Zürich
Stadt soll velofreundlicher werden: Jetzt sollen 100 Kilometer Velo-Vorzugsrouten geschaffen werden

Der Zürcher Stadtrat hat am Freitag seine neue «Velostrategie 2030» vorgestellt. Sie enthält ein Netz von über 100 Kilometer durchgehenden und sicheren Velovorzugsrouten.

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Der Fokus liege auf Velovorzugsrouten, die durchgehende Verbindungen zwischen den Quartieren, der Innenstadt und der Agglomeration schaffen sollen. Wo genau diese Routen durchführen werden, steht noch nicht fest.

Der Fokus liege auf Velovorzugsrouten, die durchgehende Verbindungen zwischen den Quartieren, der Innenstadt und der Agglomeration schaffen sollen. Wo genau diese Routen durchführen werden, steht noch nicht fest.

Archivbild: Bruno Kissling

(sda) Beim Stadtzürcher Dauer-Politikum Velowege soll es endlich vorwärts gehen: Bis in zehn Jahren soll ein 100 Kilometer langes Netz von sicheren Velo-Vorzugsrouten durch die Stadt führen. So steht es in der neuen «Velostrategie 2030», die sich die Stadt verpasst hat.

Nach wie vor ist Velofahrern in der Stadt Zürich an vielen Orten gefährlich - obwohl sich die Stadt seit Jahren mit der Entschärfung von heiklen Stellen und dem Bau von Velowegen abmüht.

«Wir haben gesehen, dass es zu wenig schnell vorangeht. Manche Strassen sind nach wie vor für Velofahrende gefährlich», räumte AL-Stadtrat Richard Wolff am Freitag vor den Medien ein. Mit der deutlichen Annahme der Volksinitiative «Sichere Velorouten für Zürich» im vergangenen September habe die Stadt nun einen weiteren, wichtigen Auftrag erhalten und wolle vorwärts machen.

«Express-Massnahmen»

Statt den bisherigen «Masterplan Velo» weiterzuverfolgen und nur dann etwas für die Velofahrenden zu tun, wenn ohnehin eine Baustelle ansteht, verpasst sich der Stadtrat nun mit der neuen «Velostrategie 2030» einen Strategiewechsel. «Wir mussten das neu benennen, um zu zeigen, dass es nun anders weitergeht», sagte Wolff dazu.

Neu sollen Velo-Massnahmen unabhängig von Bauarbeiten an Strassen ergriffen werden. Also immer dann, wenn es notwendig ist. Geplant sind unter anderem «Express-Massnahmen» wie Markierungen, die «vielleicht nicht perfekt sind», aber Sicherheit bringen sollen.

«So sicher und komfortabel wie möglich»

Kernstück der neuen Velostrategie sind aber die Velo-Vorzugsrouten. Diese waren bei der Stadt bisher unter dem Namen Velo-Schnellrouten bekannt. Von diesem Namen rückte die Stadt aber ab, weil er auf Fussgänger bedrohlich hätte wirken können. Statt «schnell» sollen die Velofahrenden nun lieber «so sicher und komfortabel wie möglich» durch die Stadt kommen, sagte Wolff weiter.

Bis in zehn Jahren sollen 100 Kilometer dieser Vorzugsrouten gebaut sein. Wie sie genau aussehen, also etwa wie breit sie werden, ist noch offen. Das werde noch ausgearbeitet. Ein erstes «Müsterchen» wurde 2020 bereits an der Baslerstrasse eröffnet. Mit dem Ergebnis ist die Stadt zufrieden. Die Baslerstrasse sei nun für Velofahrende viel sicherer, sagte Stadträtin Karin Rykart (Grüne).

Bis in einem Jahr sollen die ersten vier Vorzugs-Strecken mit einer Gesamtlänge von 14 Kilometer fertig sein. Sie führen von Altstetten in den Kreis 4, vom Kreis 7 nach Oerlikon, von Affoltern nach Oerlikon und von Zollikon in den Kreis 8. Welche Routen danach realisiert werden, ist derzeit noch offen.

«Autoarm» statt autofrei

Sicher ist, dass die Routen wenn immer möglich auf Nebenstrassen angelegt werden, nicht auf Hauptverkehrsrouten. Auch der ÖV solle natürlich nicht behindert werden, sagte Rykart weiter.

Die Velo-Vorzugsrouten sollen zwar nicht gänzlich autofrei werden, aber «autoarm». Anwohnerinnen und Anwohnern oder Handwerkern werde natürlich immer noch erlaubt, zu den Häusern zu fahren. Fahrverbote soll es wegen der neuen Velo-Vorzugsrouten keine geben.

Das Auto dürfte in der Hackordnung der Verkehrsteilnehmer aber trotzdem weiter zurückfallen. Wenn man eine Strasse für Velos sicher machen wolle, brauche es für gewöhnlich mehr Platz, sagte Wolff. «Es kann durchaus vorkommen, dass es zum Abbau von Parkplätzen kommt.»

Das Auto steht nicht mehr im Zentrum

Die neue Velostrategie ist für den Stadtrat Ausdruck davon, dass «das Auto bei der Verkehrspolitik nicht mehr im Zentrum steht». Die Strasse sei öffentlicher Raum, der von vielen geteilt werde.

Das geplante Velo-Vorzugsroutennetz soll auch im kommunalen Richtplan verankert werden. Noch vor den Sommerferien dürfte der Gemeinderat darüber beschliessen. Bis dann müsste also klar sein, auf welchen Strecken solche Routen geplant sind.

SP befürchtet Nicht-Umsetzung

Die SP ist von der Velostrategie bisher nicht überzeugt. Sie befürchtet, dass dadurch die Umsetzung der Velorouten-Initiative gefährdet sei. Die Initiative fordere 50 Kilometer autofreie und nicht bloss autoarme Velorouten.

«Wir akzeptieren keine Abstriche bei der Sicherheit der neuen Velorouten», wird SP-Gemeinderätin Simone Brander in einer Mitteilung zitiert. Auch die Grünen fordern, dass «die Qualitätsansprüche gemäss Initiative wenn immer möglich erreicht werden müssen».