Die Stadtzürcher Bevölkerung zeigte gestern Herz für Hockeyaner: 56,6 Prozent der Stimmberechtigten waren für die Vorlage, 43,4 dagegen. Die ZSC Lions Arena Immobilien AG wird nun voraussichtlich ab 2019 auf dem Vulkan-Areal beim Bahnhof Zürich Altstetten ein Eishockeystadion erstellen und aus dem Hallenstadion ausziehen. Die «Theatre of Dreams» genannte Arena wird 11 600 Zuschauern Platz bieten und zudem eine Trainingshalle, Restaurants und Büroräume enthalten. Bereits im Juni hatte sich der Zürcher Gemeinderat mit 93:19 Stimmen ebenfalls klar hinter die Vorlage gestellt. Einzig Grüne und AL lehnten sie ab. Hoch erfreut zeigte sich nach Bekanntgabe des Abstimmungsresultats Peter Zahner, der CEO des ZSC: «Besonders freut mich, dass auch die direktbetroffenen Wahlkreise 9 und 11 das Eishockeystadion wollten.»

Der Ausgang des Urnengangs war nicht selbstverständlich. Schliesslich scheiterte 2013 eine Vorlage für eine andere grosse Sportanlage – das neue Fussballstadion auf dem Hardturm – an der Urne, obwohl das Stadtparlament sie mit grosser Mehrheit unterstützte. Zwar soll die 169 Millionen Franken teure Eishockeyarena grösstenteils mit privaten und Sponsorengeldern finanziert werden. Dennoch ging es gestern um eine ganze Stange Geld: 120 Millionen erhalten die ZSC Lions in Form eines verzinsten, innert 65 Jahren rückzahlbaren Darlehens von der Stadt Zürich. Diese unterstützt den Betrieb des Stadions zudem mit einem Beitrag von 2 Millionen Franken jährlich und überlässt dem ZSC das 28 000 Quadratmeter grosse Areal zu einem Baurechtszins von jährlich 35 000 Franken. Weitere 4,7 Millionen Franken berappt die Stadt für Altlastensanierungen und die Erschliessung des Areals. Neben städtischen fliessen schliesslich auch nationale und kantonale Fördergelder in das Projekt. Und rund 36 Millionen der Baukosten werden privat finanziert.

Private Gelder sorgten für Goodwill

Das Finanzierungsmodell sei einer der Gründe, weshalb die Stadtbevölkerung sich im Gegensatz zur Fussballstadion-Vorlage für das «Theatre of Dreams» erwärmen konnte, sagte gestern der Zürcher Finanzvorstand Daniel Leupi (Grüne). Er hatte das Projekt entgegen der Haltung seiner Partei unterstützt und zeigte sich zufrieden über das Abstimmungsergebnis. «Der ZSC hat stets eine konstruktive Haltung an den Tag gelegt und schon im Vorfeld mit Investoren einen Teil der Baukosten gesichert. Das schuf Goodwill», so Leupi. Wegen dieser privaten Gelder sei auch der Beitrag der Stadt viel kleiner, als dies beim Fussballstadion 2013 angedacht war. Und schliesslich sieht er einen weiteren Vorteil des Eishockey-Projekts darin, dass aufgrund der Lage in den betroffenen Kreisen weniger negative Auswirkungen zu erwarten seien als durch ein Stadion beim Hardturm.

AL und Grüne äusserten sich nach Bekanntgabe des Abstimmungsresultats enttäuscht und deuteten den Nein-Stimmenanteil von über 43 Prozent als Hinweis darauf, dass ein beträchtlicher Teil der Stadtbevölkerung das Projekt ablehnt. Die beiden Parteien kritisierten im Vorfeld, mit dem Bau der Eishockeyarena werde ohnehin knapper städtischer Grünraum zubetoniert (Grüne) und Land zum Spottpreis an private Investoren abgetreten.

Schrebergärtner sind skeptisch

Zu den Verlierern gehört neben der AL und den Grünen auch der Familiengartenverein Altstetten-Albisrieden (FGVAA). 122 Gärten des Schrebergartenareals an der Vulkanstrasse werden der Eishockeyarena nun definitiv weichen müssen. Der Verein bekämpfte das Projekt vor der Abstimmung und verwies auf die wichtige Rolle der Schrebergärten in Bezug auf die Biodiversität. Die Hoffnung, die Meinung der Bevölkerung noch kippen zu können sei von Anfang an klein gewesen, sagte FGVAA-Vizepräsident nachdem das Resultat feststand: «David hat den Kampf gegen Goliath dann auch verloren.» Wenig Vertrauen schenken die Familiengärtner dem Abstimmungsversprechen der Stadt, dass für die wegfallenden Gärten Ersatz in Form von Schreber- und Gemeinschaftsgärten auf dem Dunkelhölzli-Areal geschaffen werde. «Die Erstellungskosten lägen bei 12 bis 16 Millionen. Die Stadt hat aber kein Geld. Dazu müsste erst eine Altlastensanierung vorgenommen werden. Die neuen Gärten kämen also ohnehin zu spät», so Kümin. Das Misstrauen der Familiengärtner sei unbegründet, sagte hingegen Stadtrat Leupi. Er habe bislang keinerlei Hinweise dafür erhalten, dass das Dunkelhölzli-Projekt gefährdet wäre.