Zürich
Pandemie sorgt für grosses Defizit: ZVV kostet die Gemeinden und den Kanton 69 Millionen mehr

Im Coronajahr 2020 hat der Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) knapp einen Drittel weniger Fahrgäste transportiert. Dieser Rückgang schlägt sich auch in der Rechnung nieder: Er fuhr ein Defizit von 389,3 Millionen ein. Das sind 69 Millionen Franken mehr als im Jahr 2019.

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Für das laufende Jahr erwartet der ZVV noch keine Verbesserung. «Die Auswirkungen der Corona-Pandemie prägen auch 2021.» Die Verantwortlichen erwarten dabei ein noch grösseres Loch als 2020.

Für das laufende Jahr erwartet der ZVV noch keine Verbesserung. «Die Auswirkungen der Corona-Pandemie prägen auch 2021.» Die Verantwortlichen erwarten dabei ein noch grösseres Loch als 2020.

Gaetan Bally/Keystone

Das Defizit wäre an sich noch grösser ausgefallen, wie einer Mitteilung des ZVV vom Dienstag zu entnehmen ist. Denn das betriebliche Ergebnis weist eigentlich ein Minus von 447,1 Millionen Franken aus, was gegenüber dem Jahr 2019 einer Zunahme von fast 40 Prozent entspricht.

Die Verkehrsunternehmen haben aber Reserven von insgesamt 57,8 Millionen Franken aufgelöst und an den ZVV ausbezahlt. Dies «im Sinne der gemeinsamen Bewältigung dieser aussergewöhnlichen Situation», wie es in der Mitteilung heisst.

Das Defizit wird weiter steigen

Das verbleibende Defizit von 389,3 Millionen Franken haben die Zürcher Gemeinden und der Kanton je zur Hälfte zu übernehmen. Beide Seiten haben damit je 194,6 Millionen Franken beizusteuern. Im Jahr davor waren es je 160,1 Millionen Franken. Der Kostendeckungsgrad sank von 69 auf 62 Prozent. Ohne die Reserven der Bahnunternehmen hätte er sich auf 56,4 Prozent reduziert.

Für das laufende Jahr erwartet der ZVV noch keine Verbesserung. «Die Auswirkungen der Corona-Pandemie prägen auch 2021.» Die Verantwortlichen erwarten dabei ein noch grösseres Loch als 2020.

Inzwischen könnten die Kundinnen und Kunden zwar wieder vom vollständigen Angebot profitieren, doch die Fahrgastzahlen würden nur langsam wieder zunehmen, heisst es in der Mitteilung. Die Auslastung der Fahrzeuge beträgt aktuell - im Vergleich zu Vor-Coronajahren - rund 70 Prozent. Das schlage sich auf die Einnahmen nieder. Zudem könnten die Bahnunternehmen kaum ein zweites Mal Reserven in ähnlicher Höhe auflösen.

Einbruch der Nachfrage

Die Zahlen des Geschäftsjahres 2020 überraschen - im Nachhinein - nicht: Die positive Entwicklung der vergangenen Jahren wurde als Folge der Coronapandemie und dem vom Bundesrat angeordneten ersten Lockdown Mitte März abrupt gestoppt.

Das Angebot wurde punktuell reduziert und erst im Mai und Juni 2020 schrittweise wieder hochgefahren. Das Nachtnetz blieb die ganze Zeit eingestellt. Dieses wird erst auf das erste Juli-Wochenende 2021 wieder in Betrieb genommen. «Die Nachfrage und die Verkehrserträge brachen ein», konstatiert der ZVV in seinem Geschäftsbericht.

Insgesamt wurden 2020 in den Zügen, Trams und Bussen 466 Millionen Fahrgäste befördert. Dies entspricht einem Rückgang um 208 Millionen oder rund 45 Prozent. Die Zürcher S-Bahn zählte 146 Millionen Einstiege (minus 32 Prozent). In ähnlichem Umfang sei die Nachfrage auch in den Städten Zürich und Winterthur zurückgegangen.

Digitale Tickets überholen Ticketautomaten

Es wurden 2020 insbesondere weniger Einzelbillette und Multikarten verkauft. Die Einnahmen sanken um 147 Millionen Franken (minus 37,6 Prozent). Bei den Abonnenten war der Verlust mit einem Rückgang um 106,4 Millionen Franken (minus 23,2 Prozent) «etwas weniger dramatisch», wie es im Geschäftsbericht heisst.

Zum ersten Mal wurden anteilsmässig auch mehr Tickets via App, im Webshop oder per SMS gelöst als am Ticketautomaten. Der ZVV gibt die Anteile mit 48,5 beziehungsweise 44 Prozent an.

Der ZVV zieht aber trotz des turbulenten Jahres auch ein positives Fazit: «Die bisher unvorstellbaren Herausforderungen, die durch die Corona-Pandemie gestellt wurden, haben deutlich gezeigt, dass der öffentliche Verkehr krisenresistent ist.» Er habe die Mobilität der Bevölkerung zu jeder Zeit sichergestellt. (sda)