Zürich
Ombudsstelle hat mehr interne als externe Probleme zu bewältigen

Der Stadtzürcher Ombudsmann sollte eigentlich Zeit für Bürgerinnen und Bürger haben, die im Clinch mit der Stadtverwaltung liegen. Zu einem grossen Teil muss er sich jedoch mit internen Personalproblemen befassen.

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38 Prozent der geschilderten Probleme betrafen städtische Mitarbeitende, die ein Problem am Arbeitsplatz hatten. Für Heusser sind auch 38 Prozent zu viel.

38 Prozent der geschilderten Probleme betrafen städtische Mitarbeitende, die ein Problem am Arbeitsplatz hatten. Für Heusser sind auch 38 Prozent zu viel.

Archivbild: Sandra Ardizzone/LTA

Der Lockdown im Frühling 2020 hat bei der Zürcher Ombudsstelle zu einem Rückgang der Geschäfte geführt. 482 Fälle eröffnete der neue Ombudsmann Pierre Heusser, wie aus dem am Donnerstag publizierten Jahresbericht hervorgeht. Im Vorjahr waren es mit 567 deutlich mehr.

Viel Arbeit hatte er trotzdem: Die Zahl der Anfragen nahm im Corona-Jahr deutlich zu. 1141 Mal wurde Heusser im vergangenen Jahr angerufen oder angeschrieben. Im Vorjahr waren es nur 890 Mal.

Auffällig ist gemäss Heusser weiterhin der hohe Anteil an internen Personalfällen. 38 Prozent der geschilderten Probleme betrafen städtische Mitarbeitende, die ein Problem am Arbeitsplatz hatten.

Zwar lag im Jahr 2019 der Anteil an «internen Problemen» noch höher, nämlich bei 46 Prozent. Für Heusser sind aber auch 38 Prozent zu viel. Der Anteil dieser Fälle habe über die Jahre deutlich zugenommen und zwar in absoluten Zahlen als auch anteilsmässig.

Interne Probleme verdrängen die externen Beschwerden

Im ersten Berichtsjahr 1971 beispielsweise lag der Anteil an internen Personalproblemen erst bei acht Prozent. Im Jahr 2009 waren es bereits 28 Prozent. «Es sollte nicht so weit kommen, dass interne Personalfälle die externen Beschwerden überlagern oder gar verdrängen», schreibt Heusser im Jahresbericht.

Wenn man bedenke, dass Personalfälle in der Regel sehr zeitintensiv seien, so sei heute der Punkt erreicht, wo die Ombudsstelle für die «internen Fälle» praktisch gleich viel Aufwand habe wie für die Probleme der Bürgerinnen und Bürger. Heusser ist selber noch nicht sicher, ob er das gut oder schlecht finden soll. Er werde diese Entwicklung aber aufmerksam beobachten.

Zwei Beispiele von internen Personalproblemen, die auf seinem Pult landeten, sind etwa die Regelung von «Minusstunden» für das Pflegepersonal und eine Mitarbeiterin, die nach längerer Krankheit an ihren Arbeitsplatz zurückkehrte und in der inzwischen neuen Organisation gar nicht mehr vorgesehen war. (sda)