurz Zwischenstation am Hauptbahnhof.

Letztes Jahr machte Greta auf dem Weg ans WEF in Zürich nur kurz Zwischenstation am Hauptbahnhof.

Statt führende Personen aus Wirtschaft und Politik zu überzeugen, sich mehr ums Klima zu kümmern, gelte es, das System zu bekämpfen, heisst es im BFS-Brief an Greta. Ein System, das eine ökologische Katastrophe verursache. «Soziale Bewegungen wie der Frauenstreik und die Klimajugend haben Alternativen aufgezeigt», sagt Gebhardt. «Wir müssen selber an unserer Emanzipation arbeiten.»

Mit Workshops und Vorträgen will das Andere Davos dazu beitragen. Hauptgäste sind zum einen Luiz Zarref, der sich in der Landlosenbewegung gegen die Zerstörung des Regenwaldes in Brasilien engagiert; zum anderen die marxistische Feministin Tithi Bhattacharya, Mitautorin des Buches «Feminismus für die 99 Prozent: Ein Manifest». Die Workshops im Volkshaus tragen unter anderem Titel wie: «Grüner Kapitalismus? Ökosozialistischer Umbau». Im Zentrum stehen die weltweiten Klimastreiks und ökosozialistische Perspektiven, heisst es im Brief an Thunberg. Gebhardt rechnet mit 1000 Teilnehmenden.

Demo am 22. Januar ist noch nicht bewilligt

Das Andere Davos ist nicht die einzige in Zürich geplante Gegenveranstaltung zum WEF: Die Jungen Grünen, die Juso und BFS rufen für den 22. Januar zu einer Demonstration in der Innenstadt auf. Motto: «Züri gäge s’WEF». Ein Sprecher der Stadtpolizei Zürich bestätigte gestern, dass ein Bewilligungsgesuch eingereicht sei. Bewilligt sei die Demo aber noch nicht. «Wir sind mit der Stadtpolizei in Verhandlung, um die genaue Route abzuklären», so die Juso-Stadt-Zürich-Co-Präsidentin Anna Luna Frauchiger gestern. «Wir fordern auf jeden Fall eine Route in der Innenstadt, um möglichst präsent zu sein.» Nachdem nun auch US-Präsident Donald Trump seine Teilnahme am WEF zugesagt hat, hofft Frauchiger auf grossen Zulauf. Vor zwei Jahren zogen 2000 bis 3000 Menschen durch Zürichs Strassen, um gegen Trump und das WEF zu demonstrieren.

«Am WEF werden keine Lösungen gefunden. Das ist eine viel zu teure und umweltschädliche Veranstaltung, die mehr Schaden verursacht als sie Nutzen bringt», begründet Lea Wenger, Vorstandsmitglied der Jungen Grünen Kanton Zürich, ihr Engagement für die Demo am 22. Januar. Allein die Helikop­ter-Flüge diverser WEF-Teilnehmer zwischen Zürich und Davos liessen Zweifel am ökologischen Sinn des WEF aufkommen, so Frauchiger.

Das WEF beginnt am 21. Januar und findet zum 50. Mal statt. Sein diesjähriges Motto lautet «Akteure für eine kohärente und nachhaltige Welt». Sämtliche vom WEF verursachten CO2-Emissionen inklusive Flugreisen werden kompensiert, wie es auf der WEF-Website heisst.

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