Nach neun Jahren ist die Neugestaltung des Zürcher Seebeckens bei Tiefenbrunnen einen grossen Schritt weiter. Gestern präsentierten die Stadt und der Kanton Zürich gemeinsam das Siegerprojekt des Architekturwettbewerbs für den neuen Marina Tiefenbrunnen. Auf einer Fläche von 150 auf 200 Meter entsteht ein als Schwimm-Mole konzipierter Hafen, der neben 400 Wasser- auch 150 Trockenplätze für Boote bietet. Zudem soll im viergeschossigen Hauptgebäude aus Holz an Land ein Wassersportzentrum mit Klubräumen sowie ein 17 Meter breiter öffentlicher Pier und zwei Gastronomiebetriebe auf der Hafenanlage entstehen.
Die Kosten des 38-Millionen-Franken-Projekts sollen zwischen der Stadt, drei Segel-Clubs, der Kibag AG und der Mobiliar Versicherung zu je einem Viertel geteilt werden. Dafür gründen die Parteien eine Aktiengesellschaft.

Unteres Seebecken entlasten

«Das wird der erste Hafen in der Stadt Zürich, der neben dem Wassersport auch für die breite Öffentlichkeit konzipiert wird», sagte André Odermatt (SP), Vorsteher des städtischen Hochbaudepartementes, gestern vor den Medien. Deshalb ist im Gebäude an Land neben dem Wassersportzentrum im obersten Geschoss ein ganzjährig geführtes Restaurant mit 100 Innen- und 60 Aussenplätzen geplant. Das 150 Meter ins Wasser hinausführende Pier ist für die Öffentlichkeit zugänglich und wird beidseitig mit Sitzgelegenheiten eingerichtet. Auf der Mole soll ein überdachter Kiosk und eine Buvette mit weiteren 100 Innen- wie gleich vielen Aussensitzplätzen entstehen.

Das gemeinsame Modell vom Zürcher Architekturbüro Waldrap und Pechmann Landschaftsarchitekten hat sich gegen insgesamt 77 Konkurrenten durchgesetzt. «Die Jury hat sich wegen der praktischen und funktionalen Strukturen einstimmig für das Siegerprojekt entschieden», sagte der Vorsitzende des Preisgerichts, Jeremy Hoskyn vom Amt für Hochbauten. «Das Wasser unter den Füssen und der Himmel über dem Kopf, prägen das Erlebnis auf der neuen Mole», lobte Hoskyn.

Mit dem Hafenbau soll zudem das Zürcher Seebecken entlastet werden, wie Odermatt weiter sagte. Deshalb sollen die insgesamt 300 Bootsplätze beim Mythenquai, beim Hafen Enge, beim Hafen Riesbach und dem aktuellen Hafen Tiefenbrunnen in die Marina Tiefenbrunnen verlagert werden. Mit dem neuen Hafen würden keine neuen Bootsplätze geschaffen, sondern lediglich bestehende verlagert werden, betonte Odermatt. «So wollen wir die Nutzungskonflikte im unteren Seebecken entschärfen», so Odermatt weiter. Damit werde die Seebeckenzone ökologisch entlastet, ergänzte Baudirektor Markus Kägi (SVP). Zudem wolle der Kanton die Bootsplatzmiete der Marina Tiefenbrunnen «sozial verträglich gestalten», so Kägi. Für die Wassersportvereine gelte deshalb ein Mietpreis von 3.50 Franken pro Quadratmeter. Für Private oder genossenschaftliche Mieter wie auch Bootsharing-Anbieter koste der Quadratmeter künftig 7 Franken.

Zudem gelte für Bootsvermieter eine Gewinnbeschränkung von fünf Prozent auf die Eigenkapital-Rendite. Insgesamt rechnet der Kanton mit Einnahmen aus den Konzessionsgebühren von gegen 250'000 Franken im Jahr.
In einem nächsten Schritt führt die Stadt nun ein raumplanerisches Verfahren durch und erarbeitet den Gestaltungsplan. In zwei Jahren will der Stadtrat dann den Gestaltungsplan, den Antrag für die Beteiligung der Stadt an der Aktiengesellschaft Marina sowie den Baurechtsvertrag für das Grundstück dem Gemeinderat vorlegen. Genehmigt das Parlament die drei Vorlagen, wird kein Referendum ergriffen und gibt es keine privaten Einsprachen, kann der Hafen 2023 seinen Betrieb aufnehmen.

In einer zweiten Phase ab 2025 soll die Wasserschutzpolizei innerhalb des Areal umziehen. Mit der damit frei werdenden Fläche wird der bereits existierende Park beim Tiefenbrunnen von 3000 auf 10'000 Quadratmeter vergrössert. Die Baukosten dafür bezifferten die Verantwortlichen noch nicht.